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EU-ErweiterungWestbalkan im Warteraum

Kommentar von

Krsto Lazarević

Auf dem Westbalkangipfel inszenierten sich Deutschland und Frankreich als Verfechter einer EU-Erweiterung. Das ist wenig glaubwürdig.

D rei Dinge im Leben lassen sich nicht vorhersagen: Gott, Sex und die EU. Mit dieser verstörenden Aussage sorgte der exzentrische albanische Ministerpräsident Edi Rama nach dem Westbalkangipfel am Freitag für die größte Aufmerksamkeit.

Bereits 2003 versprach die EU den Westbalkanstaaten bei einem Gipfel eine Zukunft in der Union. 23 Jahre später sitzen Montenegro, Albanien, Nordmazedonien, Serbien und Bosnien-Herzegowina immer noch im Warteraum, während Kosovo nicht einmal Kandidatenstatus hat.

Erst das Versprechen einer EU-Perspektive für die Ukraine zwang die EU dazu, die Verhandlungen mit den Westbalkanstaaten wieder ernsthaft voranzutreiben. Eine realistische Chance auf einen EU-Beitritt in den kommenden fünf Jahren hat nur Montenegro. Nicht, weil das Land alle strengen Kriterien erfüllt – das tun viele EU-Staaten auch nicht –, sondern weil sich mit dem kleinen Staat, der weniger Einwohner als Stuttgart hat, zeigen ließe, dass der Erweiterungsprozess nicht tot ist.

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Es hat dabei eine gewisse Ironie, dass sich ausgerechnet Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Westbalkankonferenz in Tivat als Verfechter einer EU-Erweiterung inszenierten. 2019 blockierte Macron als einziger im Europäischen Rat den Start der Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien – obwohl das Land Reformen umgesetzt, einen Autokraten besiegt und sogar seinen Namen geändert hatte, um einen absurden Namensstreit mit Griechenland zu beenden. Die Botschaft Macrons: Selbst wer alle EU-Forderungen erfüllt, kommt nicht zwangsläufig weiter.

Die EU verliert auch an Glaubwürdigkeit, weil die Europäische Volkspartei – zu der auch CDU und CSU gehören – den serbischen Autokraten Aleksandar Vučić und seine Partei weiter in ihren Reihen duldet. Auch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung distanziert sich nicht von den autokratischen Kräften in Serbien, die sie jahrelang mit Steuergeldern gefördert hat. Solange das so bleibt, wirkt das Werben von Merz für eine EU-Erweiterung wenig glaubwürdig.

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6 Kommentare

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  • Vielleicht sollte man einfach aufhören, falsche Versprechungen zu machen.

  • Nach den Erfahrungen mit Ungarn und Polen müssen vor jeglichen Neuaufnahmen erst einmal die EU-internen Hausaufgaben gemacht werden: Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips. Sonst gibt es ein böses Erwachen, wenn einzelne Länder wieder versuchen, die restlichen Staaten zu erpressen. Wer weiß denn schon, wie bei den Beitrittskandidaten die nächsten Wahlen ausgehen.

  • ""Das ist wenig glaubwürdig.""



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    Die Kopenhagener Kriterien sind die zwingend erforderliche Beitrittsbedingungen zur EU.



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    1.. institutionelle Stabilität, eine demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, die Wahrung der Menschenrechte sowie die Achtung und den Schutz von Minderheiten.



    2..funktionsfähige Marktwirtschaft die sich in der EU behaupten kann



    3.. Der Beitrittskandidat muss die Fähigkeit besitzen, die aus einer Mitgliedschaft erwachsenden Pflichten zu erfüllen. Das bedeutet konkret die Übernahme der gesamten bestehenden EU Gesetzgebung



    4.. Die EU muss selbst in der Lage sein, neue Mitglieder aufzunehmen, ohne ihre eigene Integrationsfähigkeit zu gefährden.



    Vorrangiges Defizit ist die fehlende Reformierung hin zur Reform des EU Einstimmigkeitsprizinps - siehe den Schock durch Victor Orban der fast die gesamte Aussenpolitik der EU lahm legte - siehe Serbiens intensive Verbindung zu Putin & China.



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    Genau deswegen haben Macron und Merz die Teilmitgliedschaft hinsichtlich der Westbalkanstaaten und Ukraine vorgeschlagen.



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    Beispiel: Die Bewerbung der Türkei als Mitglied der EU liegt auf Eis - muss wohl nicht erklärt werden. warum.

    • @zartbitter:

      Trotz der Punkte wird der Beitritt immer wieder Staaten versprochen, die meilenweit davon entfernt sind, die Kriterien zu erfüllen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Allen sechs Westbalkan-Staaten (Serbien, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo) wurde auf dem EU Gipfel 2003 zugesichert, Teil der EU zu werden, sobald sie die erforderlichen Kriterien erfüllen.



        ==



        osteuropa.lpb-bw.d...iterung-westbalkan



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        Spätestens seit Thessaloniki 2003 weiss jeder das der Zugang zur EU an Bedingungen geknüpft ist.

        • @zartbitter:

          Ja. Aber obwohl Bedingungen nicht erfüllt werden können, werden weiter Gipfel abgehalten.

          Wirkt auf mich wie die Wurst an der Angel.