Die Wahrheit: Haariges aus der Hauptstadt
Auch das noch! Berlin hat schlimmste Folgen für menschliche Mähnen.
„Nee, das geht überhaupt nicht“, kommentiert Friseurmeister Pedro Pietsch, nachdem er die Hand unter das laufende Wasser gehalten hat. Er dreht den Wasserhahn zu.
„Das ist absolut Gift für mein Handwerk. Das ist quasi kein Wasser, sondern purer Kalk. Die Leute waschen sich mit dem Berliner Wasser die Haare, dann kommen sie zu mir und ich muss ihnen noch eine Ladung Kalk verpassen. Das verträgt kein Haar. Ich versuche mit Spray und Gel zu retten, was zu retten ist, aber ich kann das Ergebnis auch nur schönreden.“
Das krisengeplagte Berlin ist um eine Katastrophe reicher. Der Hair-Challenge-Index 2026 lässt kein gutes Haar an der Hauptstadt. Nicht nur hohe Mieten, Dreck auf den Straßen, die organisierte Kriminalität und eine abnorm schlechte Gesamtlaune machen das Leben zur Hölle, sondern auch das kalkhaltige Wasser, die Luftverschmutzung, die UV-Strahlung und die Luftfeuchtigkeit.
Diese Faktoren wirken sich auf den Zustand der Haare aus, und weil alles in Berlin zu viel ist, steht es schlecht um das Haupt der Berliner. Das kalkhaltige Wasser ist voll mit Kalzium und Magnesium und diese schlimmen Sachen lagern sich im Haar ab und lassen die Frisur wirken wie sechs Monate nicht gewaschen.
Halber Liter Wasserstoffperoxid
„Apropos schönreden“, erzählt Pietsch. „Eine Weile lang habe ich es mit Wasserstoffperoxid probiert. Ein halber Liter pro Haarwurzel. Die Kunden sahen aus, als hätten sie in eine Steckdose gefasst. Ich habe ihnen erzählt, dass das gerade der letzte Schrei sei, direkt aus Paris und Mailand, das trägt der modebewusste Großstadttrendsetter“, lächelt Pietsch.
„Anfangs glaubten mir die Kunden das noch, aber wenn sie nach zwei Wochen wieder auf der Matte standen und aussahen, als hätte auf ihrem Kopf ein Atombombentest stattgefunden, blieb mir nichts weiter übrig, als ihnen reinen Wein einzuschenken. Berlin ist schuld, bei der Erklärung regt sich gefühlsmäßig bei den meisten nichts mehr. Ich gebe dann halt noch Tipps, wie man vielleicht was retten kann“, schüttelt der Geschundene den Kopf.
„Wegen der UV-Strahlung rate ich zu Sonnencreme, aber halt in die Haare. Die Wohnung nicht zu verlassen, kann auch helfen und wenn sie einen Termin bei mir haben, sollen sie halt eine Mütze tragen oder den Schirm aufspannen. Und bloß kein Wasser! Keine Rohrperle, kein Mineralwasser, kein Tafelwasser. Manche schwören auf Regen und waschen sich dann die Haare. Aber ich weiß nicht, warum sollte in Berlin ausgerechnet das Regenwasser unbedenklich sein?“
Laut dem Hair-Challenge-Index 2026 soll Hamburg von allen deutschen Städten die lebenswerteste sein, was Haare betrifft. Die UV-Strahlung soll die geringste sein, was nicht verwundert, schließlich regnet es dort den ganzen Tag. Vermutlich ist das Leitungswasser auch besser, weil sich das gesamte deutsche Kalkvorkommen in der Region Berlin konzentriert.
In Athen ist Glatze wohl die beste Wahl
Vermutlich ist es weiter im Norden noch besser, während der Süden Europas Werte wie in Berlin erreicht. In Athen beispielsweise dürfte eine Glatze die beste Wahl sein. Das Friseurhandwerk ist dort quasi ausgestorben. Ganzjährige Sonneneinstrahlung, ein Autoverkehr mit einer Feinstaubbelastung jenseits jeglicher Grenzwerte und dann die berühmte Athener Luftfeuchtigkeit, die jeder Frisur eine Festigkeit verleiht, die alle Kämme brechen lässt.
Friseurmeister Pedro Pietsch hat eine Entscheidung getroffen: „Ich glaube, ich wandere nach Hamburg aus. Vielleicht tut die Stadt nicht nur den Haaren gut, wenn Sie verstehen, was ich meine.“
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