Die Wahrheit: Fehlerhafte Schreibversuche

Mit dem Slogan „Darjeeling, das stille Wasser unter den Milchkaffees“ eine Schriftstellerexistenz zu begründen, ist gewagt.

Vielleicht hielt das Leben eine literarische Karriere für mich bereit? Meine Eltern, die dies nicht grundsätzlich ausschlossen, aber verantwortungsvollerweise meiner finanziellen Sicherheit Vorrang einräumten, rieten mir eindringlich zum Verfassen von Werbetexten, weil man damit angeblich sehr viel Geld verdienen konnte. Flotte Sprüche würden doch immer gesucht, hieß es.

Mir kam das eigentlich zu profan vor, doch traute ich mir zu, es mit dem branchenüblichen Schwachsinn aufzunehmen. Bei einer auf Produktwerbung spezialisierten Agentur bewarb ich mich mit dem Slogan „Darjeeling, das stille Wasser unter den Milchkaffees“. Als der erwartete Erfolg ausblieb, fühlte ich mich in meiner Überzeugung bestärkt, zu Höherem als der Werbetexterei berufen zu sein.

Jemand schlug vor, ich solle „witzige Sachen“ fürs Fernsehen schreiben, das hätte auf ganzer Linie Zukunft. Ich hatte in der Vergangenheit schon mehrfach versucht, komisch zu sein, damit aber stets nur alle gegen mich aufgebracht. Witze schienen nicht meine Stärke zu sein, das Ernste lag mir mehr. Ich wollte ein ernsthafter Schriftsteller sein und, wie es alle ernsthaften Schriftsteller taten, einen Roman schreiben und zwar einen ernsten.

Was mir dann nur noch fehlte, war ein Verlag, der ihn zu für mich vorteilhaften Konditionen in Buchform veröffentlichte. Doch so weit war ich ja noch nicht, zuerst musste das Buch voll werden. Ich brauchte ein Thema, das möglichst viele Menschen in aller Welt interessierte, damit mein Buch in möglichst viele Sprachen übersetzt werden konnte.

Entschlossen begann ich, geeignete Themen aufzulisten. Das Erste, das mir einfiel, war „Gedeih und Verderb in der Schädlingsernährung“, offenbar etwas für ein Sachbuch oder eine Doktorarbeit. Das war nicht übel, was mir jedoch vorschwebte, war etwas entschieden Populäreres, etwas mit Herz und amourösen Verwicklungen. Darüber dachte ich intensiv nach und notierte endlich: „Junge liebt Kuh, alle sind dagegen, auch der Junge und die Kuh.“

Ein tolles Thema, provokant und aus dem Leben, doch leider wusste ich nicht, wie ich daraus etwas Massentaugliches entwickeln sollte, das 250 Druckseiten füllte. Ich dachte weiter nach, und eines Tages hatte ich die Erleuchtung: Ich war überhaupt kein Romancier, sondern Lyriker! Das war meine Bestimmung!

Voller Inspiration ging ich sogleich ans Werk. Leider machte ich aber beim Tippen dauernd schwere Fehler, so dass statt Lyrik jedesmal ein Volksbegehren für mehr Mürbeteig entstand. Obwohl ich persönlich durchaus mit einem solchen Volksbegehren sympathisierte, schwor ich dem Schreiben resigniert ab. Bis zum heutigen Tage und bis zu diesen Zeilen habe ich nie wieder etwas geschrieben.

Ich hätte mich damals ohne Weiteres umbringen können, sogar der Gemeindepfarrer hätte dafür Verständnis gehabt, doch aus lauter Rücksicht auf die Welt blieb ich am Leben. Und weil ich irgendetwas tun musste, machte ich mir als Opfer von Realitätsstrahlen einen Namen. Wie inzwischen nachgewiesen werden konnte, war das jedoch nicht ich, sondern ein ganz anderer.

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kari

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