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Thea, 16 Jahre, besucht die 11. Klasse einer Sportschule in der Nähe von Frankfurt und macht professionell Trampolinturnen

„Social Media gehört für mich zum Alltag dazu. Wenn ich meine Bildschirmzeit anschaue, bin ich so bei zwei bis drei Stunden am Tag für Tiktok, Instagram und Snapchat. Ich finde, das ist nicht wenig, aber auch nicht extrem viel – eher durchschnittlich für mein Alter.

Wie viel wir es nutzen, wird schon versucht, einzuschränken, zum Beispiel von der Schule. Da gibt es ein Ampelsystem. In den Fluren hängt zum Beispiel eine grüne Ampel, da darf man aufs Schulportal oder Sachen für die Schule machen. In der Mensa ist rot, da ist das Handy komplett verboten. In Klassenräumen darf man es nur mit Erlaubnis benutzen. Aber vor allem in der Oberstufe ist das alles nicht mehr so streng.

Früher wurden Handys sogar bis Ende der Woche eingezogen, das hat aber nicht gut funktioniert, auch weil viele von uns lange Schulwege haben und auf ein Handy angewiesen sind. Ich finde es grundsätzlich okay, wenn es Regeln gibt, aber sie sollten realistisch sein und auch kontrolliert werden können. Was zum Beispiel funktionieren könnte, ist, dass die Lehrerin alle Bildschirme der Ipads sieht, mit denen man arbeitet. Da ist es dann ja leicht zu überprüfen, ob man gerade die Aufgabe löst oder Subwaysurfer zockt.

Ein komplettes Social-Media-Verbot unter 16 sehe ich kritisch. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre 14 und dürfte plötzlich nichts mehr nutzen, fände ich das schon bevormundend. Ich glaube auch nicht, dass es wirklich funktionieren würde, weil man es leicht umgehen kann, zum Beispiel über die Accounts der Eltern oder mit technischen Tricks.

Sinnvoller fände ich Aufklärung in der Schule, so wie bei Drogenprävention – also erklären, welche Risiken es gibt und wie Algorithmen funktionieren. Ein Verbot, wie es jetzt in der Politik besprochen wird, ist bei uns kein Thema, nicht in der Schule und auch nicht, wenn ich mit meinen Freundinnen rede. Wobei, einmal habe ich mit meiner besten Freundin telefoniert und darüber gesprochen. Die war da nämlich gerade in Australien und da stand es gerade bevor, dass es eins geben würde. Wir fanden das seltsam.

Ich würde sagen, Social Media macht mich und meine Freundinnen eher glücklich als unglücklich. Klar vergleicht man sich manchmal, gerade mit 13 oder 14, aber in meinem Freundeskreis hat das niemanden komplett runtergezogen. Social Media hilft mir auch, mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Über Snapchat sehe ich zum Beispiel auf der Map, wo bestimmte Freunde sind. Das ist praktisch, wenn man sich spontan treffen will. Wenn das alles wegfallen würde, würde sich mein Alltag schon verändern. Ich würde es natürlich überleben, aber es wäre anders.

Natürlich gibt es auch negative Seiten. Ichkenne Leute, die sehr abhängig sind oder denen bestimmte Inhalte nicht guttun, vor allem wenn sie eh schon mentale Probleme haben. Ich bekomme viel Sport-Content angezeigt, weil ich viel trainiere. Klar, da schaue ich mir auch mal was ab. Ich habe angefangen, morgens Rote-Bete-Saft zu trinken, weil andere Sportler das empfehlen. Es schmeckt nicht besonders gut, aber schaden wird es schon nicht. Da bin ich vielleicht leicht zu beeinflussen. Gleichzeitig nehme ich nicht alles an – irgendwelche Fitness-Trends wie ständig Kreatin würde ich nicht einfach so machen, sondern nur nach Rücksprache mit unserer Ernährungsberatung.

Ich hatte auch schon eine Phase, in der ich gemerkt habe, dass ich zu viel am Handy war. Dann habe ich angefangen zu, lesen, auch auf dem Weg zur Schule. Das hat mir gezeigt, dass ich ganz gut selbst steuern kann, wie viel ich Social Media nutze.“ Protokoll: Ann-Kathrin Leclère

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