piwik no script img

DAX im RekordhochEinfache Finanzmathematik

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

Der Leitindex Dax schnellt durch Trumps Amtseinführung in die Höhe. Doch das hat nichts mit der Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten zu tun.

D onald Trump bewegt die Börsen. In welche Richtung und wie stark tatsächlich, ist noch nicht ausgemacht. Zumindest das Allzeithoch des deutschen Leitindex Dax kann nicht allein mit der zweiten Amtszeit des US-Republikaners erklärt werden. Wichtiger ist die Geldpolitik der Notenbanken.

Am Montag knackte der Dax erstmals die 21.000-Zähler-Marke. Noch vor einem Jahr hatte er weniger als 17.000 Zähler. Dieser Aktienboom überrascht auf den ersten Blick. Schließlich ist die Lage der deutschen Wirtschaft alles andere als rosig: 2024 schrumpfte sie das zweite Jahr in Folge, auch dieses Jahr ist mit keinem großen Wachstum zu rechnen. Donald Trump droht mit seinen Zollankündigungen eine zusätzliche Belastung für die exportorientierte deutsche Wirtschaft zu werden. Schließlich sind die USA der wichtigste Abnehmer für Produkte „Made in Germany“. Wie passt das mit den steigenden Börsenkursen zusammen?

Im Dax gelistet sind die 40 größten Aktiengesellschaften des Landes. Wie hoch deren Kurse sind, hängt aber nicht nur davon ab, wie viele Gewinne die Investoren einem Unternehmen zutrauen. Der Kurs hängt auch davon ab, wie viel Rendite sie ansonsten für ihr Geld bekommen könnten.

Hier kommt die EZB ins Spiel: Sie drückt mit ihren Zinssenkungen die Renditen auf den Finanzmärkten allgemein nach unten. Gleichzeitig werden Renditen auf den sogenannten Nennwert einer Aktie gezahlt – und nicht den Börsenwert. Je höher letzterer ist, desto niedriger ist die Rendite und umgekehrt. Deswegen steigen die Aktien fast automatisch, wenn Notenbanken die Zinsen senken. Das ist einfache Finanzmathematik.

Die jüngsten Kurszuwächse im Dax waren offenbar auch von der Hoffnung geprägt, dass die neuen US-Zölle vielleicht doch nicht so hart ausfallen würden wie zunächst befürchtet. Doch kann der neue US-Präsident so manchen Investorentraum auf dem Frankfurter Börsenparkett wieder zerstören, wenn er doch alle seine Wahlkampf­drohungen wahrmacht. Und dann sinken auch die Aktienkurse.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Vielleicht hätte man bei dieser Gelegenheit auch kurz erklären sollen, wie sich Devisenkurse auf Aktienmärkte auswirken. Das ist mir in dieser Darstellung ein wenig zu klausuliert. Man kann die Devisenkurse zwar als Nebenwirkung der Notenbankzinsen betrachten, aber sie schwanken auch ohne Zinsänderungen und bedingen entsprechende Anpassungen der Aktienkurse.