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Cote d'IvoireDas Schweinsteiger-Theorem

Wieviel Rassismus steckt in unserem Reden über afrikanischen Fußball? Und wie „wild“ hat Côte d’Ivoire gegen die DFB-Elf eigentlich gespielt?

Tun wir doch mal so, als hätten unsere Experten wirklich etwas zu sagen. Der ARD-Experte Bastian Schweinsteiger beispielsweise hatte sich mit seiner Prognose vor Deutschlands Spiel gegen Côte d’Ivoire (2:1) einen mittelschweren Shitstorm eingefangen.

Nagelsmanns Elf, hatte er gesagt, treffe auf ein Team, das „ein bisschen afrikanischen Fußball“ spiele, „der manchmal so ein bisschen unorthodox ist, so ein bisschen wild ist, vielleicht manchmal auch nicht ganz so von der Taktik geprägt ist“.

Was das Team, das sich selbst „die Elefanten“ nennt, bot, war kein bisschen unorthodox oder „wild“ (was immer das sein soll). Trainer Emerse Faé hatte eine sehr kluge Taktik für das ivorische Team ausgetüftelt. Mit einer sehr körperlichen Spielweise wurden die Räume eng gemacht, und in der ersten Halbzeit konnte das Team die DFB-Auswahl über weite Strecken dominieren.

Das wurde nach dem Führungstreffer durch Franck Kessié (30. Minute) noch stärker, denn da kam zu ivorischer Taktiküberlegenheit noch deutsche Verunsicherung. Côte d’Ivoire spielte mit Viererkette und schaltete schnell um.

Dass das ivorische Team taktisch klug spielt, ist keine Turnierüberraschung

Was man hätte wissen können

Schweinsteiger nach dem Spiel auf X: „Die Elfenbeinküste war der erwartet schwere Gegner und hat ihre technische Qualität und Physis gezeigt.“

Dass das ivorische Team so spielt, ist keine Turnierüberraschung. Gerade die Defensivreihe sollte sich herumgesprochen haben – schließlich hat das Team in der WM-Qualifikation kein einziges Tor kassiert.

Kurz gesagt: Das Schweinsteiger-Theorem, wie er so ist, der afrikanische Fußball, ist daran gescheitert, woran Expertenprognosen gerne scheitern, an der Realität.

Ist Bastian Schweinsteiger nun als Rassist überführt? Einerseits entstammen seine Sprüche vom „wilden“ Fußball rassistischen Narrativen. Andererseits plappert Schweinsteiger im Grunde nur das nach, was hierzulande mehrheitlich über afrikanischen Fußball geglaubt wird.

Vermutlich muss einer der in der Welt des deutschen Profifußballs groß wurde, Europa (plus ein bisschen Brasilien und Argentinien) für die gesamte Welt halten.

Irgendwie ist diese WM ein Bildungsprogramm.

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5 Kommentare

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  • So entspannt wie der Artikel würde ich es auch sehen. Stereotype und Vorurteile an der Realität platzen lassen. England etwa spielt auch kein Kick & Rush mehr, sondern tuchelt. Inzwischen sind auch afrikanische Spieler in der Regel in europäischen Taktikschmieden großgeworden und zu taktischer Flexibilität dauergedrillt.



    Wuid spielte da eher der junge Schweini.

  • Als Kind liebte ich in den üblichen Fernsehzeitschriften und Illustrierten die kleinen Spiele unter der Rubrik "Suche die Fehler", das war visuell und erkennbar logisch sowie mit Ansage zur Frequenz als Kontrolle.



    Jetzt bin ich der Meinung, dass hier "Höre den Fehler" läuft, eine anspruchsvolle Erweiterung des 'Spektrums' zur Schulung (m)einer Aufmerksamkeit(sökononie).



    Ist eigentlich schon Sommerloch?



    @Wofgang Donner:



    "We hear different"🤓



    (schlussendlich dominiert doch die spontane Live-Unterhaltung mit ihren speziellen Momenten, auch mal (leider) auf Kosten anderer, fast immer über die ultimative Political Correctness, das wusste schon der Mega-Entertainer Thomas Gottschalk gut zu nutzen).



    'Schweini': Schwamm drüber...🧽

  • Das Bildungsprogramm wird noch spannend.

    Die Aussagen seien rassistisch, aber dann doch wieder nicht, weil es das Mehrheitsbild sei?

    Expertenprognosen scheitern gerne an der Realität? Wenn das auch in anderen Bereichen für Experten gilt, kann man sich die schenken, oder?

    Ansonsten, den per ÖR finanzierten Experten brauchts nicht.

  • Zum Artikel "Das Schweinsteiger-Theorem":



    Im Frühjahr habe ich (fast) alle 52 Spiele des Africa-Cup im TV (Sportdigital) gesehen. Zwischen den Spielen wurden Jingles von afrikanischen Spielern eingeblendet. Es handelte sich zumeist um Afrikaner, die in europäischen Ligen spielen. Der Satz, den sie in diesen Jingles sagten, war immer der selbe: "We play different".



    Dieser Slogan war Teil der offiziellen Kampagne der "Confederation of African Football" (CAF). Sogar der grammatikalische Fehler (different statt Adverb differently) war Teil der Kampagne. Die CAF ist nicht des Rassismus verdächtig.

    • @Wolfgang Donner:

      Erinnert mich auch etwas an Cool Runnings. Andere Sportart, aber da läuft es erst, als sich die vier klar werden, dass sie wie Jamaikaner Bob fahren sollten und nicht wie Schweizer. Anders heißt ja schließlich nicht schlechter.