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Bündnis Sahra WagenknechtBSW-Mitgründerin verlässt Partei mit großem Knall

Die Ex-Bundestagsabgeordnete Żaklin Nastić bricht mit der Wagenknecht-Partei – und teilt gegen die BSW-Chefin aus. In der Parteispitze ist man irritiert.

Hardlinerin: BSW-Mitgründerin Żaklin Nastić Foto: Georg Wendt/dpa

Zum Abschied hat es Żaklin Nastić noch einmal krachen lassen. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Mitgründerin des BSW trat am Dienstag aus der Wagenknecht-Partei aus. Den verbalen Rundumschlag gegen ihre nun gewesenen Par­tei­kol­le­g:in­nen gab es kostenlos dazu. Die Rede ist von parteiinterner „Katzbuckelei“, von „Verrat“, von „Kadavergehorsam“, von „postengierigen Mitläufern“, vor allem aber: von einem „Hofstaat“, der sich um die BSW-Bundesvorsitzende Amira Mohamed Ali gebildet habe.

Mohamed Ali sei eine „grandiose Strippenzieherin“, die sich über das System der restriktiven Mitgliederaufnahme „einen Großteil des Parteiapparats“ gefügig gemacht habe, wütet Nastić, bis Dienstag Beisitzerin im Bundesvorstand. Mohamed Ali, so Nastić weiter, habe ansonsten nichts vorzuweisen. Im Gegenteil: Die Ex-Kollegin stehe wie keine andere BSW-Führungskraft „für katastrophale Wahlergebnisse, schlechte Ausstrahlung und miserable Außenwirkung in den sozialen Medien“. Sie, Nastić, Mitglied der ersten Stunde, sei jedenfalls fertig mit dem Laden und dieser Vorsitzenden.

Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es am Mittwoch aus der Parteispitze. „Da müssen wir mit umgehen, aber wir respektieren den Schritt von Frau Nastić selbstverständlich“, sagt BSW-Generalsekretär Oliver Ruhnert zur taz. Zum aggressiven Ton des Austrittschreibens fügt er gleichwohl hinzu: „Heute muss offenbar jeder, der bestimmte Dinge anders sieht, das besonders groß mitteilen.“

Der Hofstaatvorwurf sei dabei komplett haltlos. Er selbst sei das beste Beispiel dafür. „Bevor ich im Dezember Generalsekretär wurde, sind Frau Ali und ich uns wenig bis gar nicht über den Weg gelaufen.“ Wie der gesamte Bundesvorstand sei auch er „auf demokratische Weise“ von den Delegierten des Parteitags vor gut vier Monaten gewählt worden. „Das hat doch mit einem Hofstaat nichts zu tun“, so der ehemalige Manager des Fußballerstligisten 1. FC Union Berlin.

Frieden mit Russland ist Frieden mit der AfD

Mindestens irritiert zeigt sich Ruhnert auch über einen anderen Punkt in Nastićs vergifteten Abschiedsgruß. So beklagt sich die Spitzenkandidatin des BSW Hamburg für die Bundestagswahl 2025 mit Blick auf Mohamed Alis „Lizenz zur Einlasskontrolle“, dass „vielen erfahrenen Antiimperialisten, die für punktuelle und pragmatische Zusammenarbeit mit Friedensbewegten in der AfD geworben hatten“, der Parteizutritt verwehrt worden sei.

Beim Thema „Frieden mit Russland“ gilt die einstige Linken-Politikerin Nastić sogar für BSW-Verhältnisse als ausgesprochene Hardlinerin. Die 46-Jährige sucht den großen Schulterschluss mit allen, die der von Russland überfallenen Ukraine den baldigen Untergang an den Hals wünschen – und sieht die Friedensfreunde daher auch Seit’ an Seit’ mit AfD-Bundeschef Tino Chrupalla. Anders als die BSW-Spitze habe Chrupalla immerhin den „Mut“, den Abzug der US-Truppen aus Deutschland zu fordern, echauffiert sich die ehemalige Lebensgefährtin des mindestens ebenso querfrontigen Ex-Linken Diether Dehm.

Noch wilder wird es, wenn Nastić gegen die beendete beziehungsweise noch aktuelle Regierungsbeteiligung der Wagenknecht-Partei in Brandenburg und Thüringen schießt. Diese Koalitionen „mit den extremistischen Aufrüstern in SPD und CDU“ habe die BSW-Spitze allein deshalb forciert, um den Medien zu gefallen, „wohingegen mit der doch eher gemäßigten AfD nicht einmal verhandelt wurde“, so das Verdikt von Nastić.

„Das Thema Thüringen hat mich sehr verwundert“, sagt Generalsekretär Oliver Ruhnert. Ausgerechnet den Landesverband von Björn Höcke als „eher gemäßigt“ zu bezeichnen und mit diesem „auch nur annähernd über Koalitionen nachzudenken“, sei „total absurd“. Ruhnert unterstütze es, dass die Thüringer Par­tei­kol­le­g:in­nen derartige Überlegungen ablehnen. Generell wolle er aber auch noch einmal deutlich machen, dass das BSW auch andernorts keine Koalitionen mit der AfD eingehen werde. „Wir haben zwar immer klar gesagt, dass wir die Brandmauer für falsch halten, werden uns aber sicher nicht der AfD andienen.“

BSW-intern wird bereits gelästert, Żaklin Nastić werde wohl demnächst bei der extremen Rechten eine neue politische Heimat suchen und finden. Am Mittwochabend meldete sich die Ex-BSWlerin – Mitgliedsnummer 11 – in den sozialen Medien erneut zu Wort, um ihren Followern mitzuteilen: „Und nein, ich habe nicht vor, in die AfD einzutreten.“

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17 Kommentare

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  • Mit den "Friedensbewegten in der AfD" sind wohl die dortigen Putinfreunde gemeint...

  • Das BSW war durchaus für einige Menschen eine Art Hoffnung. Es ging um linke Politik direkt, unverstellt und unvereinnahmt durch Machtverhältnisse. Jetzt meldet Nastic das Gegenteil, dies sei bereits eine verkrustete Partei. Ob das stimmt und was überhaupt stimmt, ist durchaus eine interessante Frage.



    Leider kippen die gesellschaftlichen Verhältnisse nach Rechts und der Bundeskanzler und Teile der Union reden die AfD regelrecht hoch, insofern hätte das BSW durchaus eine Rolle annehmen können, die eine gute Wirkung oder ein Schutz gewesen wäre. Das wird wohl nix mehr ...

    • @Andreas_2020:

      Auch die AgD ist für einige Menschen eine Art Hoffnung. Das ist kein Wert an sich.

  • Eine Partei von und für Querulanten. Und das Einzige, womit die in die Schlagzeilen kommen ist Querulantentum. Wer hätts gedacht?

  • Dass Eine wie Frau Nastic das BSW jetzt schwer enttäuscht verlässt, muss man wohl dem BSW erstmal gutschreiben. Ein nicht so gutes Licht wirft es freilich auf die Tatsache, dass das handverlesende Auswahlverfahren bei der Parteiaufnahme ihr ursprünglich mal einen (führenden) Platz in der Partei zutraute...

  • Wenn ich den Artikel so lese, werden die wenigsten im BSW über diesen Austritt traurig sein.



    Es ist generell schade, dass fast alle Parteipolitiker so abhängig und ausschließlich von ihrem Ego und ihrer Partei besessen sind. Kann man das nicht gelassener nehmen, wenn die Vorsitzende mal etwas anders sieht, oder umgekehrt, wenn eine Abgeordnete mal etwas anders sieht als man selber? Vielleicht bräuchten wir ein Halbtagesmandat, ähnlich wie ein Ehrenamt, anstelle von viel zu gut dotierten Abgeordnetenmandaten, um das wieder zurechtzurücken.

  • Die Gründung der BSW war für die Linke das beste, was passieren konnte. Mit den Damen und Herren, die die Linken verliessen, ging auch der Großteil der Chaotinnen und Chaoten.



    Und wenn nochmals jemand sagt, mit Frauen ginge immer alles besser, verweise ich in Zukunft an die BSW: Die Damen Wagenknecht, Mohamed Ali, Nastić, Wolf etc... stehen den Herren in den anderen Parteien an Profilierungssucht, Machtgeilheit und Nichtskönnen in nichts nach.

    • @Offebacher:

      Ich weiß nicht. Machtgeilheit sehe ich bei Wagenknecht eher nicht. Ihr Problem ist eher, dass sie sich gerade nicht in Grabenkämpfen verausgaben will, was aber im heutigen Parteiensystem wohl eine Notwendigkeit ist.



      Man denke an Gestalten wie Merkel und Kohl, welche ihre Partei immer komplett unter Kontrolle hatten. An Brillanz waren diese beiden Wagenknecht bestimmt unterlegen, aber eben nicht bezüglich der Lust, mögliche Gegner schnell und effektiv abzuräumen.

  • Ich erinnere mich noch an eine Zeit als solche Streitereien zum Alltagsgeschäft bei der Linke gehörten. Zufälligerweise zu einem Zeitpunkt als Wagenknecht auch Linkenpolitikerin war. Hmmm…

  • Friedensbewegte in der AfD, aha, die AfD ist gemäßigt, im Vergleich mit was? Eine loose cannon weniger an Bord des BSW-Schiffes, trotzdem ist das BSW bereits jetzt gescheitert. Linke Sozialpolitik mit rechter Migrationspolitikist schon schräg genug, aber dieser willfährige Putinismus, absolut irre.



    Für die AfD ist er immerhin verständlich, wäre man über einen blauen Putin, der Deutschland regieren würde sicher mehr als glücklich bei den Braunen, auch wenn er auf den Namen Alice Weidel hören würde.



    Das BSW ist nach wie vor ein Egovehikel für Sarah Wagenknecht, welches aber von der Realität und vom eigenen Unfug langsam in den Morast gefahren wird.

  • War doch zu erwarten, dass sich diese Kindergartentruppe schnell selbst zerlegt.







    Wir sollten übrigens nicht vergessen, aus welchem Fundus deren Mitglieder stammen. Das "„Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ ist letztlich ein Destillat der LINKEN, dem die Politik der Ursprungspartei noch nicht verquer genug war.







    Das ganze Schema hatten wir doch so ähnlich schon mal. Lafontaine tritt als amtierender Bundesminister aus der SPD aus, gründet eine eigene Partei der Enttäuschten (WASG). Die fusioniert dann mit der Linkspartei/PDS, die sich dann zusammen "Die LINKE" nennt. Ein zusammengewürfelter Haufen unzufriedener, die anderen Parteien und Wählern von der Oppositionsbank aus nichts weniger als moralisch bessere Politik für alle ankündigen, bis sie mal gewählt werden und komplett versagen oder zurücktreten.







    Ich hoffe, den LINKEN-Wählern geht so langsam auf, dass sie in den letzten 20 Jahren Ihre Hoffnung auf linke Politik mit Stimmabgabe für solche Politiker(innen) wie Żaklin Nastić, Lafontaine und Sarah Wagenknecht gesetzt haben. Zu denken, dass ja jetzt alle Wirrköpfe zum BSW gewechselt sind, ist naiv. Da ist genug an radikalem Unsinn übrig geblieben.

  • Wieviel Hufeisen müsst Ihr denn noch an den Kopf kriegen, bevor ihr was mitkriegt?

    • @Claude Nuage:

      Auf die Hufeisentheorie kann man hier auch nur kommen, wenn man den BSW für eine linke Partei hält. Wie viele PolitikerInnen der Linken nähern sich denn der AfD an?

      Wie sich Fabio de Masi dorthin verirren konnte verstehe ich allerdings nach wie vor nicht. Ansonsten waren das hauptsächlich die Leute, welche für mich Die Linke mit ihrem Austritt erst wählbar gemacht haben.

  • Schräg, wie Sahras ganzer Bonzensozialismus.

  • Sind Knalle eigentlich groß bzw. klein? Ich dachte immer, die seien mehr oder weniger laut. Und nach dem Abstandsgesetz nimmt ihre Lautstärke umgekehrt proportional zur Entfernung von der Schallquelle ab. Der Knall wäre also in diesem Fall außerhalb des BSW kaum zu bemerken. Und ich frage mich: Wer hat ihn hier?

  • Nasty Nastic nähert sich den "Friedensfreund:innen" der AfD an? Da sage mir noch einer was gegen Hufeisen ...

  • Eigentlich geht’s mich nichts an, denn mit dem BSW bin ich längst fertig.



    Doch ein noch heftigeres Blinken nach rechts, wie es Frau Nastic in ihrem Austrittsschreiben vollzieht, irritiert mich schon etwas.



    Ich dachte, eine stärkere programmatische Rechtsorientierung, als sie das BSW ohnehin zeigt, wäre nicht denkbar bei Leuten, die vor kurzem noch wichtige Funktionen in der Linkspartei innehatten. Meines Wissens gehörte auch Frau Nastic dazu.



    Heute wollen diese Leute in Querfrontmanier Seit an mit der AfD auf Ostermärsche gehen. Gruselig die Vorstellung, dass eine Frau Nastic mal ein Bundestagsmandat für Die Linke innehatte (von einem Dieter Dehm will ich erst garnicht reden).



    Alle Hufeisenfans hier im Forum dürften angesichts solcher Nachrichten freudig in die Hände klatschen, ich tue es nicht.