Bruch der Feuerpause im Irankrieg: Washington und Teheran eskalieren weiter
Trotz einer Waffenruhe setzen die USA und Iran ihren gegenseitigen Beschuss fort. Auch Kuwait gerät wieder ins Visier. Ein Ende scheint nicht in Sicht.
dpa/taz | Trotz der geltenden Waffenruhe haben sich die USA und Iran in der Golfregion erneut gegenseitig angegriffen. Das US-Militär wehrte nach eigenen Angaben sechs vom Iran auf die mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain abgefeuerte ballistische Raketen ab. Ein weiteres Geschoss habe sein Ziel verfehlt, teilte das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando (Centcom) mit.
Zuvor erklärte das US-Militär, im Bereich der Straße von Hormus vier iranische Drohnen abgewehrt und anschließend in Iran Radarstellungen auf der dortigen Insel Qeschm und im Ort Goruk attackiert zu haben.
Die Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht der Islamischen Republik – teilten laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim kurz daraufhin mit, man habe als Reaktion auf die US-Angriffe Stützpunkte des Feindes in der Region angegriffen. Kuwaits Luftabwehr war zuvor nach Armeeangaben gegen Angriffe mit Raketen und Drohnen im Einsatz. Auch in Bahrain gab es kurz darauf Raketenalarm.
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Das US-Militär dementierte derweil iranische Behauptungen, wonach in Bahrain das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten beschädigt worden sei. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Bahrain: „Eklatante“ Verletzung der Souveränität
Bahrain verurteilte die erneuten Angriffe auf sein Staatsgebiet und Kuwait scharf. Es handle sich um eine „eklatante“ Verletzung der Souveränität beider Länder, berichtete die Staatsagentur BNA unter Berufung auf das bahrainische Außenministerium. Iran müsse seine „ungerechtfertigten“ Angriffe einstellen. Bahrain werde keine Kompromisse beim Schutz seiner Souveränität, Sicherheit und Bevölkerung eingehen.
Das Teheraner Mullah-Regime hatte zuvor schon mehrfach Geschosse auf Kuwait und andere Staaten am Persischen Golf gefeuert. Dort unterhält das US-Militär Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie von Iran entfernt sind. Erst am Mittwoch hatte eine Drohne den internationalen Flughafen von Kuwait getroffen. Dabei wurde mindestens ein Mensch getötet, Dutzende weitere wurden verletzt.
Die iranische Führung spricht bei ihren Angriffen stets von Vergeltung für die Angriffe des US-Militärs. Die USA wiederum sprechen von Selbstverteidigung angesichts von Angriffen oder Provokationen seitens des Irans.
Die im Bereich der Straße von Hormus abgewehrten iranischen Kampfdrohnen hätten eine Bedrohung für die Schifffahrt dargestellt, teilte Centcom etwa in der Nacht mit. Die anschließenden Angriffe des US-Militärs auf Qeschm und in Goruk seien erfolgt, um sich „gegen weitere Angriffe zu verteidigen“. Welche Waffensysteme dabei eingesetzt wurden, blieb zunächst unklar.
Straße von Hormus als Nadelöhr der Weltwirtschaft
Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade verhängt, um Iran am Export von Öl zu hindern.
Eigentlich gilt seit fast zwei Monaten eine Waffenruhe in dem Krieg, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels gegen den Iran begonnen hatte. Jedoch kam es zuletzt immer wieder zu vereinzelten gegenseitigen Angriffen der Kriegsparteien. Parallel laufen zähe Verhandlungen für ein Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran, um den Krieg zu beenden.
Um sich gegen die iranischen Angriffe besser zu schützen, kauft Kuwait in den USA Abwehrsysteme gegen Drohnenangriffe. Man habe den Verkauf entsprechender Rüstungsgüter im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) genehmigt, so das US-Außenministerium. Wann das System geliefert werden soll, blieb zunächst unklar. Bei Rüstungsgeschäften geht es häufig um langfristige Beschaffungszeiträume.
Trump: Iran hat noch ein Fünftel seiner Raketen
US-Präsident Donald Trump behauptete unterdessen, Iran verfüge noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals. Die meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion seien ausgeschaltet worden, sagte er dem TV-Sender NBC News.
„Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Sie haben noch einige Raketen und einige Drohnen“, so Trump. Und weiter: „Prozentual würde ich sagen, vielleicht noch 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen.“ Das seien noch viele, aber nicht mehr das, was sie anfangs hatten.
Vollkommen unklar blieb mal wieder, worauf Trumps Schätzung des iranischen Raketenarsenals beruhte. Zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, die unter Berufung auf US-Beamte oder Geheimdiensterkenntnisse nahelegten, dass Iran weiter über einen großen Teil seiner Raketen verfügt.
Die New York Times etwa berichtete Mitte Mai, der Iran verfüge noch über etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen und rund 70 Prozent seines Raketenarsenals. Die Washington Post nannte ähnliche Zahlen.
Auch Konflikt zwischen Hisbollah und Israel geht weiter
Derweil gehen auch die Kämpfe zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel weiter, obwohl auch in dem Konflikt eigentlich eine Waffenruhe gilt. In der Nacht schrillten in mehreren Gebieten im Norden Israels wieder die Sirenen. Es sei eine Drohne abgefangen worden, teilte die israelische Armee auf Telegram mit. Zwei weitere Drohnen seien in der Nähe des Einsatzgebietes israelischer Streitkräfte im Südlibanon niedergegangen. Es habe keine Verletzten gegeben.
In der Nacht zum Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach Angaben des US-Außenministeriums zwar auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der bisher faktisch kaum wirksamen Waffenruhe geeinigt. Die libanesische Regierung ist keine Konfliktpartei in dem Krieg und hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah, die auch als Staat im Staat gilt. Die von den Mullahs in Iran unterstützte islamistische Hisbollah, die nicht an den Verhandlungen beteiligt war, will von einer Waffenruhe nichts wissen.
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