Besuch des Schah-Sohns in Berlin: Protest gegen Pahlavi
Am Donnerstag wird der Kronprinz in Berlin erwartet. Kritik kommt von Linken, kurdischen und iranischen Gruppen. Doch Armin Laschet will ihn treffen.
Der bevorstehende Besuch sorgt schon im Vorfeld für helle Aufregung. Am Donnerstag will sich der Sohn des 1979 gestürzten Schahs des Iran vor der Bundespressekonferenz, dem Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten, deren Fragen stellen. Der älteste Sohn des letzten Monarchen und ehemalige Kronprinz des Iran lebt seit der Revolution von 1979 im Exil. Monarchistische Gruppen der iranischen Diaspora betrachten ihn als politischen Anführer der iranischen Opposition.
Wie viel Rückhalt er im Land tatsächlich hat, ist allerdings unklar, und auch in der iranischen Diaspora ist er umstritten. Denn seine Pläne, nach einem möglichen Sturz des Regimes im Iran die Macht zu übernehmen, sind vage. Auch sein Standing ist umstritten. US-Präsident Donald Trump hat ihn noch nie empfangen, und auch westliche Regierungen halten Abstand zu ihm.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte auf Anfrage, ein Treffen Pahlavis mit Außenminister Johann Wadephul (CDU) sei nicht geplant. Dafür will sich der Unions-Außenexperte Armin Laschet mit Reza Pahlavi zu einem „Gedankenaustausch“ treffen, um mit ihm über die aktuellen Entwicklungen im Irankrieg zu sprechen. Dies werde gemeinsam mit weiteren Abgeordneten unterschiedlicher Fraktionen geschehen, teilte der CDU-Abgeordnete der Deutschen Presse-Agentur in Berlin mit. Laschet ist auch Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.
Kritik für „antikurdische Aussagen“
Nicht alle sind davon begeistert. Das Treffen „schüre Zweifel, ob wesentliche Vertreter der deutschen Politik ernsthaftes Interesse an einer echten demokratischen Entwicklung in Iran haben, die alle ethnischen und religiösen Gruppen umfasst“, kritisiert Cansu Özdemir, die außenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Die Linke solidarisiere sich mit der Opposition in Iran. Pahlavi distanziere sich aber nicht vom autoritären Erbe der Schah-Diktatur und sei zudem durch „antikurdische Aussagen“ aufgefallen. Er sei kein glaubwürdiger Demokrat, sondern stehe für „restaurative Machtvorstellungen“.
In einem offenen Brief an die Präsidentin des Deutschen Bundestages, Julia Klöckner, sowie an die Vorsitzenden der Fraktionen hat sich auch eine Gruppe von über 20 Einzelpersonen gegen den geplanten Besuch von Pahlavi im Bundestag ausgesprochen. Die Unterzeichner äußerten ihre „ernste Besorgnis“ darüber. Zu den Unterzeichnern zählen Joachim Rücker, ehemaliger Präsident des UN-Menschenrechtsrats, sowie Horst Teltschik, langjähriger Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz und früherer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl.
Kritisiert wird, dass Pahlavi noch im April 2026 erklärt habe, er sei „stolz“ auf das Vermächtnis seines Vaters Mohammad Reza Shah Pahlavi. Dessen Repression – darunter systematische Folter, politische Verfolgung und umfassende Überwachung durch die Geheimpolizei Savak – blende er dabei aus. Zudem habe er nach der Bildung eines kurdischen politischen Bündnisses im Februar 2026 entsprechende Bewegungen als „Separatisten“ bezeichnet und angedeutet, das Militär solle dem nach einem möglichen Regimewechsel Einhalt gebieten.
Mehr als zwei Dutzend deutsch-iranischer Organisationen stießen in einer gemeinsamen Erklärung ins selbe Horn. Sie kritisierten, dass Pahlavi wiederholt zu militärischen Angriffen gegen Iran aufgerufen und den Angriffskrieg der USA und Israels begrüßt habe. Auch seine Berater hätten Angriffe auf die Infrastruktur des Landes befürwortet.
Mehrere Demonstrationen in Berlin
Zum geplanten Besuch des iranischen Oppositionspolitikers sind in Berlin am Donnerstag auch zahlreiche Demonstrationen angekündigt. Bereits am Morgen beginnen im Regierungsviertel am Reichstagsgebäude unter den Losungen „Freiheit für Iran“ und „Unterstützung für Prinz Reza Pahlavi von EU und Deutschland“ zwei Kundgebungen, die sich für Pahlavi einsetzen und gegen die islamistische Staatsführung in Iran richten. Über 1.000 Demonstranten werden erwartet.
Die Pressekonferenz von Pahlavi um 10 Uhr ist nicht weit entfernt im Haus der Bundespressekonferenz am Spreeufer geplant. Ob Pahlavi auch bei einer Demonstration sprechen wird, war zunächst nicht bekannt. Die Polizei bereite sich darauf vor und werde die Kundgebungen wie üblich begleiten, hieß es. Konkrete Zahlen zu Einsatzkräften gab es zunächst noch nicht.
Gegen Mittag wollen Gegner von Pahlavi unter dem Motto „Hände weg von Iran! Gegen US-deutschen Regime Change“ am Brandenburger Tor demonstrieren. Schließlich soll es am Nachmittag am Reichstag noch eine weitere Demonstration von Schah-Fans unter dem Motto „Ende der Mullah-Diktatur“ geben.
Zuvor war Pahlavi in Schweden und Italien gewesen. Auch seine Besuche dort waren umstritten.
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