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Automatisierung und MehrwertEinkommensteuern für Maschinen

Roboter nehmen uns Arbeitsplätze weg. Warum besteuern wir nicht ihren Produktivitätsgewinn – und profitieren alle vom Fortschritt?

S chon 2036 könnte es so weit sein. Im Büro sitzt nur noch die halbe Belegschaft. Den Rest erledigt künstliche Intelligenz. In der Fabrik fahren Roboter die Schichten, in der Logistik sortieren Maschinen die Pakete. Alles geht schneller, ist automatisiert und damit viel produktiver. Gut, einerseits. Nur, was passiert mit den Jobs? Wer zahlt eigentlich noch Lohnsteuer, wenn Roboter uns am Arbeitsplatz ersetzen?

Mit jeder neuen Anwendung kommt eine alte Angst zurück. Dass technischer Fortschritt unser Feind ist, weil er zu Massenarbeitslosigkeit und Verarmung führt – und dadurch auch noch die Staatskasse leert. Immer häufiger kommt deshalb die Idee auf: Besteuern wir Roboter und KI!

Die Angst dahinter ist verständlich. Und trotzdem ist die Schlussfolgerung falsch. Fortschritt zu besteuern, wäre ein Eigentor. Gerade in einer alternden Gesellschaft, die in Zukunft darauf angewiesen ist, menschliche Arbeit an Maschinen, Roboter und KI abzutreten – und produktiver zu sein.

Beispiel: Landwirtschaft. Heute arbeiten dort gerade einmal ein Prozent aller Erwerbstätigen. Vor 200 Jahren war es noch fast jeder Zweite. Als Traktoren, Mähdrescher und andere Maschinen kamen, forderte niemand eine Traktorensteuer, damit möglichst viele Menschen weiter mit der Hand das Feld bestellen. Die freigesetzte Arbeitskraft wechselte in andere Branchen: auf den Bau, in Büros oder in Fabriken. Warum sollte es bei KI und Robotern anders sein?

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Problematisch wird es nur, wenn die Gewinne von Robotern und KI vollständig bei den Eigentümern landen – und eben nicht verteilt werden. Dann verlieren Beschäftigte ihre Arbeit, haben weniger Einkommen und der Wirtschaft fehlt es an Nachfrage. Dann kann technischer Fortschritt tatsächlich mit Arbeitslosigkeit und wachsender Ungleichheit einhergehen. Wobei: Wenn Unternehmen die Produktivitätsgewinne nicht weitergeben, können sie auch nicht verkaufen, was Roboter herstellen – und zerstören auf lange Sicht ihr eigenes Geschäft.

Die Gewinne aus KI und Robotern sollten deshalb über höhere Löhne, gerechtere Steuern und einen leistungsfähigen Sozialstaat verteilt werden. Dafür müssten die Gewerkschaften aber endlich wieder dafür sorgen, dass die Löhne mit der Produktivität steigen (was in den letzten drei Jahrzehnten nicht geklappt hat). Und die Politik müsste die Unternehmensteuern anheben, und nicht – wie derzeit geplant – sogar noch senken.

Der Unterschied ist aber wichtig: Nicht der Roboter selbst sollte besteuert werden, sondern der zusätzliche Gewinn, den er ermöglicht. Anders verhindert man nicht Arbeitslosigkeit, sondern den Fortschritt selbst. Eine Robotersteuer würde Investitionen in neue Technologien weniger attraktiv machen und damit gerade jene Unternehmen bestrafen, die produktiver werden wollen. Eine höhere Besteuerung von Gewinnen lässt den technischen Fortschritt dagegen zu und sorgt anschließend dafür, dass ein größerer Teil seines Ertrags bei der Gesellschaft ankommt.

Dafür braucht es allerdings Politik, die sich traut, den mächtigen Lobbyverbänden der Unternehmen zu widersprechen. Wenn die Produktivitätsgewinne oben hängen bleiben, wird aus technologischem Fortschritt soziale Spaltung. Wenn sie verteilt werden, kann daraus mehr Wohlstand, Freizeit und ein besseres Leben für alle entstehen.

Nicht der Roboter ist also das Problem. Sondern die Frage, wem sein Gewinn gehört.

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Maurice Höfgen

Maurice Höfgen Ökonom, Autor, YouTuber

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