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Argentinische RocklegendeIndio Solari ist im Alter von 77 Jahren gestorben

Nach dem Tod des Musikers versammelten sich Tausende Menschen auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires. Der Leichnam ist im Vorort Avellaneda aufgebahrt.

Jürgen Vogt

Aus Buenos Aires

Jürgen Vogt

Die argentinische Rocklegende Indio Solari ist tot. Solari starb am 5. Juni im Alter von 77 Jahren in seinem Haus in Parque Leloir in Ituzaingó bei Buenos Aires. Sein Tod hat eine spontane Massentrauer ausgelöst. Am frühen Freitagabend versammelten sich in der argentinischen Hauptstadt Tausende auf der Plaza de Mayo vor dem Präsidentenpalast. Singend, lachend und weinend tanzten sie durch die Nacht zur Musik aus den Smartphones und Soundboxen. „Siempre en nuestros corazones“ – Für immer in unseren Herzen, schrieb der argentinische Nationalspieler Lionel Messi aus den USA, wo er bereits zu Testspielen vor der Weltmeisterschaft angereist war.

Geboren wurde Carlos Alberto Solari am 17. Januar 1949 in Paraná in der Provinz Entre Ríos. Kurz nach der Geburt zog die Familie nach La Plata, der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires. Mit 19 ging er auf das dortige „Institut für Schöne Künste“, wurde aber nach einem Jahr von der Einrichtung verwiesen. „Das Wichtigste war damals die Rebellion“, sagte er später über diese Zeit.

In La Plata formierte Indio Solari zusammen mit anderen die Rockband Patricio Rey y sus Redonditos de Ricota. Das genaue Gründungsdatum ist offen. Es kreist jedoch um den Militärputsch von 1976. Die Band entwickelte einen unverwechselbaren Stil und eine besonders enge Beziehung zu ihrem Publikum. Mit Andeutungen und rätselhaften Metaphern verarbeitete sie in ihren Songtexten die Erfahrungen von Gewalt, Angst und sozialer Zerrissenheit jener Jahre. Solari und die Redonditos wurden zu einem generationsübergreifenden Phänomen. Ein Fan der ersten Stunde erzählt: „Ich habe die Band in allen Phasen gesehen, seit ich 15 war, später gingen auch meine Kinder und Enkel mit.“ Die Konzerte erreichten eine unkontrollierbare Größe, die selbst innerhalb der Band Unbehagen auslöste und mit zur Auflösung 2001 beitrug.

Nach dem Aus startete Solari eine erfolgreiche Solokarriere, und die enge Verbindung zu den Fans blieb bestehen. 2016 macht er während eines Konzerts seine Erkrankung öffentlich: „Der Parkinson ist mir auf den Fersen.“ 2017 gibt er vor einem riesigen Publikum sein letztes Live-Konzert. Danach konzentriert er sich auf Studioarbeit und die Veröffentlichung von Büchern, während sein Gesundheitszustand zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. 2023 gibt er bei einem virtuellen Konzert das Ende seiner Bühnenkarriere bekannt.

Solari hatte sich stets als Anhänger von Ex-Präsidentin Cristina Kirchner gezeigt und den aktuellen Präsidenten Javier Milei mehrfach kritisiert. Der hatte schon 2017 über ihn geschimpft: „Wenn Indio Solari das kommunistische Paradies so sehr mag, soll er doch in Kuba oder Nordkorea leben.“

Auf die Forderung, Solaris Sarg im Kongress aufzubahren, reagierte die Regierung ausweichend. Üblicherweise werden bekannte Persönlichkeiten zum letzten Adios im Kongressgebäude aufgebahrt, nur Diego Maradona wurde im Präsidentenpalast aufgebahrt.

Seit Sonntag ist der Sarg mit dem Leichnam im Sportzentrum im Parque de los Trabajadores (Arbeiterpark) in Avellaneda, einem Vorort von Buenos Aires, aufgebahrt. „Ab 11 Uhr und solange es erforderlich ist, damit jeder die Möglichkeit hat, von ihm Abschied zu nehmen“, erklärte die Familie. Tausende werden aus der Hauptstadt kommen und Abschied nehmen. Und nochmals Tausende sind gerade aus allen Landesteilen mit Bussen unterwegs.

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