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Film „Greedy People“Der vergebliche Versuch, niemanden umzubringen

Ambros Waibel
Kolumne
von Ambros Waibel

„Greedy People – Gelegenheit macht gierig" ist eine erste gemütliche, dann blutige Angelegenheit. Und wie immer spielt der Zufall eine große Rolle.

A m Freitag erzählte mir mein Söhnchen begeistert, dass sein Lieblingserzieher ihm erzählt habe, am Wochenende gehe er immer in den Wald, zum Ausspannen. Am Samstag wollten wir dann auf die Berliner Pfaueninsel fahren. Da die S-Bahn aber mal wieder beschlossen hatte, ihren Verkehr ein paar Haltestellen vorher einzustellen, fuhren wir mit den Rädern in den Grunewald, einen doch recht großer Wald. Und wen trafen wir da? Den Erzieher, genau.

Zufälle also gehören zum Leben, und so gehören sie dann auch in einen Film. In „Greedy People – Gelegenheit macht gierig“, der als deutsche TV-Erstausstrahlung über die ZDF-Mediathek abrufbar ist, passieren lauter solche Zufälle – nur sind es eher Zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort-Momente als so schöne Überraschungen, wie wir sie erlebten.

„Versuch niemanden umzubringen“, gibt Cop Terry (sehr prollig-groß: Joseph Gordon-Levitt) seinem gerade ins Provinzidyll zugezogenen Partner Will (Himesh Jitendra Patel) auf ihre erste gemeinsame Streife mit – und natürlich tut der dann genau das.

Greedy People

„Greedy People – Gelegenheit macht gierig“, in der ZDF-Mediathek

Dass er nichts dafür kann, dass im Gegenteil der Tod der betreffenden Person längst von anderer Seite beschlossene Sache war, ist dabei nicht entscheidend. Wir alle reiten uns ja oft erst in die Scheiße mit unseren Reaktionen auf ein Unglück, nicht durch das Missgeschick selbst.

Chaos und Tod

Alles, was der moralisch wackelige Will, seine verbissen schwangere Ehefrau Paige (Lily James) und der seinem „pursuit of happiness“ folgende Terry dann veranstalten, führt zu Chaos und Tod in der Kleinstadtidylle.

Das ist von Regisseur Potsy Ponciroli temporeich und mit durchweg guter Besetzung inszeniert und von Drehbuchautor Mike Vukadinovich ziemlich flott geschrieben. Ziemlich nur, weil es neu nun nicht ist, wie sich hier alles überschlägt. Man denkt an Serien wie „Florida Man“, die Plots von Elmore Leonard und Charles Willeford oder eben die ganze Tarantino-Schule.

Spaß machen die knapp zwei Stunden mit den geldgierigen Leuten aus „Greedy People“ trotzdem. Und das liegt nicht zuletzt an einer Nebenrolle, die den ganzen Film wie eine Klammer zusammenhält: Uzo Aduba als Kleinstadt-Chief Captain Murphy.

Aduba, zur LGBT-Ikone geworden als die Figur Crazy Eyes in der Serie „Orange Is the New Black“ und 2017 mit dem Point Courage Award für ihr Engagement für die Community ausgezeichnet, hat nämlich ein paar Botschaften parat: Leb deine Trauer um ein verstorbenes Kind. Sei freundlich, aber nicht blöd. Gib die Hoffnung nie auf, dann wird ein Wunder geschehen. Und, last not least, geh nie ohne Waffe raus, und drücke zuerst ab, wenn eine auf dich gerichtet wird.

Zu den weiteren Zufällen gehört, dass es von Regisseur Ponciroli gerade noch einen anderen Film in der Mediathek zu sehen gibt, den Western „Old Henry“ von 2026 – auch der dank Jugendschutzbeschränkung erst ab 22 Uhr oder eben mit Altersnachweis zu sehen. Und auch in dem geht es um ein Fundstück, um Gier und ihre Kosten.

Aduba, von der auch mal die Serie „Low Country“ der „Good Wife“-Macher Robert und Michelle King angekündigt war, in der sie einen offen lesbischen Sheriff im ländlichen South Carolina spielen soll, ist seit November 2023 Mutter. Vater ist der Filmemacher Robert Sweeting. Und da wiederum ist es kein Zufall, wie stark sie den Umgang mit dem Verlust eines Kindes verkörpert und wie sehr sie belohnt wird – ein bisschen wie eben wir mit unserer unverhofften Begegnung im Wald!

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Ambros Waibel

Ambros Waibel taz2-Redakteur

Geboren 1968 in München, seit 2008 Redakteur der taz. Er arbeitet im Ressort taz2: Gesellschaft&Medien und schreibt insbesondere über Italien, Bayern, Antike, Organisierte Kriminalität und Schöne Literatur.
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