Anbau von Zitrusfrüchten und Mandeln: Für unser Obst trocknet Spanien aus
Bewässerung von Zitrusfrüchten und Mandeln für Deutschland kostet im Ausland viel Wasser. Der WWF fordert, heimische Alternativen zu fördern.
Um die Menschen in Deutschland zu ernähren, verbrauchen andere Staaten große Mengen Wasser für die künstliche Bewässerung von Pflanzen. Die Umweltorganisation WWF bezifferte die Menge in einer am Donnerstag vorgestellten Studie auf jährlich 2,4 Milliarden Kubikmeter – so viel wie der Chiemsee. Am meisten Wasser wird laut WWF für Zitrusfrüchte, Reis und Mandeln eingesetzt.
Besonders Zitrusfrüchte und Mandeln stammen aus trockenen Regionen wie Spaniens Mittelmeerküste oder Kalifornien, wo das Risiko für Wasserknappheit hoch sei. Aus solchen Gebieten kommen auch Nüsse, Pfirsiche oder Aprikosen. Der Wasserverbrauch könnte noch steigen, wenn die Deutschen – wie laut WWF aus Klimaschutzgründen unabdingbar – mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel verzehrten. Für den Anbau von Futtermitteln zur Produktion etwa von Fleisch sei kaum Bewässerung nötig.
Viele Orangenplantagen zum Beispiel in Spanien würden dagegen mithilfe illegaler Brunnen bewässert, „zum Teil aus unterirdischen Wasserspeichern, die sich nicht wieder auffüllen“. Der WWF kritisiert seit Langem, dass für Vögel wichtige Feuchtgebiete im Nationalpark Doñana in Andalusien wegen der Bewässerung von Erdbeerfeldern austrocknen. Solche Probleme könnten noch wachsen, weil wegen des Klimawandels die Temperatur steigt und Niederschläge abnehmen.
Der WWF fordert deshalb von der neuen Bundesregierung, den Anbau von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen in Deutschland zu fördern. „Je höher der Anteil an Nüssen, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse aus heimischem Anbau, desto geringer unser Anteil an der Wasserknappheit andernorts“, erklärt WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran. Zitrusfrüchte wachsen in Deutschland nicht, aber die hiesigen Schwarzen Johannisbeeren etwa enthielten sogar mehr Vitamin C als Orangen. Obwohl zum Beispiel Haselnüsse in Deutschland heimisch seien, stammten derzeit 98 Prozent aus dem Ausland.
Lieferkettengesetz soll Wassersparen fördern
Bei unerlässlichen Importen gelte es, den Verbrauch von Bewässerungswasser zu senken. Dafür müsse die nächste Bundesregierung das Lieferkettengesetz ändern, das deutsche Unternehmen verpflichtet, sich um die Einhaltung der Menschenrechte bei ausländischen Lieferanten zu kümmern. Umweltrisiken decke es nur unzureichend ab, sagt Dräger de Teran. „Druck in der Lieferkette auch beim Thema Wasser entsteht aber nur dann, wenn zum Beispiel Lebensmittelunternehmen und der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland für Wasserrisiken entlang ihrer gesamten Lieferkette in die Bütt müssen“, so die Umweltschützerin. Das würde in den Anbauländern auch den Druck erhöhen, die vorhandene Wassergesetzgebung konsequent umzusetzen.
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