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AfD legt sich mit Burschenschaftern anHolt das Popcorn raus!

Michael Trammer

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Michael Trammer

Burschenschafter sind sauer, weil Niedersachsens AfD einen der ihren nicht einstellen will. Die Haltung der AfD ist erfreulich, aber unglaubwürdig.

E xtrem rechte Publikationen sind oft eher gestelzt geschrieben, und es mangelt an einem halbwegs ansehnlichen Layout – von den Inhalten ganz zu schweigen. Nichtsdestotrotz lohnt sich deren Lektüre für Be­ob­ach­te­r:in­nen rechter Umtriebe. Denn manchmal wird sich hier ganz öffentlich gekabbelt. Holt das Popcorn raus!

Auf Seite 90 der aktuellen Ausgabe von Burschenschaftliche Blätter, der Periodika der Deutschen Burschenschaft, findet sich ein bemerkenswerter Abschnitt. Der Autor echauffiert sich dort über die niedersächsische AfD. Denn die habe einem „Verbandsbruder“, nach vorläufiger Zusage, dann doch noch die Einstellung als Referent im niedersächsischen Landtag verwehrt. „Die Begründung: Er sei in einer Burschenschaft aktiv, welche unter anderem Verbindungen zur Identitären Bewegung aufweise“, heißt es. Der einzige dafür vorgelegte Beleg sei ein Artikel „der Antifa“. Die Bilder in dem Artikel, schreibt der Autor weiter, zeigen den Bewerber bei einem Treffen in Eisenach mit Burschenschaftern, die wiederum in der Identitären Bewegung (IB) aktiv sein sollen.

Welchen Artikel er meint, lässt der Autor des Textes in Burschenschaftliche Blätter offen. Es gibt nun nicht so viele Bilder und Publikationen, auf die seine Beschreibung zutreffen könnte. Es könnte sich beispielsweise um Seite 9 des „Relate Magazin – Antifa Info-Flyer für Hannover“ handeln. Dort zu sehen: White-Power-Gruß, Mitglieder der Jungen Alternative und Werteunionisten. Auch auf dem Bild: IB-Kader der Münchner Burschenschaft Danubia.

Aber stellt die AfD tatsächlich Leute, die sie eigentlich haben will, nicht ein, weil sie in einer Burschenschaft aktiv sind, die Kontakt zur rechtsextremen IB hat und beruft sich dabei auf „die Antifa“? Auf eine taz-Nachfrage will sich Frank Horns, der Pressesprecher der AfD Niedersachsen, nicht zu dem Fall äußern, sondern fordert eine schriftliche Anfrage. Etwas später heißt es dann per Mail: „Zu Personalfragen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“ Eine Nachfrage der taz zum allgemeinen Verhältnis der AfD Niedersachsen zu Burschenschaften lässt der Pressesprecher unbeantwortet.

Es ist peinlich, in einer vereinsinternen Zeitung über die Nichteinstellung eines Kameraden zu lamentieren

Dabei ist das der Knackpunkt: Der Autor in Burschenschaftliche Blätter beklagt eine Distanzierung der niedersächsischen AfD vom „patriotischen Vorfeld – sowohl der DB (Anm. der Red.: Deutsche Burschenschaft), als auch der IB“. Auf Nachfrage sollen AfD-Mitglieder gesagt haben, man wisse ja, wie es auf Burschenschaftshäusern zugehe. Ein frisch für die AfD in den Bundestag eingezogener Abgeordneter aus Niedersachsen soll außerdem mehrfach den Ausschluss von Burschenschaftern gefordert und sich abfällig geäußert haben.

Bei allem Entertainment über den Zwist bleibt es einfach nur peinlich, in einer vereinsinternen Zeitung über die Nichteinstellung eines Kameraden zu lamentieren. Alles in allem ist die Distanzierung der AfD Niedersachsen von Burschenschaften und der IB gleichermaßen erfreulich wie unglaubwürdig, ist die Partei doch weiter von bekannten Rechtsex­tremisten durchzogen.

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Michael Trammer

Michael Trammer

Freier Journalist aus Hannover | Arbeitet am liebsten multimedial und investigativ. Schreibt hier meist zu sozialen Bewegungen, sozialer Ungleichheit, Migration und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. | Mitglied des Journalist*innenkollektivs Freelance Underground | Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton; studiert Visual Journalism and Documentary Photography an der Hochschule Hannover
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2 Kommentare

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  • Stefan Marzischewski-Drewes verfolgt eine Strategie, sich zu distanzieren und sich öffentlich so darzustellen, als wenn die AfD bestimmte politische Kreise nicht haben will. Nur besteht die AfD schon aus diesen Menschen. Es ist ein Ablenkungsmanöver. Vielleicht war dieser Mensch hier sowieso nicht geeignet, aber die Show wird jetzt gemacht. Überhaupt Show: Alice Weidel war gerade rassistisch wie noch nie im Bundestag, das hat auch Signalkraft auf rechte Burschenschaftler. Die werden die AfD noch besser finden ....

  • Ich würde dem jobsuchenden „Kameraden“ ja empfehlen, sein Bewerbungsspektrum über die AfD hinaus auszuweiten … Mitarbeiter mit entsprechender nationaler Gesinnung werden heutzutage schließlich überall gesucht.



    Wie wäre es z.B. mit einer Anfrage bei der niedersächsischen CDU?