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AfD-Parteiausschluss gescheitert Auch ein freundlicher Nazi ist ein Nazi

Kommentar von

Raoul Spada

Matthias Helferich, selbst ernanntes „freundliches Gesicht des NS“, darf in der AfD bleiben. Seine krassen Aussagen zeigen die völkische Seele der Partei.

I n ihrem Gutachten zur Verfassungsfeindlichkeit der AfD hat die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) gerade erst 2.500 Belege dazu gesammelt, dass Demokratie, Menschenwürde und die AfD nicht zusammenpassen. Die extrem rechte Partei steht gegen die Menschenwürde und das demokratische Prinzip, das schlossen die Juristen der GFF aus Millionen unappetitlicher Social-Media-Posts und Hunderttausenden Dokumenten. Kurz: Die AfD ist verfassungsfeindlich.

In einem Punkt ist das Gutachten der GFF dagegen zurückhaltend: der Verbindung der AfD zum Nationalsozialismus. Selbst wenn es in der Partei unkritische und teilweise positive Bezugnahmen auf den NS gebe, sei eine Wesensverwandtschaft ausdrücklich nicht festzustellen. Auch unterscheide sich der Antisemitismus der Partei klar von dem der NSDAP. Ebenso sei der in der AfD weit verbreitete Geschichtsrevisionismus kein Indiz.

Dass der Weg zu den Brüdern und Schwestern in Braun trotzdem nicht weit ist, zeigt der gerade gekippte Parteiausschluss des ultrarechten AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Das selbst ernannte „freundliche Gesicht des NS“ darf bleiben, schloss ein Schiedsgericht.

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Der Landesvorstand der AfD Nordrhein-Westfalen hatte Helferich vorgeworfen „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund unter Anwendung staatlicher Zwangsmittel als politische Zielstellung artikuliert“ zu haben. Im Juli 2025 beschloss das Landesschiedsgericht in Düsseldorf den Rauswurf, den das Bundesschiedsgericht jetzt kippte. Das mit der Verfassungsfeindlichkeit mache sich der Landesvorstand „zu einfach“.

Helferich nennt Migranten „Viecher“

Zu einfach? Helferich spricht von der „Bedrohung unserer Heimat“ durch „globalistische Zirkel“. Er fordert die „millionenfache Remigration“ von deutschen Staatsbürgern zur „Rettung unserer Heimat“ und teilt die Deutschen damit in Bür­ge­r:in­nen erster und zweiter Klasse. Helferich beschwört die „Rückkehr in die Heimat“ von allen, „die in Deutschland keine Perspektive haben“. Migrantinnen und Migranten nennt er auch mal „Viecher“.

Die Bundesregierung, findet Helferich, wolle „das eigene Volk (z)ersetzen“. Damit zeigt Helferich klar seine Ideen von völkischer Reinheit. Gemeinsam mit vielen weiteren Parteikollegen, Björn Höcke vorneweg, treibt er die stetige Radikalisierung der AfD voran. Immer mehr Verbindungen in völkische Kreise werden öffentlich.

Konservative mit schwarz-blau leuchtenden Augen sollten hier genau hinschauen: Wer damit rechnet, dass eine AfD mit Machtoption sich selbst entschärft, verschließt die Augen vor der Realität. Ihre ausgestreckte Hand gilt einer Partei, in der völkische Ideologie vollkommen ungehindert gedeiht.

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Raoul Spada

Jahrgang 1992, ist Co-Ressortleiter und Themenchef im Online-Ressort der taz.
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11 Kommentare

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  • An denen ist NICHTS freundlich, gar nichts!

  • U.v.a. steht über ihn bei Wikipedia: "Helferich wird eine Nähe zur Ideologie des Nationalsozialismus attestiert. Er bezeichnete sich unter anderem – eigenen Angaben zufolge ironisch – als „freundliches Gesicht des NS“.



    Wenn dieser Satz also ironisch gemeint war - was meinte er wirklich? Ist er am Ende doch nur das "hässliche Gesicht des NS"?



    Wenn man sich durch den langen Wikipedia-Beitrag gequält hat (ja es war für mich eine Qual), könnte man zu dieser Meinung finden.



    Sein ganzer Lebensweg führt in nur eine Richtung: Waschbataillon* bei der Bundeswehr , Frankonia, Junge Union, CDU, AfD, Nähe zu Höcke, Antisemitismus, Homophobie, Rassismus.



    * Das Waschbataillon ist übrigens eine Einheit, in der man lernt, wie man späterhin stets "seine Hände in Unschuld wäscht. Dieses Bataillon gibt es seit Pontius Pilatus.

  • Eigentlich ist es schon fast wieder gut, dass diese Partei nicht fähig ist, selbst Menschen wie Helferich auszuschließen. Die schlagkräftigesten Argumente für das Verbotsverfahren werden uns - zusätzlich zu allem, was jetzt schon bekannt ist - so quaisi von der Partei selbst auf dem Silbertablett serviert. Wir müssten die freundlichen Angebote aber auch endlich annehmen, wollen wir das Werk der Gründungsmütter und -väter des Grundgesetzes nicht verraten.

  • "Viecher"? Menschen, die man nicht mag, darf man also nicht beleidigen? Na sowas. Hier in diesem Blatt wurde Hr. Gabriel zum "größten Sozi aller Zeiten" gekürt (2018), u. a. weil er andere Menschen als "Pack" bezeichnet hat.



    Generell empfehlenswert:



    Bevor man eine Handlung begeht/abfeiert, sollte man sich fragen, ob man sie ebenso einschätzen würde, wenn die Gegenseite das Gleiche tun würde.

    • @Desdur Nahe:

      Selbst wenn die Kür zum „größten Sozi aller Zeiten" eine Anspielung auf den „größten Führer aller Zeiten“ gewesen sein sollte, wären mit „Sozi“, „Führer“ und „Pack“ immer noch Menschen gemeint, wogegen unter „Viechern“ ausschließlich Tiere, oftmals Ungeziefer, verstanden werden. Während „Viecher“ den Betroffenen ihr Menschsein (die Menschenwürde) oder ihre Zivilisiertheit abspricht, tun die anderen Begriffe das nicht.

    • @Desdur Nahe:

      Hallo - aufwachen! Es geht im Artikel nicht darum, was die taz gut oder schlecht findet. Es geht darum, dass dieser Mann selbst der AfD (zumindest in NRW) zu rechts ist, zu demokratiefeindlich. Sie wollte ihn loswerden, was ihr aber bisher nicht gelang.

      • @Il_Leopardo:

        "Es geht im Artikel nicht darum, was die taz gut oder schlecht findet"



        Das Wort "Viecher" steht in einer von der taz verfassten Zwischenüberschrift, ist also der taz zuzurechnen und wurde wohl nicht zufällig als Beispiel gewählt.



        Also bewährte Strategien:



        -Pack? Ist doch gar nicht so schlimm (s. Yes) oder



        -ja, ist schlimm, aber bitte nicht beachten, sondern den Fokus lieber auf was anderes legen.

        • @Desdur Nahe:

          Moment mal, beim „Pack“ kommt es nicht nur auf den gegenüber „Viechern“ geringeren Grad der Herabstufung an, sondern auch auf die Begleitumstände. Die mit „Pack“ Gemeinten hatten zuvor sowohl Notunterkünfte bedroht und angegriffen als auch Galgen mit einem Strick für Gabriel gezeigt. Insbesondere in letzterem lag eine gegen ihn gerichtete Gewaltverherrlichung und -androhung, eine Provokation, die bei Helferichs pauschaler Beschimpfung aller Migranten offensichtlich fehlt.



          Im Übrigen ist dem Kommentar auch unmissverständlich zu entnehmen, dass er die Verunglimpfung von Migranten als „Viecher“ ablehnt und sich diese keinesfalls zu eigen macht oder sie auf sonstige Weise gutheißt. Allein das bloße Zitieren der fremden Äußerung, um diese zu kritisieren, führt nicht dazu, dass sich die Zeitung oder der Redakteur sie als eigene zurechnen lassen müsste. Das wäre ein etwas zu starr und ignorant verengter Trugschluss.

  • Das ist ja wunderbar, denn das konterkariert die Aussage des Gutachtens zu fehlenden Bezügen zum Nationalsozialismus:

    Wenn ein hochbesetztes Schiedsgericht angebliche Unvereinbarkeitsbeschlüsse ignoriert, zeigt das, dass diese Beschlüsse nur pro forma und per se Makulatur sind.

    Das rechtfertigt ein Update des Gutachtens:

    Die Ziele der Partei sind nationalsozialistisch, erst recht, wenn ein Nationalsozialist als Ministerpräsidentkandidat aufgestellt wird.

  • Solange solche Leute in der AfD sind ist eine Zusammenarbeit mit der Union völlig absurd. Sollten eigentlich auch Döpfner und Poschardt verstehen, die ja versuchen, Merz in eine Zusammenarbeit mit den Blauen hineinzutreiben.

  • "Dieser Mann ist nicht zu retten!"