Abfindung statt Tarifvertrag: Amerikanisches Ende für schwedischen Tesla-Streik
Nach fast drei Jahren ist der Arbeitskampf bei Tesla in Schweden eingestellt worden. Die in den Ausstand getretenen Mitarbeitenden verlassen gegen hohe Abfindungen den Konzern.
Foto: Christophe Gateau/dpa
Anderthalb Jahresgehälter sollen es am Ende gewesen sein. Das war es Elon Musks Autobauer Tesla wert, die Widerspenstigen unter seinen schwedischen Mitarbeitenden zu zähmen. Es reichte offenbar, deren Streikwillen nach fast drei Jahren zu brechen: Die 80 Gewerkschaftsmitglieder, um die es ging, haben im Gegenzug das Unternehmen verlassen.
Von der Höhe der Zahlung berichtete am Freitag der schwedische Rundfunk SR, der die Gesamtsumme auf umgerechnet gut sechs Millionen Euro schätzte. Um Top-Verdiener handelte es sich also nicht. Der Sender berichtete zudem, die ehemaligen Tesla-Mitarbeiter hätten umfassende Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen müssen.
Das unerwartete Ende dieses auch international für Aufsehen sorgenden Arbeitskampfes hatte die Gewerkschaft IF Metall am Donnerstag verkündet: Der Streik würde am 19. August eingestellt – die Begründung klang ebenso lapidar wie resigniert: Es gebe keine Streikenden mehr.
Tesla habe Methoden angewendet, die in Schweden seit den 1930er-Jahren verbannt sind, sagte der zuständige Gewerkschaftssekretär laut Pressemitteilung.
Die Nachricht sorgte in Schweden mit seiner starken Gewerkschaftstradition weithin für Staunen. „Amerikanische Methoden“ kritisierten Beobachter – und die will man dort nicht.
Auch die konservative Regierung sieht nun offenbar Handlungsbedarf, damit das Tesla-Modell in Schweden keine Schule macht. Der Vorgang sei einmalig in der schwedischen Geschichte, sagte der zuständige Minister Johan Britz (Liberale) dem SR – wegen der Dauer und weil er nicht mit der Unterzeichnung eines Tarifvertrags geendet habe. Die Regierung werde den Konflikt analysieren lassen. Ziel sei es, das schwedische Arbeitsmarktmodell zu schützen.
Der Arbeitskampf bei Tesla hatte im Oktober 2023 begonnen, weil das Unternehmen sich weigerte, einen Tarifvertrag für die Gewerkschaftsmitglieder zu unterzeichnen. In der Folge hatten sich andere Gewerkschaften solidarisiert, darunter viel beachtet die Transportgewerkschaft, die den Transport von Teslas blockierte.
Die Arbeitgeberseite sieht die Sache allerdings anders: Tarifverträge seien freiwillig in Schweden, und es sei gut, dass IF Metall das jetzt verstehe und einen historisch unnötigen Konflikt beende, teilte der größte schwedische Unternehmerverband Företagarna der schwedischen Nachrichtenagentur TT mit.
Auch Tesla selbst äußerte sich gegenüber TT: Deren schwedische Kommunikationschefin Maria Lantz sagte demnach, Tesla würde sich als Arbeitgeber an alle schwedischen Gesetze und Verordnungen halten. „Unsere Verträge sind gleichwertig oder besser als die im Rahmen eines Tarifabschlusses.“ Fast drei Jahre überzeugte dies die streikenden Mitarbeiter nicht. Ihr Kampf galt nun schon länger als verfahren. Mit Geld von Tesla werden die sich nun eine Zukunft ohne Tesla suchen.
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