3,1 Prozent mehr Stundenlohn: Amazon zahlt Mitarbeitern mehr Geld
Der Online-Händler erhöht in Deutschland die Löhne. Doch Gewerkschafter fordern einen weitreichenderen Schritt sowie ein Verbot von Subunternehmern.
Foto: Markus Matzel/imago
dpa | Der Online-Händler Amazon stockt das Gehalt seiner Logistik-Mitarbeiter in Deutschland etwas auf. Wie die Firma in München mitteilte, bekommen die Beschäftigten ab September nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit einen Stundenlohn von 18,87 Euro und damit 3,1 Prozent mehr als zuvor.
Amazon hat keinen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft abgeschlossen, vielmehr legt die Firma die Entgelte selbst fest. Das kritisiert Verdi seit langem scharf. Immer wieder ruft die Gewerkschaft zu Warnstreiks bei Amazon auf, deren Wirkung sich aber in Grenzen hält. Der Online-Händler argumentiert, dass er auch ohne Tarifvertrag „ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber“ sei. Die Löhne seien seit 2014 jedes Jahr angehoben worden.
Der von Amazon genannte neue Stundenlohn ist der „Netzwerkdurchschnitt“ – an manchen Standorten wie etwa im Münchner Umland liegt er darüber, an anderen darunter, etwa in Ostdeutschland. Er beträgt ab September mindestens 18 Euro und damit gut vier Euro mehr als der Mindestlohn (13,90 Euro).
Zehntausende Beschäftigte in Logistik-Standorten
Es geht um ungelernte Kräfte an den mehr als 100 Logistik-Standorten in Deutschland, also etwa um Mitarbeiter, die Ware aus Regalen holen und in Pakete verpacken. Die Wochenarbeitszeit liegt bei 35 bis 40 Stunden. Fachkräfte und Menschen in Leitungsfunktionen verdienen mehr. Nicht inbegriffen in die Lohnerhöhung sind die Amazon-Paketboten. Die sind für Subunternehmer tätig, die Aufträge von Amazon bekommen – die Paketzustellung ist also ausgelagert.
Auch diese Subunternehmer sind ein rotes Tuch für Verdi, die Gewerkschaft fordert ein Verbot des Subunternehmer-Einsatzes in der Paketbranche, weil die Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmern häufig schlecht seien. Die Paketboten sollten stattdessen direkt angestellt sein bei den Logistikkonzernen.
Wer als Mitarbeiter bei einem Amazon-Standort neu anfängt, bekommt den Angaben zufolge ab September einen Stundenlohn von 16,66 Euro und damit 4,1 Prozent mehr – auch dies im Netzwerkdurchschnitt. Mit dem proportional stärkeren Aufschlag für neue Kräfte möchte Amazon bessere Karten haben am Arbeitsmarkt, die Firma stockt personell auf und sucht neue Leute. Man investiere „in wettbewerbsfähige Vergütung und langfristige Karrieremöglichkeiten“, sagt Amazon-Deutschlandchef Rocco Bräuniger. Amazon hat in Deutschland mehr als 40.000 Beschäftigte, Tendenz steigend.
Kritik von Verdi
„Trotz der Lohnerhöhungen bleibt es dabei: Die Beschäftigten fordern rechtsverbindliche Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels und Verhandlungen auf Augenhöhe“, sagt Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. Verdient man bei Amazon nun relativ viel oder relativ wenig? Amazon nennt bei 40 Stunden Wochenarbeitszeit ein Jahreskommen von rund 41.600 Euro, wenn man schon mindestens zwei Jahre bei dem Logistiker arbeitet. Hierbei inklusive sind feste Jahresboni von insgesamt 2.400 Euro.
Nach einer Vergleichszahl gefragt, heißt es von Verdi, dass die Tarifstruktur im Handel mit 36 Tarifgebieten und entsprechend vielen Tarifverträgen kompliziert sei. Beispielhaft wird das Jahresentgelt einer Spätschicht mit dem Tarifvertrag Einzel- und Versandhandel in NRW mit rund 42.200 Euro angegeben. Das sei mehr, als ein Beschäftigter bei Amazon bekomme. Unklar ist aber, ob die beiden Jahresentgelte vergleichbar sind. Das von Verdi genannte beispielhafte Entgelt bezieht sich auf einen alten Tarifvertrag von 2024, ein neuer ist in der Mache.
Amazon wächst und wächst
Amazon ist auf Wachstumskurs. Die Menschen bestellen immer mehr Ware im Internet, von diesem geänderten Konsumverhalten profitiert auch der US-Handelsriese. Die Firma hat 23 Logistikzentren, 9 Sortierzentren und mehr als 70 Verteilzentren in Deutschland. Ende dieses Jahres soll in Zweibrücken (Saarland) ein neues Logistikzentrum eröffnet werden, das rund 1.000 Arbeitsplätze hat.
In Könnern (Sachsen-Anhalt) entsteht ein weiteres Logistikzentrum mit ebenfalls rund 1.000 Jobs, dieser Standort könnte Ende 2027 oder Anfang 2028 in Betrieb gehen. Außerdem plant das Unternehmen noch weitere Standorte in anderen Teilen Deutschlands. Das Ziel ist es, dass die gelagerte Ware möglichst nah beim Kunden und dadurch möglichst schnell bei ihm ist.
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