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Gen-Z-regelt-Sprecherin über den 31.10.„Es ist dieselbe Wut“

Warum es nicht so einfach ist, die Ausschreitungen von den Demos zu trennen, erklärt Lina Friedrich, eine Pres­se­spre­che­rin von „Gen Z regelt“.

Amira Klute

Interview von

Amira Klute

taz: Lina Friedrich, Sie waren am Samstag in Berlin auf der Straße. Was ist Ihre Bilanz der Proteste?

Lina Friedrich: Ich habe den Tag in Berlin als extrem positiv wahrgenommen. Ich hatte sehr viel Spaß. Es war genauso, wie wir es uns vorgestellt hatten. Im Vorfeld haben Medien vor unseren Demos gewarnt nach dem Motto: „Deutschland wird brennen“. Wir haben ihnen das Gegenteil bewiesen.

taz: Am Abend kam es in mehreren Städten zu Ausschreitungen. Einige Personen warfen Flaschen und Steine in Richtung Polizei, in Frankfurt plünderten sie Geschäfte. Was sagen Sie dazu?

Friedrich: Wir haben oft klar benannt, dass wir gegen Gewalt sind. In Berlin haben wir durchgesagt, dass Leute, die nur auf Krawall aus sind, auf der Demo nicht willkommen sind. Dass sich Kleingruppen am Abend abgelöst haben, ist nicht zu verhindern. Polizei und Medien in den meisten Städten haben erkannt, dass die Ausschreitungen am Abend nicht das Gleiche wie unsere Demos waren.

taz: Kann man das trennen?

Friedrich: Ja. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir explizit zu friedlichem Protest aufrufen. Man muss aber sagen, dass auch Menschen zu unseren Demos kommen, die wütend sind. Es ist dieselbe Wut, die Ursache der Ausschreitungen ist. Natürlich waren da bestimmt auch Leute, die das einfach for Fun machen und die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht abschätzen. Trotzdem denke ich, dass viele junge Menschen, die an den Krawallen beteiligt waren, das nicht machen würden, wenn sie sich richtig gehört fühlten. Es ist doch traurig, dass sie offenbar nur gehört werden, wenn sie laut sind auf eine andere Art und Weise als mit ihren Stimmen. Das sagt viel über unsere Politik aus.

taz: Auf Instagram haben Sie sich als Initiative am Samstagabend von den Ausschreitungen und „jeglicher Form der Gewalt“ distanziert. Was ist für Sie Gewalt?

Friedrich: Ich persönlich finde es wichtig, zwischen Gewalt und Sachbeschädigung zu unterscheiden. Das, was am Samstagabend passiert ist, war großteils Sachbeschädigung. Das ist nicht das Gleiche wie Gewalt. Gewalt war zum Beispiel, was die Polizei teilweise gemacht hat. Ich will trotzdem sagen, dass Gewalt gegen alle Menschen, auch gegen Polizeibeamte, absolut nicht okay ist.

Im Interview: Lina Friedrich

ist 21 Jahre alt und eine der Pres­se­spre­che­r*in­nen von „Gen Z regelt“. Eigentlich heißt sie anders, möchte aber ihre Identität schützen, weil sie schon Hassnachrichten bekommen hat.

taz: Wie bewerten Sie das Vorgehen der Polizei am Samstag?

Friedrich: Ich war überrascht, dass die Polizei in Köln auf einer Demo mit sehr jungen Menschen direkt Wasserwerfer aufgefahren hat. Ich habe Videos gesehen von sehr gewaltvollem Vorgehen einiger Polizist*innen, unter anderem in Köln, die mir das Gefühl gegeben haben, dass die Polizei mehr auf Deeskalation hätte setzen können. Dass sie das stellenweise nicht getan hat, finde ich schade.

taz: Auf den Demos waren viele Menschen, die nicht organisiert sind. In einigen Städten gab es Gruppen, die unabhängig von „Gen Z regelt“ Demos organisiert haben. Es gibt schon unterschiedliche Aufrufe für die nächsten Proteste. Wie geht es für „Gen Z regelt“ weiter?

Friedrich: Das besprechen wir gerade intensiv. Wir mobilisieren erst wieder für den internationalen Jugendstreiktag am 20. 11. Für uns haben die Demos am Samstag gezeigt, das, was wir machen, erreicht Leute wirklich. Ich persönlich werde mir in den nächsten Wochen so viel Zeit wie möglich für die Initiative nehmen, weil ich glaube, dass das gerade sehr wichtig ist.

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11 Kommentare

  • Thomas Böttcher

    Die Gen Z regelt gar nichts.

    16% Vegetarier und Veganer unter 25 Jahren.

    Nur 16% der unter 25-jährigen haben einen Ökostromvertrag.

    Nur 17% der unter 25-jährigen sind bereit auf Autos zu verzichten.

    Der Anteil bei Flugreisen bei den unter 30-Jährigen ist von 2008 von 21% auf heute 29% gestiegen.

    38% der Gen Z wählten in Thüringen AfD, 13% CDU.

    Die Gen Z regelt gar nichts.

    • Alex_der_Wunderer

      @Thomas Böttcher:

      @ Thomas Böttcher



      - wieviel % der über 25 -Jährigen sind Vegetarier oder Veganer ?



      - wieviele der unter 25-Jährigen wohnen bei den Eltern oder in einem Studentenwohnheim , wo sie keinen Einfluss auf den Energievertrag haben ?



      - Flugreisen werden stärker subventioniert als z. B. die DB und Sprit fürs KfZ ist teuer.



      - 38 % wählen AfD - aus diesen entsetzlichen Wahlergebnissen ist doch zu erkennen, und bestätigt doch die wichtige, berechtigte Forderung der GenZ bezüglich einem besseren Bildungssystem in ganz Deutschland, insbesondere jedoch in Thüringen / Sachsen-Anhalt...

  • Encantado

    "Das, was am Samstagabend passiert ist, war großteils Sachbeschädigung. Das ist nicht das Gleiche wie Gewalt. Gewalt war zum Beispiel, was die Polizei teilweise gemacht hat."



    Interessante Definitionsklauberei.



    Wirft auch ein deutliches Licht auf etwaige Gewaltdistanzierungen.

  • vieldenker

    Ach so. Wenn rechte Wutbürger und ihre krawalligen Freunde die Regeln der staatlichen Gemeinschaft nicht akzeptieren, sind sie gefährlich. Wenn linke das Gleiche machen, begehen sie nur eine nachvollziehbare Sachbeschädigung. Dann wollen wir mal hoffen, dass der Nachwuchs des liberalen Bürgertums nicht wieder in angeblich notwendige gewalttätige Befreiungsphantasien abgleitet.

  • Horst Sörens

    Spreng- und Brandkörper In einer Menschenmenge zu zünden kann man natürlich als Sachbeschädigung bezeichnen, wenn man möchte.

  • Puky

    Zitat:



    „ Gewalt war zum Beispiel, was die Polizei teilweise gemacht hat“

    Dann sind die allein Köln 23 verletzten Polizisten wohl keine Erwähnung wert.

  • Agarack

    "Ich persönlich finde es wichtig, zwischen Gewalt und Sachbeschädigung zu unterscheiden. Das, was am Samstagabend passiert ist, war großteils Sachbeschädigung. Das ist nicht das Gleiche wie Gewalt."



    "Trotzdem denke ich, dass viele junge Menschen, die an den Krawallen beteiligt waren, das nicht machen würden, wenn sie sich richtig gehört fühlten."

    Die Veranstalter*innen hatten zwei Optionen: Entweder von Gewalt klar distanzieren, oder relativieren, kokettieren und verharmlosen. Sie wählen die letztere und verprellen dadurch für jede Person, die das geil findet, mindestens fünf, die das abstößt.

    Zur Gewalt braucht es einen Satz: "Wir distanzieren uns von Gewalt in jeder Form." Und vom gleichen linken Personenkreis, für den Begriffe wie "digitale Gewalt" oder "verbale Gewalt" völlig selbstverständlich sind, ist es im Übrigen völlig absurd, wenn dann Dinge, die offensichtlich Gewalt sind, verharmlost werden, weil sie sich ja nicht "gegen Leute" richten. In diesem Falle kann man den Leuten wenigstens noch zugute halten, dass sie noch jung sind und das Konzept vermutlich verstünden, wenn es jemand auf das eigene Handy oder die Playstation anwenden würde.

  • Filou

    Gewalt gegen Menschen und Gewalt gegen Sachen sind nicht gleichzusetzen.



    Aber beides ist kriminell und nicht zu akzeptieren. Was haben Geschäfte die beschädigt und geplündert werden mit dem Anliegen der Gen Z zu tun, Nichts.

    • Encantado

      @Filou:

      "Gewalt gegen Menschen und Gewalt gegen Sachen sind nicht gleichzusetzen."



      Die Zerstörung eines Krankenwagens wäre dann beispielsweise halb so wild. Ist ja dann nicht meine Schuld, wenn ein Verletzter deswegen womöglich nicht ins Krankenhaus kommt.



      Nein, mit dieser feinen Unterscheidung kommen Sie so pauschal nicht weit.



      "Aber beides ist kriminell und nicht zu akzeptieren."



      Da sind wir schon deutlich enger beisammen.

      • Alex_der_Wunderer

        @Encantado:

        @ Encantado



        Leider ist die Kriminalität - Stichwort CUm EX , mit dem Diebstahl unserer gezahlten Steuern in Höhe von über 33 Milliarden Euro - unter den Augen unserer über 630 Parlamentariern deutlich höher als zwei, drei Schaufensterscheiben...



        Auch eine Form von Gewalt gegen die Bevölkerung, die für ihr gezahltes Geld keine ausreichende Infrastruktur bekommt.

  • Fran Zose

    Ist es wirklich die selbe Wut? Ich finde es gut, wenn die Junge Generation sich Gehör verschafft und für Dinge wie Bildung und Perspektive Einsetzt. Das ist aber sicher nicht das gleiche, wenn fanatisierte sog. Palästinaunterstützer die Veranstaltungen kapern um Krawall zu machen. Es täte mir ernsthaft leid, sollten diese Fanatiker es schaffen die gerechtfertigten Demonstration zu kapern und diese in der öffentlichen Wahrnehmung zu diskreditieren.