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Aserbaidschan-AffäreDer Ex-BND-Chef und seine Connections

August Hanning ist wegen Spionageverdachts festgenommen worden. Er war gern gesehener Gast bei Staaten mit zweifelhafter Reputation.

August Hanning war bis zuletzt sehr umtriebig. Er war oft und gern gesehener Gast bei Empfängen ausländischer Botschaften und auf Konferenzen in Berlin. Vor allem bei Veranstaltungen von Ländern, denen immer wieder erhebliche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden. Noch im August 2025 ließ sich der 80-Jährige in den Vorstand des Deutsch-Aserbaidschanischen Forums (DAF) wiederwählen.

Nun wirft die Generalbundesanwaltschaft dem ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes BND und Ex-Staatssekretär „Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchter Landesverrat und Agententätigkeit“ vor.

Seit der Spiegel eine Linie des Verdachts nach Aserbaidschan als Abnehmer angeblicher Hanning-Geheimdossiers gelegt hat, herrscht Spurensuche im Kaukasus. Tatsächlich sind deutsch-aserbaidschanische Special Relations einschlägig bekannt: Mehrere aktive oder inzwischen abgetretene Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU wurden bereits wegen der sogenannten Aserbaidschan-Connection der Korruption beschuldigt und sogar verurteilt.

Eine von ihnen war die mecklenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Strenz. Von ihr ist unter anderem bekannt, dass sie bei einem Aserbaidschan-Abend im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin dem aserbaidschanischen Herrscher Ilham Alijew mit einem Trinkspruch „ein langes Leben und eine harte Hand“ gewünscht hatte. Die Bestechlichkeitsermittlungen gegen Strenz konnten nicht abgeschlossen werden, da sie auf einem Rückflug aus Kuba 2021 verstarb.

Ein Ex-Bundesminister und mehrere ehemalige Staatssekretäre

Nicht nur Hanning war im Vorstand und Kuratorium des DAF: Auch die früheren Staatssekretäre Wolf-Ruthart Born, Hans-Friedrich von Ploetz und Otto Hauser werden weiter als Vorstandsmitglieder des Lobbyvereins geführt. Und vor 2025 gehörten sogar Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und weitere einflussreiche aktive Unions- und SPD-Abgeordnete und Funktionäre dem Lobbynetzwerk an.

Aserbaidschan, das wegen einer Bestechungsaffäre bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarats unrühmlich bekannt wurde, ist für Deutschland und den Westen von nicht unerheblicher Bedeutung, und zwar politisch wie wirtschaftlich: Die reichen Öl- und Gasvorkommen des autoritär regierten Landes am Kaspischen Meer stellen eine Alternative zu russischen Rohstoffen dar.

Und nicht nur Unionspolitiker waren mit Aserbaidschan verstrickt. Die PR-Firma von Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte seit 2009 die aserbaidschanische Alternative Nabucco zur Gazprom-Gaspipeline Nord Stream vertreten. Erfolglos: Die russische Ostseepipeline des Gazprom-Lobbyisten Gerhard Schröder (SPD) setzte sich durch.

Von 1998 bis 2005 war Hanning BND-Präsident – in der Amtszeit von Gerhard Schröder. Danach wechselte Hanning als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium unter dem CDU-Mann Wolfgang Schäuble.

Aserbaidschan, dem Hanning laut deutschen Medienberichten über einen dortigen Geheimdienstmann vertrauliche Papiere übergeben haben soll, verfügt seit der Auflösung des sowjetischen Geheimdienstes über drei Dienste: Der Staatssicherheitsdienst DTX ist eine Art Geheimpolizei. Der XKX ist Aserbaidschans Auslandsnachrichtendienst. Und mit dem XDMX verfügt Präsident Alijew quasi über einen eigenen Geheimdienst, der ihn, seine Familie und die wichtigste Einnahmequelle des Landes schützen soll: die Baku-Tiflis-Ceyhan-Ölpipeline.

Aserbaidschan ist Kunde der israelischen NSO Group, mit deren Software Pegasus – unerkannt aufgespielt auf fremde Mobiltelefone – Oppositionelle ausspioniert werden. Darüber hinaus soll das Land beste Kontakte zum israelischen Mossad pflegen und diesen über sein Territorium im Nachbarland Iran operieren lassen.

Hanning war aber nicht nur im DAF aktiv. Er hatte eine eigene Beratungsfirma gegründet. Man konnte ihn auch regelmäßig auf Veranstaltungen zu Russland, China oder der Golfstaaten sehen.

Der frühere Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes soll laut der Generalbundesanwaltschaft über seinen inzwischen ebenfalls verhafteten früheren Büroleiter Manfred D. rund 2.000 geheime BND-Dokumente zugespielt bekommen haben: „Vermutlich im Frühjahr 2010 vereinbarten die Beschuldigten miteinander, dass Manfred D. dem Beschuldigten Hanning gegen Entgelt fortlaufend wertvolle Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes besorgen sollte“, so die Bundesanwaltschaft. „Die Informationen sollte der Beschuldigte Hanning im Rahmen seiner zwischenzeitlich aufgenommenen privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten können.“

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