Elif Eralp und Manuela Schwesig : Weiblicher Wahlsieg
Die Spitzenkandidatinnen Schwesig und Eralp haben erkannt, was es heute braucht: soziale Ansprache und ein Gefühl für die Nöte der Menschen.
E ines lässt sich vom vergangenen Wahlsonntag festhalten: Das Rennen haben zwei Frauen gemacht. Und das trotz aller Unwägbarkeiten, die mit der Bildung der beiden Landesregierungen in den kommenden Wochen einhergehen. Und das trotz der viel zu hohen AfD-Ergebnisse nun auch in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Wann schon einmal konnte eine Spitzenkandidatin der Linkspartei ihren Wahlsieg so bejubeln wie Elif Eralp in Berlin? Eralp – erst seit 2021 im Abgeordnetenhaus – hat es geschafft, das Wahlergebnis ihrer Partei mehr als zu verdoppeln und damit das beste Ergebnis der Berliner Linkspartei einzufahren.
Manuela Schwesig ist in Mecklenburg-Vorpommern Ähnliches gelungen, auch wenn die AfD in dem Flächenland stärkste Partei wurde: Schwesigs „Aufholjagd“, mit der sie aus den 19 Prozent Zustimmung für die Sozialdemokraten noch vor einem Jahr bis zum Sonntag über 35 Prozent machte, rettet sowohl die Landes-SPD als auch Mecklenburg-Vorpommern vor einem Desaster, so wie es anderswo und vor allem im Bund zu konstatieren ist.
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Das Konzept der beiden komplett unterschiedlichen Politikerinnen ist offenbar aufgegangen: Eralp in Berlin mit einer knallharten Ansage für Vergesellschaftung und gegen zu hohe Mieten, Schwesig im Norden mit einer knallharten Absage an das Regierungsprogramm von Merz, Klingbeil, Bas. Eines aber eint beide Frauen: Sie haben sich offen für die Probleme der Menschen gezeigt, soziale Kompetenz bewiesen.
Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.
Damit ist nicht die als nach wie vor „typisch weiblich“ eingestufte Fürsorgebereitschaft gemeint, sondern das Verständnis für die Nöte der Menschen. Und doch waren es eben zwei Frauen, die erkannt haben, wie wichtig eine solche Ansprache ist. Wann hat man Ähnliches von Männern wie Friedrich Merz gehört? Statt sich an den anderen Parteien, vor allem an der AfD abzuarbeiten, haben Eralp und Schwesig mit eigenen Themen durchgezogen. Die soziale Frage ist längst so feministisch, wie sie universell ist.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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