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Klingbeils Haushalt Das Leben erschwinglicher machen

Hannes Koch

Kommentar von

Hannes Koch

Der Missmut über die hohen Sprit- und Strompreise ist verständlich. Auch mit Blick auf die kommenden Wahlen sollte der Staat die Menschen entlasten.

E s gibt Ereignisse, die Grundsätzliches ändern und die ein neues Politikangebot oder zumindest eine große Debatte darüber und eine sichtbare Anstrengung erfordern, um sich auf die neue Lage einzustellen. Das Wahlergebnis mit fast 44 Prozent für die rechtsextreme AfD in Sachsen-Anhalt ist ein solches Ereignis. Die konkrete Reaktion der Regierungskoalition fällt bisher jedoch erstaunlich defensiv und mager aus. Anlass und Ort der Reflexion könnte die Debatte über den Haushalt 2027 in dieser Woche im Bundestag sein.

Schließlich bietet der Etat den finanziellen Rahmen für alles, was nächstes Jahr passiert. Doch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erwähnt Sachsen-Anhalt mit keinem Wort. Seine SPD versucht zwar, kleine Verschiebungen in den bereits geplanten Reformen der Sozialversicherung vorzunehmen – Stichwort Rente nach 45 Berufsjahren. Das reicht aber nicht. Viele BürgerInnen wählten in Sachsen-Anhalt wohl auch so, weil sie sich Sorgen über die für sie zu hohen Lebenshaltungskosten machen.

Der Benzinpreis liegt wieder bei 2,30 Euro pro Liter. Strom ist ebenfalls teuer. Der Missmut ist nicht rechtsextrem, sondern nachvollziehbar. Die Regierung könnte Lösungen anbieten: einen Benzinpreisdeckel, die Senkung der Stromsteuer für Privathaushalte oder eine Reform der Einkommensteuer, die kleine und mittlere Verdienste mehr entlastet als Klingbeils aktueller Vorschlag. Ja, das wäre teuer. Aber die Koalition verfügt über den nötigen Spielraum.

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Der Kernhaushalt umfasst 555 Milliarden Euro, der komplette Plan der Ausgaben 670 Milliarden Euro. Auch die Finanzierung einer größeren Entlastung für kleine und mittlere Einkommen ist möglich, wenn die Abgaben auf große Vermögen und Erbschaften angehoben würden. Die Parteien der Bundesregierung müssen jetzt gemeinsam einen neuen Aufschlag machen. Ein Zeichen ist erforderlich, Abwarten und Vertrösten gefährlich. Die nächsten Wahlergebnisse werden kommen.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Hannes Koch

Hannes Koch Freier Autor

Geboren 1961, arbeitet im JournalistInnenbüro die-korrespondenten.de in Berlin. Er schreibt über nationale und internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik. 2020 veröffentlichte er zusammen mit KollegInnen das illustrierte Lexikon „101 x Wirtschaft. Alles was wichtig ist“. 2007 erschien sein Buch „Soziale Kapitalisten“, das sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Bis 2007 arbeitete Hannes Koch unter anderem als Parlamentskorrespondent bei der taz.
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1 Kommentar

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  • Bürger L.

    Die Verquickung von Ministeramt in einer Koalition mit der CDU und Parteivorsitz bei der SPD sorgt für eine Situation die Herr K. nur auflösen könnte, wenn er eine gespaltene Persönlichkeit oder magische Kräfte hätte.

    Bei letzterem sehe ich schon die Herren Merz und Söder, wie sie gemeinsam mit Tränen in den Augen die potentiellen Wähler*innen um Verzeihung bitten, und für höhere Erbschafts- und Wiedereinführung der Vermögenssteuer plädieren, während Herr Klingbeil, der beides schon immer haben wollte, ihnen milde lächelnd übers Haar streicht. Daraufhin geben die beiden aus Dankbarkeit noch einen Mieten-, Benzin- und Mietpreisdeckel als Zugabe obendrauf, stellen ein gerechtes zum Teil steuerfinanziertes Rentenkonzept in Aussicht und versprechen die Zuzahlung für Medikamente sowie die Mehrwertsteuer auf alle Artikel des Grundbedarfs zu senken.

    Na ja, war ja nur mal so ein Gedanke.... ein Traum.



    In der aktuellen Situation hilft der SPD nur eine Trennung von Parteivorsitz und Minister*innen - Amt, um als Partei die Freiheit zu haben, Konzepte für eine gerechtere Verteilung zu entwickeln und längerfristig mit einer möglichen linken Mehrheit umzusetzen.



    Alles andere ist Wunschdenken.