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Grüne fordern ResilienzWenn die Krise auf dem Teller landet

Die Bundesfraktion der Grünen fordert eine zukunftssichere Lebensmittelversorgung. Der Klimawandel bedrohe zunehmend Landwirtschaft und Lieferketten.

Kurz noch in den Supermarkt gehen, um Mehl zu kaufen? Kein Problem. Menschen in Deutschland sind an gut gefüllte Läden gewöhnt. Doch mit dem Klimawandel und anderen Krisen könnte die stets verfügbare große Auswahl weniger selbstverständlich werden. In einem Papier, das der taz vorliegt, fordern drei Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen deshalb Maßnahmen für eine krisenfeste Lebensmittelversorgung.

„Die Hitzewelle hat bereits dieses Jahr für Erntausfälle gesorgt“, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Karl Bär, der die Forderung mitinitiiert hat. „Klimaanpassung in der Landwirtschaft muss politische Priorität werden.“

Die Bundesregierung müsse ökologische und regionale Landwirtschaft fördern, fordern die Abgeordneten. Diese sei resilienter, weil sie unabhängiger von Importen und fossilen Brennstoffen sei und Ökosystem stabilisiere. Zudem appellieren die Politiker an landwirtschaftliche Betriebe, sich unabhängig von Dünger und fossilem Treibstoff zu machen. Die Betriebe könnten beide aus Biomasse selbst produzieren, anstatt sie einzukaufen.

Die Abgeordneten sehen noch ein anderes Risiko: Traktoren und Stalltechnik seien oft hochdigitalisiert – und damit gefährdet, von Cyberangriffen getroffen zu werden. Auch hier dürfe sich die Landwirtschaft nicht von einzelnen Unternehmen oder Ländern abhängig machen. Bei der IT-Sicherheit müssten landwirtschaftliche Betriebe und Logistik stärker unterstützt werden, zudem brauche es Sicherheitsstandards.

Und der Rest der Welt?

Neben der deutschen Landwirtschaft wollen die Grünen-Abgeordneten auch die Lebensmittelproduktion in ärmeren Weltregionen stabilisieren. Das soll die Versorgung mit Gütern sichern, die wie Kaffee oder Kakao importiert werden müssen.

„Es ist unfair, wenn wir uns darauf ausruhen, dass es uns in Deutschland relativ gut geht. Wir können uns aus Versorgungsengpässen rauskaufen“, sagt Bär. Doch das könnten nicht alle. „Wir sind verpflichtet, unsere Resilienz zu stärken, um die des Planeten zu stärken.“

Eine Studie, die die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegeben hat, identifiziert, wo es in Deutschland Schwachstellen in der Versorgung mit Lebensmitteln gibt. Ergebnis: Die Lebensmittelversorgung hänge von komplexen internationalen Lieferketten ab. Dadurch sei sie ebenso anfällig für Auswirkungen der Klimakrise und für Umweltrisiken wie für geopolitische und ökonomische Krisen. Zudem könnten sich diese verschiedenen Krisen gegenseitig verstärken.

Ausfälle beim Weizen

Ein Beispiel: Brot und der Weizen, aus dem es gemacht wird. Zwar kann Deutschland seinen Bedarf an Weizen selbst decken. Doch der menschengemachte Klimawandel mache es wahrscheinlicher, dass Extremwetterereignisse wie Hitzewellen zu Ausfällen führten, so die Studie. Bereits heute lägen die weltweiten Weizenerträge im Durchschnitt rund 10 Prozent niedriger, als sie ohne menschengemachte Erwärmung wären. Ausfälle auf dem Weltmarkt – der von den größten Exporteuren wie Indien und China dominiert ist – könnten zudem zu großen Preissprüngen in Deutschland führen.

Auch der Deutsche Bauernverband hatte Mitte August bekannt gegeben, dass Land­wir­t*in­nen in diesem Jahr mit Ernteausfällen rechnen. Besonders betroffen ist der Süden Deutschlands. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg rechnet ebenfalls für 2026 mit unterdurchschnittlichen Erträgen. Die Getreideernte dürfte voraussichtlich 13 Prozent geringer ausfallen als die Ernte des vergangenen Jahres und immer noch 7 Prozent geringer als im Mittel der letzten sechs Jahre. Grund dafür sind die anhaltende Dürre und Trockenheit. Der Juni 2026 war in Westeuropa der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungender Klimawandel macht solche Hitzeperioden immer wahrscheinlicher.

Kurzfristig sieht der Bauernverband noch keine Bedrohung für die Lebensmittelversorgung. Wegen der „Belastungen für die Landwirtschaft“ forderte Bauernpräsident Joachim Rukwied unter anderem Steuersenkungen für Diesel, höhere EU-Düngemittelbeihilfen und Ausnahmen beim Mindestlohn.

Bär sieht jedoch keine Lösung darin, die konventionelle Landwirtschaft mit mehr Förderung aufrechtzuerhalten: „Wer seinen eigenen Beitrag zum Klimawandel hochfährt, kann nicht erwarten, dass wir ihn raushauen“, sagt er. „Hilfe muss damit verbunden sein, dass sich die Betriebe anpassen.“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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18 Kommentare

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  • Perkele

    Abgeordnete der GRÜNEN wollen auch die Lebensmittelproduktion in ärmeren Weltregionen stabilisieren.



    Das ist eine sehr gute Forderung und die einzige, die sich auch um Fluchtursachen schert. Das ist bislang von keiner !!! Partei je ernsthaft erwogen worden. Es ist wesentlich sowohl für die Problematik der Flüchtlinge, als auch einem vernünftigen Umgang mit Produktionsgrundlagen.

    • Machiavelli

      @Perkele:

      Menschen fliehen nicht wegen Hunger, Menschen die hungern haben wieder Energie moch Geld zu fliehen.

      • Reinero66

        @Machiavelli:

        Da haben sie recht, es haben noch nie so wenig Menschen wie heute gehungert. Ca. 10% der Menschheit hungern das waren vor 50 Jahren noch 30%, passt halt nicht ins Narrativ. Es sterben mittlerweile mehr Menschen an Zivilisationskrankheiten!



        Das alles kann man bei der WHO nachlesen.

  • Günter Witte

    Schon ironisch das ausgerechnet die Partei für die nur Bio Landwirtschaft als erstrebenswert gilt und somit die Erträge massiv verringern würde sich um die Erntemengen Sorgen macht.



    Neben dem Klimawandel sind es die Nachernteverluste, fehlerhafte Lagerung, Schädlinge, die vor allem in Entwicklungsländern bis zu 40 % der Ernten vernichten. Würde man das, Großteils, beheben bräuchte man keine Steigerungen der Erntemengen.

    • Perkele

      @Günter Witte:

      Die GRÜNEN sind mit einer solchen Initiative auf dem richtigen Weg - andere ignorieren die Lage der Menschen stur und uneinsichtig. Es ist keineswegs korrekt, dass automatisch die Erträge zurückgehen, wenn biologisch gearbeitet wird. Das sage mal jemand zu Bio-Landwirten, die durchweg gute Ertäge erzielen. Im Falle der Menschen hier und anderswo ist dadurch die Abhängigkeit von der Chemie deutlich geringer. Aber wenn man alles was GRÜNe und/oder Fortschrittliche aus rein ideologischen Gründen bekämpft....

      • Günter Witte

        @Perkele:

        & Life is Life,



        hier mal ein Beitrag der eigentlich alles über Bio aussagt : www.agrarheute.com...dwirtschaft-640387

        • Perkele

          @Günter Witte:

          Bio ist Zukunft. Das sagt der Artikel aus.

    • Life is Life

      @Günter Witte:

      Die von Ihnen hier angeführte Argumentation blendet allerdings völlig aus, dass konventionelle Landwirtschaft durch Verringerung der Artenvielfalt durch Pestizide, Entwässerung, Abbau der Humusschicht etc. die Grundlagen für jedwede zukünftige landwirtschaftliche Nutzung nachweisbar systematisch zerstört..... Das zu fördern ist einfach hirnrissig.



      Biologische Landwirtschaft ist und wirkt nachhaltig, federt das Risiko massiver Ernteausfälle ab, vermindert den CO2-Ausstoß und sichert die Zukunft jedweder landwirtschaftlichen Nutzung.

      • Otto Mohl

        @Life is Life:

        Landwirtschaft ist immer gegen Artenvielfalt. Sie können nicht Unkräuter, Schadinsekten und Pilze auf der Fläche haben UND ein gutes Produkt (hier z.B. anständigen Bio-Backweizen) produzieren. Auch der Biobauer muss also gegen Artenvielfalt sein.

        Im Gegenteil, da Bio-Landwirtschaft für die gleiche Erntemenge fruchtfolgebedingt die dreifache Fläche benötigt, kann der Artenvielfalt weniger Platz gelassen werden.

        Die sinnvollste Lösung ist leider durch grüne Ideologie unmöglich:

        Auf einem Teil der Fläche wird humusaufbauend, bodenlebewesenfreundlich, diesel- und wassersparend Direktsaat betrieben. Dafür braucht man aber den sinnvollen und wissenschaftlich total akzeptieren Einsatz von Gyphosat.

        Und auf einem anderen Teil werden Brachen und Blühwiesen für die Artenvielfalt angelegt.

      • Thomas2023

        @Life is Life:

        Sie haben hier ein paar Punkte als Vorteil für Bio aufgezählt, die gar nicht so eindeutig sind.



        1.) Humusabbau bei konventioneller Landwirtschaft ist nicht so eindeutig, siehe aktuelle Studie des Thünen-Institutes: www.thuenen.de/de/newsroom/detail/humus



        2.) Abfederung Ernteausfälle ist bei Bio nicht höher. Es gibt teilweise andere Risiken bei Bio z.B Krankheitsdruck oder Schädlingsdruck. Im Schnitt auf vergleichbarem Niveau.



        3.) CO2-Ausstoß ist bei Bio geringer auf die Fläche bezogen. Aber ehrlich und sinnvoll ist ist nur der Vergleich von Ausstoß pro Produktionseinheit. Durch die deutlich geringere Erntemenge liegen Bio und konventionell hier auf gleichem Niveau.



        Bio hat sicherlich in einigen Bereichen Vorteile gegenüber konventionell, aber ob das rechtfertigt, dass man die doppelte Ackerfläche dafür einsetzt?

      • Günter Witte

        @Life is Life:

        Durch den stark verminderten Ertrag und dem viel höherem Arbeitsaufwand hat Bio, pro erzeugten kg jeglichen Produktes, einen viel höheren CO2 Anteil als Konventionell. Das ist einfache Mathematik.

      • Perkele

        @Life is Life:

        Da kann man nix machen. Manche lernen nie und andere noch später....

        • Georg Sonntag

          @Perkele:

          Wer sind eigentlich die ersten die über steigende Lebensmittelpreise wütend werden?



          Gibt es nur noch Bio wird es kein Preiseinstiegssegment mehr geben.



          Es sind auch die gleichen die sich über Ausbeutung der Erntehelfer empören und gleichzeitig über den hohen Preis bei Spargel und Erdbeeren.

        • Thomas2023

          @Perkele:

          Das stimmt.



          Hauptsache man bleibt anderen Argumenten gegenüber aufgeschlossen. Dann lernt man hier und da irgendwann vielleicht doch noch etwas dazu.

  • Evi Holtendorp

    Aus der Studie für die B90/Grünen-Fraktion: "Von der gesamten Weizenproduktion werden allerdings etwa 51 % als Tierfutter eingesetzt und fließen somit nur indirekt in die menschliche Ernährung ein."

  • Martin Rees

    "Ein Beispiel: Brot und der Weizen, aus dem es gemacht wird. Zwar kann Deutschland seinen Bedarf an Weizen selbst decken. (...) Bereits heute lägen die weltweiten Weizenerträge im Durchschnitt rund 10 Prozent niedriger, als sie ohne menschengemachte Erwärmung wären."



    In der Ukraine lagern große Mengen an Weizen, die nicht befördert werden können.



    Viele Menschen essen auch Brot aus anderen Mehlen und Körnern.



    "Bundesernährungsminister Alois Rainer und Roland Ermer, Präsident des Zentralverbandes stellten das neue Brot des Jahres am Dienstag im Rahmen der Grünen Woche erstmals einem breiten Publikum vor. „Roggen ist das traditionelle Brotgetreide Deutschlands, das eine wichtige Rolle in der Ernährung spielt. Roggen ist trockenresistenter als Weizen und leistet somit einen Beitrag zur Resilienz der Landwirtschaft. Umso wichtiger ist es, das Roggenbrot stärker in den Fokus der Verbraucher zu rücken“, so ZV-Präsident Roland Ermer."



    www.baeckerhandwer...ist-das-roggenbrot



    Weiter dort:



    "Roggenbrot muss nach den Leitsätzen mindestens aus 90 Prozent Roggenmehl bestehen."



    /



    "Roggen als nachhaltige Getreidesorte im Speziellen"

    • Thomas2023

      @Martin Rees:

      Wenn der Verbraucher umsteigt auf Roggen, wird der hier sicherlich auch angebaut. Alles eine Fragen von Angebot und Nachfrage