Spätsommer: Der dumme August
Was soll bloß dieser Trubel um die Sonnenfinsternis? Die Sonne geht doch jeden Abend unter.
Z um Glück ist der August bald vorbei. Ein selten bekloppter Monat. Der dumme August, sagt man nicht umsonst. Der Tiefpunkt war diese „Sonnenfinsternis“, ein absurder Rummel, alle drehten schier durch. Versammelten sich in Parks, schauten in die selbst gebastelte Röhre oder erblindeten beim ungeschützten Blick auf unser Zentralgestirn.
Wenn ich eine Sonnenfinsternis brauche, zum Beispiel weil ich müde bin, lasse ich die Jalousien runter. Und das Allerdümmste daran war ja, dass sie auch noch kurz vor Sonnenuntergang stattfand. Man hätte bloß ein paar Minuten warten müssen, und es wäre sowieso dunkel gewesen. Wie doof kann man eigentlich sein?
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Aber das kannst du denen ja nicht erklären. Das sind doch die gleichen Kandidaten, die lieber auf eine „Mondfinsternis“ warten, als einfach den Neumond zu genießen. Denn heute muss immer alles auf Teufel komm raus zu irgendwas Besonderem umgelabelt werden. Der Eintopf ist jetzt eine „Bowl“, mangelnde Liebe eine „Situationship“.
Alle quieken herum wie angestochen und knipsen den Himmel, wahrscheinlich um ihn ihren Enkeln zu zeigen: Schau mal, Kind, vor 40 Jahren ging die Sonne eine halbe Stunde früher unter. „Oh, wow, danke, Oma.“ Dabei hätte sie mehr interessiert, warum ihre Großeltern nicht verhindert haben, dass sie nun für immer in Bunkern leben müssen.
Die nächste Sonnenfinsternis kommt 2081
Keinen Schimmer, was daran so geil sein soll. Wenn ich tot bin, wäre ich im Nachhinein bestimmt heilfroh um jedes bisschen Sonne, das ich gesehen hätte, und nicht um das, was ich verpasst habe, weil es damals schon nicht da war. Das kann mir gern gestohlen bleiben.
Apropos tot: Die nächste Sonnenfinsternis ist für 2081 angekündigt – die bleibt mir voraussichtlich erspart. Das wird das größte Plus an meinem Ableben sein und auch ein Trost in jenen Tagen, da ich offenbar der einzige Mensch auf Erden war, der nicht von dieser Massenhysterie angesteckt wurde.
Ich bin so froh, wenn endlich der September kommt, ein vornehmer Monat mit gemäßigten Temperaturen. Unaufdringlich macht er sein Ding. Färbt hier ein Äpfelchen rot und da ein Birnlein gelb. Hegt den Igel, schmiert dem Storch die Reisestulle. Lacht milde über uns Menschen. Die Jahreszeit für zu heiß gesonnte Pseudoeventfanatiker ist endgültig passé. Ruhe kehrt ein. Bis zum nächsten Sommer.
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