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Mette Frederiksen und Giorgia MeloniUnheilige Schutzpatroninnen des christlichen Abendlandes

Die Regierungschefinnen von Italien und Dänemark manifestieren via Instagram ihre Abscheu gegen Mi­gran­t:in­nen. Sie sehen sich an der Spitze Europas.

Anne Diekhoff

Aus Härnösand

Anne Diekhoff

Als hätten sie Sorge, dass es noch nicht alle mitbekommen haben: In einer nur scheinbar merkwürdigen Allianz meldeten sich am Mittwoch zwei der mächtigsten Frauen Europas gemeinsam zu Wort, um ihre Haltung zu Migration klarzustellen. Mette Frederiksen aus Dänemark und Giorgia Meloni aus Italien präsentierten sich auf Instagram plötzlich als Schutzpatroninnen des christlichen Abendlandes.

Gerettet werden müsse Europa, wenig überraschend angesichts dieser Verschwesterung, vor Migranten. Die werden in diesem Minimanifest einmal en gros über einen unverhohlen antimuslimischen Kamm geschert und ausschließlich als Problem dargestellt. „Wir akzeptieren keine unkontrollierte Einwanderung nach Europa“, vermelden die Sozialdemokratin und die Postfaschistin, die beiden derzeit einzigen weiblichen Regierungschefs in der EU, wie sie selbst betonen.

Erst vor gut einer Woche gehörten sie zu denjenigen, die nach dem Migrationsdrama von Ceuta in einem gemeinsamen Brief an die EU Konsequenzen für Spanien gefordert hatten. Deshalb reicht nun auch ein kurzes Kokettieren der beiden (un-)gleichen Verbündeten damit, dass sie ja eigentlich aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen kommen – ihre Gemeinsamkeiten können als bekannt vorausgesetzt werden. Und doch war es ihnen offensichtlich ein Bedürfnis, es noch einmal öffentlich auf einen Punkt zu bringen: Sie seien vereint in ihrem Verlangen, Europa zu beschützen. Dafür bringen sie das gemeinsame christliche Erbe ins Spiel.

Dass Mette Frederiksen sich schon längst von der Vorstellung losgesagt hat, als Sozialdemokratin könne man nicht Teile der Bevölkerung pauschal zu Sündenböcken erklären, ist eine bekannte und von Schwesterparteien wie der SPD in Deutschland bereits vielfach bestaunte Tatsache. Und die dänische Ministerpräsidentin ist stolz auf ihre strikte Migrationspolitik, wie nun etwa daran zu erkennen ist, dass sie sich und Meloni als „Speerspitzen“ genau dafür bezeichnet – sowohl ihn ihren jeweiligen Ländern als auch in der EU.

Mit uns ist nicht zu scherzen!

Frederiksen unterschreibt mit dem Post vom Montag noch einmal Narrative, die man sonst etwa von Schwedendemokraten in ihrem Nachbarland und von anderen rechten Parteien gewöhnt ist. Eine Bereitschaft zu differenzierten Äußerungen ist nicht erkennbar. Niemand könne leugnen, schreiben sie, dass illegale Einwanderung negative Folgen für „unsere Gesellschaften“ gehabt hätte. Besonders gravierend sei es, wenn „illegale Migranten, die kein Recht haben, in unseren Ländern zu bleiben“, Gewaltverbrechen begingen, Drogen schmuggelten oder für sexuelle Gewalt verantwortlich seien.

Gemeinsam hätten sie, Meloni und Frederiksen, als eben jene Speerspitzen schon viel erreicht auch auf europäische Ebene, und man arbeite weiter hart an weiteren Veränderungen, wie den sogenannten EU-Rückkehrzentren außerhalb Europas und weiteren „innovativen Lösungen“. Doch das alles sei noch nicht genug, schreiben die Regierungschefinnen.

Ihre im „Mit uns ist nicht zu scherzen“-Tonfall präsentierte Pointe gilt dann zugleich vage und deutlich dem Kulturkampf. Das gemeinsame christliche Erbe, auf das stolz zu sein, sie nun betonen, sehen sie nicht nur durch illegale Einwanderer bedroht. Ihre Ansage gelte auch für „Millionen von ausländischen Staatsangehörigen“, die legal in unseren Ländern und ganz Europa lebten: „Unsere Gesetze zu respektieren, muss Hand in Hand damit gehen, europäische Werte zu respektieren.“ Wer nach Europa komme, dürfe nicht versuchen, „uns eine Art zu leben aufzudrücken, die wir nicht wollen“.

Im Grunde nichts Neues also. Nur, dass die beiden Regierungschefinnen ihre Einigkeit in dieser Sache offenbar wichtiger finden als Uneinigkeiten auf anderen Gebieten. Unterschrieben ist die Social-Media-Aufzählung rechter Narrative wie ein persönlicher Gruß: „Best, Mette und Giorgia.“

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12 Kommentare

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  • test_name

    „Wir akzeptieren keine unkontrollierte Einwanderung nach Europa“



    .



    Da unterscheiden sie sich deutlich von Merz, Klingbeil & Co.

  • *Sabine*

    Unsere Zuwanderung besteht gegenwärtig fast ausschließlich, von ukrainischen, meist weiblich gelesenen Geflüchteten abgesehen, aus männlich gelesenen Personen aus archaisch und (extrem) patriarchalisch geprägten Gesellschaften. Ob diese Menschen zu uns kommen, weil sie genau diese Prägung hinter sich lassen wollen oder ob sie sich wünschen, diese (für Männer ja durchaus vorteilhafte) Prägung hier auszuleben und auf andere Menschen auszuweiten, werden wir sehen bzw. konnten es teilweise seit spätestens 2015 beobachten.

    Ich denke noch darüber nach, woran es liegt, dass es gegenwärtig zwei Frauen!, noch dazu aus unterschiedlichen politischen Lagern sind, die sich diesbezüglich äußern.

    • Schleicher

      @*Sabine*:

      "Archaische" Gesellschaften also..



      Meinen Sie damit die staatlich organisierten Hinrichtungen mit Giftgas wie in den USA? Oder die Rechtfertigung menschenverachtender Politik durch alttestamentliche Zitate wie in Israel?



      Oder meinen Sie das zur Schau stellen halb nackter Weiblichkeit bei Schaukämpfen in Germany's next Topmodel?



      Aber nein, Deutschland können sie ja nicht meinen. Hier sind wir nicht archaisch. Zwar liegt die AFD in Umfragen bundesweit vorne, aber unsere Nazis sind weiblich und lesbisch. Oder meinen Sie einfach arabische Menschen?

    • Il_Leopardo

      @*Sabine*:

      Asylanträge 2025



      Geamt



      113.236 100,0 %



      männlich



      59,4 %



      weiblich



      40,6 %



      Alle Zahlen vom Bundesamt für Migration

      Ihre Behauptung, dass fast alle Geflüchteten männlich sind, ist also reine Polemik.

      • *Sabine*

        @Il_Leopardo:

        Von mir nachfolgend auf die Schnelle auch gerne ein paar Zahlen, in ungeordneter und unvollständiger Reihenfolge. Wir wissen ja beide, wo wir alle Zahlen finden.



        Das Hauptanliegen meines Kommentars war, ob die beiden weiblich gelesenen Politikerinnen deshalb so relativ streng sind, weil sie in einem Bereich sensibilisiert sind, in dem ihre männlich gelesenen Politikerkollegen das evtl. nur in einem geringeren Maße sind.

        Kennzahlen zu Asylanträgen 2023



        Gesamtzahl Erstanträge: 329.120



        Männliche Antragsteller: ca. 72 %



        Weibliche Antragsteller: ca. 28 %

        Asylbewerber 2022 nach Geschlecht



        Männlich: 67,8 % (ca. 147.600 Erstantragsteller)



        Weiblich: 32,2 % (ca. 70.200 Erstantragsteller)

        Gesamtzahl Erstanträge 2024: 229.751



        Männliche Antragsteller: ca. 67 %



        Weibliche Antragsteller: ca. 33 %

        Gesamtanzahl Asylanträge:



        Rund 441.899 registrierte Antragsteller im Jahr 2015



        Männliche Antragsteller: ca. 304.900 Personen (69 %)



        Weibliche Antragsteller: ca. 137.000 Personen (31 %).

  • Ohne_Mitte_geht_nix

    "Besonders gravierend sei es, wenn „illegale Migranten, die kein Recht haben, in unseren Ländern zu bleiben“, Gewaltverbrechen begingen, Drogen schmuggelten oder für sexuelle Gewalt verantwortlich seien.'



    Was ist denn falsch an dieser Aussage?



    Es geht um illegale Kriminelle, nicht um Menschen, die sich legal hier aufhalten, sich integrieren und einer Arbeit nachgehen (falls ihnen das möglich ist).

    • Il_Leopardo

      @Ohne_Mitte_geht_nix:

      Lesen Sie doch bitte den ganzen Artikel. Es geht den beiden Damen eben nicht nur um kriminelle Ausländer, sondern um Ausländer an sich, durch deren Anwesenheit sie sich in ihrer Identität bedroht fühlen.

  • Dr. McSchreck

    Was soll daran falsch sein, dass man illegale Einwanderung bekämpft und von Einwanderern Integration erwartet (also den hier gültigen Regeln zu folgen und nicht zu versuchen, einen anderen Lebensstil zu etablieren)?

    Natürlich muss es auch Möglichkeiten der legalen Migration geben, gibt es aber auch.

    • Klabauta

      @Dr. McSchreck:

      Zur Erinnerung:

      GG Art. 3, Absatz 3

      „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

    • Il_Leopardo

      @Dr. McSchreck:

      Jeder, der sich hier legal aufhält, sich an die Gesetze hält, sollte so leben können, wie er möchte. Auch unser Lebensstil war noch nie etwas Starres, sondern ändert sich fortwährend. Die Generationen, die vor uns lebten, wüssten mit unserem heutigen Lebensstil wenig bis gar nichts anzufangen.

  • Il_Leopardo

    Nun kenne ich ja nicht die Verfassungen Italiens und Dänemarks - unser Grundgesetz garantiert jedoch freie Religionsausübung.

    • Comerade Aardvark

      @Il_Leopardo:

      In Dänemark ist die Folkekirken noch Staatskirche, aber (auch wegen EU und so) Religionsfreiheit ist gegeben.