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Rechenzentren im All„Wir müssen Wagnisse eingehen“

Elon Musk will KI-Rechenzentren im All, viele Fachleute zweifeln daran. Hermann Ludwig Möller vom European Space Policy Institute sieht das anders.

Enno Schöningh

Interview von

Enno Schöningh

taz: Herr Möller, Elon Musk hat einen Antrag für bis zu eine Million Rechenzentren-Satelliten im All eingereicht. Ist das mehr als eine Erzählung mit der Absicht, den Wert seiner Weltraumfirma SpaceX in die Höhe zu treiben?

Hermann Ludwig Möller: Auf jeden Fall war es Teil von Musks Zielsetzung, die Marktbewertung vor dem Börsengang zu steigern. In der Bewertung steckt aber auch Vertrauen in Ingenieure, die in der Vergangenheit zum Beispiel schon wiederverwendbare Raketenstufen und satellitenbasiertes Internet entwickelt haben. Vor 20 Jahren waren beide Technologien nicht auf dem Markt, und man hielt sie für überflüssig.

Im Interview: Hermann Ludwig Möller

leitet den Thinktank European Space Policy Institute (Espi), der unter anderem europäische Po­li­tiker*innen zu Weltraumpolitik berät und sich für mehr Engagement Europas im All einsetzt. Möller hat Telekommunikation studiert und bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA gearbeitet.

taz: Aber hat die Idee von Rechenzentren im All einen realistischen Kern?

Möller: Das ist schwer zu sagen. Dass man wiederverwendbare Raketenstufen und satellitenbasiertes Internet nicht braucht, war damals eine substanzielle Fehleinschätzung. Deshalb würde ich raten, sich gegenüber solchen riskobehafteten Vorhaben ein wenig zu öffnen.

taz: Fachleute zweifeln, dass das technisch überhaupt realisierbar ist. Was stimmt Sie anders?

Möller: Ich selbst bin Ingenieur, und natürlich gibt es hier große technische Hürden. Sind diese unüberwindbar? Ich denke: nein. Wer Menschen schon in den 60er Jahren auf den Mond und zurück bringen konnte, kann wahrscheinlich ein paar Dinge mehr. Vielleicht ist es an der Zeit, dass auch die europäische Politik und Berlin die Ärmel hochkrempelt und den Menschen offen sagt, dass wir Wagnisse für unsere Zukunft eingehen müssen.

taz: Die Infrastruktur, um die es geht, steht längst auf der Erde. Warum sollte man sie in den Orbit umziehen?

Möller: Man muss fragen, was man dort oben kann, was auf der Erde nicht möglich ist. Da ist zum einen die digitale Ökonomie: Mit Starlink sehen wir, dass das Internet zunehmend auch aus dem Weltall bedient wird. Zum anderen der Sicherheitsbereich. In Zukunft wird es im Weltraum leider wohl auch kriegerische Auseinandersetzungen geben, und da geschehen Dinge sehr schnell. Eine Rakete kann auf ein Ziel zufliegen, ohne einer berechneten ballistischen Kurve zu folgen. Dann bleibt keine Zeit für Analyse vom Boden aus. Es ist ein entscheidender Vorteil, vor Ort Kapazität zu haben.

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taz: Hardware ist nach ein paar Jahren überholt, im Orbit gibt es keine Techniker, die die Karten wechseln, dazu schädigen Sonnenwind und kosmische Strahlung die Halbleiter. Das sind hochgradig fehleranfällige Systeme.

Möller: Ich gehe von einem verteilten System aus: eine sehr hohe Anzahl kleiner bis mittlerer Satelliten, die an der Rechenleistung beteiligt sind und untereinander kommunizieren, wie im Internet. Einen Schutz um diese sensiblen Infrastrukturen zu bauen, ist technisch machbar und letztlich eine Kostenfrage. Die zweite Frage ist, inwieweit einzelne Ausfälle akzeptiert werden. In einem verteilten System gäbe es kein zentrales Element, welches ausfallen könnte, sondern immer nur ein Teil, einzelne Satelliten wären betroffen. Hierbei könnte eine Fehlerquote von 5 bis eventuell 10 Prozent pro Jahr systemtechnisch akzeptierbar sein. Wahrscheinlich ersetzt man defekte Elemente regelmäßig.

taz: Ersetzen heißt: Es gibt noch mehr Starts, noch mehr Satelliten in den vollen Bahnen im niedrigen Erdorbit. Die Europäische Weltraumagentur ESA zählt schon jetzt mehr als 1,2 Millionen Trümmerteile. Ich vermute, diese Umweltkosten werden nicht mit eingepreist?

Möller: Die Betreiber stehen im Wettbewerb, aber keiner hat ein Interesse an mehr Weltraumschrott. Die Erfahrung zeigt: Auf ein international verbindliches Regelwerk alleine wird man leider nicht setzen können, man muss auch auf das Eigeninteresse der Unternehmen vertrauen. Die Dynamiken im Orbit sind schneller als die Regierungen der Erde. Optimistisch bin ich deshalb nicht. Wünschenswert wären eine Regulierung und sogar Beschränkungen, wie viel man in den Orbit setzen darf, aber das ist keine realistische Erwartung. Letzten Endes ist es staatliche Verantwortung, wenn ein Akteur mit Sitz in einem Land etwas in den Orbit setzt. Hauptanteilseigner sind aktuell die USA und China, und dort setzt man auf Deregulierung. Da wäre eine bessere Balance absolut wünschenswert.

taz: Alles in der Raumfahrt hängt an einer Rechnung, nämlich wie viel es kostet, ein Kilogramm Nutzlast ins All zu schießen. Dieser Preis lag 2025 für SpaceX bei knapp 4.000 Dollar. Angenommen, es käme tatsächlich dazu – ab welchem Preis würde sich ein Rechenzentrum im All rechnen?

Möller: Unser Institut hat einen Schwellenwert von 400 Dollar pro Kilo errechnet. Aber das ist nur ein Teil der Antwort. Wenn es einen Mehrwert gibt, darf der auch mehr kosten. In Konfliktsituationen ist Resilienz im Orbit sehr wertvoll, gerade für Europa, das im All als Souverän agieren sollte.

taz: Sie begründen den Mehrwert also militärisch. All die Satelliten, von denen hier die Rede ist, werden aber nicht nur für militärische Zwecke gebaut.

Möller: Der Begriff Dual Use ist in aller Munde, die Trennung zwischen Sicherheits- und Digitaltechnik ist schwer zu vollziehen. Auch Starlink war zunächst für den kommerziellen Markt gedacht und wird im Krieg in der Ukraine genutzt. Heute sind in den USA mehr als 50 Prozent der öffentlichen Investitionen in die Raumfahrt militärisch. Zu sagen, es gebe einen militärischen Teil und der Rest sei etwas ganz anderes, wäre ein Trugschluss.

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taz: Auch am Boden wird auf eine erwartete Nachfrage hin gebaut, weil man annimmt, der Verbrauch durch KI steige immer weiter. Gleichzeitig sind viele Rechenzentren nicht einmal ausgelastet. Es spricht doch wenig dafür, ausgerechnet am teuersten und technisch schwierigsten Ort noch mehr zu bauen.

Möller: Das entscheidet der Markt. Der Markt hat im Moment gesagt: Ich gehe mit SpaceX. So funktioniert Amerika, so funktioniert es bei allem, was disruptiv ist. Genau da ist Europa in den letzten zwei Jahrzehnten zurückgefallen.

taz: Der Markt entscheidet also, nicht die Frage, ob es überhaupt gebraucht wird.

Möller: Schauen Sie sich zum Beispiel Daten zum Internet aus der Mitte der 90er Jahre an, die kenne ich sehr gut, ich war dabei. Auch damals fragte man: Was ist die Killeranwendung? Heute nennen meine jüngeren Kinder das Internet eine Naturgewalt. Vielleicht ist die Raumfahrt morgen Teil dieser Naturgewalten.

taz: Realistisch ist doch, dass Rechenzentren im All von US-Privatunternehmen in Masse hochgeschossen würden. Das verstärkt unsere Abhängigkeit als Europäer, statt sie zu verringern.

Möller: Europa ist nicht Erster, das gilt für die gesamte digitale Ökonomie. Beim Rennen am Boden, der digitalen Wirtschaft, Internet und Cloud haben wir vor 20 Jahren nicht mitgemacht und müssen überall auf amerikanische Lösungen setzen. Bei Rechenzentren im All sind wir noch am Beginn, das Fenster sehe ich in den nächsten drei bis fünf Jahren. Europa benötigt dafür eine Verdoppelung der Investitionen, privat und öffentlich.

taz: Ein Mitarbeiter der Europäischen Weltraumbehörde nannte den Weltraum mir gegenüber regulatorisch einen Wilden Westen. Die Internationale Fernmeldeunion wiederum bezeichnet die erdnahen Umlaufbahnen in ihrer Verfassung als begrenzte natürliche Ressource. Eine endliche Ressource verträgt kein Wachstum ohne Grenze.

Möller: Am Ende ist das eine Frage nationaler Politik und ihrer Verhandlung im globalen Kontext. Auch da tritt eine Weltmacht wie die USA sehr stark auf, und die ist nicht an Überregulierung interessiert, sondern am freien Markt – wie Sie sagen: bis hin zum Wilden Westen. Das hat sehr viel mit Machtpolitik zu tun: Man möchte die digitale Ökonomie beherrschen und man möchte die Sicherheitspolitik beherrschen. Sie sprechen von ewigem Wachstum. Wir befinden uns in Europa in einer Echokammer, vielleicht etwas im Stillstand. Stellen wir uns ruhig ein kleines bisschen in den Wind. Der Wind bläst da draußen, und er wird uns alle erreichen, vielleicht auch tragen.

taz: Die Industrie verspricht Klimaneutralität dank Solarstrom. Zu den Emissionen der Raketenstarts – Ruß in der Stratosphäre, Ozonschäden, Aluminiumoxid – gibt es verlässliche Forschung. Klimafreundlich sind Rechenzentren im Orbit nicht, das ist Marketing.

Möller: Natürlich wird eine Firma bestimmte Dinge in den Vordergrund stellen und andere weniger. Vielleicht braucht man gesetzliche Auflagen, eine Art Nachhaltigkeitsstempel für Satelliten. Das muss aber international funktionieren, sonst besetzt die Konkurrenz ohne Umweltauflagen den Markt.

taz: Aus reiner Umweltperspektive wäre es doch klüger, einfach weniger hochzuschießen?

Möller: Es gibt ganz viele Dinge, wo wir in der Umwelt klüger sein können, vielleicht auch weniger Satelliten hochschießen. Doch wenn wir uns in Europa jetzt auf Stillstand einigen – was bedeutet das morgen? Nichts, da haben wir keine Handhabe, nichts an der Hand. Wichtiger ist, mit eigener Substanz am Tisch zu sitzen. Wenn Sie ohne eigene Infrastruktur dort sitzen, werden Sie ignoriert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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24 Kommentare

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  • Astrid Sehnefeld

    Das All ist die Lösung für alles.



    Abwärme der Rechenzentren, unendlich Platz für Solarsegel (keine Verschattung, kein Tag-Nacht-Verlust), Beseitigung jeglichen Rohstoffmangels auf alle Ewigkeit (also bis zum Ende der Sonne) allein innerhalb des Sonnensystems.



    Der Weltraumlift wird kommen.



    Wäre besser das WIR baut ihn als Musk oder ein Konsortium aus Scheichs oder Trump zusammen mit der FIFA...



    Wenn wir uns dem All verschließen, verpennen wir auch diesen Zug 🤷



    Die Welt wartet schon lange nicht mehr auf Deutschland oder Europa.



    Entweder wir rennen mit oder wir bleiben zurück.



    Wer voranrennt, kann mitbestimmen wohin die Richtung geht, wer hinterherrennt kann nur folgen und wer stehen bleibt verliert halt völlig den Anschluss und irgendwann alle aus den Augen.



    Muss man nicht mögen, is aber so, siehe e-Autos, siehe big tech, siehe Robotik, siehe siehe siehe...



    Musk nicht zu mögen sollte Ansporn sein es selbst besser und schneller zu schaffen, statt ihn und seinen Visionen schlecht zu reden.



    Der Fortschritt kommt, mit oder ohne uns.



    Irdische Schwere versus geistiger Sehnsucht - Der Mensch, das sonderbare Wesen, mit den Füßen im Schlamm, MIT DEM KOPF IN DEN STERNEN - Else Lasker Schüler

  • Altbayer

    Bin sowieso seit langem dafür, den ganzen Digital-Schmarrn ins All zu schießen. Vielleicht reden die Leute ja dann endlich wieder miteinander, anstatt andauernd auf den Blechdeppen, genannt, Handy zu schauen!

  • A.S.

    Wagnisse und mehr Markt werden die Probleme lösen?

  • Andreas J

    Dem Eigeninteresse der Unternehmen vertrauen, der Markt entscheidet. Die Zukunft mit alten abgedroschenen Slogans gestallten.

  • Lowandorder

    Yes. We do. Star Wars 2.0

    Elon Musk & Cie. treiben demokratisch unkontrolliert die Meute vor sich her •



    Die Hofhunde kläffen und möllern dazu!



    Alles längst zu spät? Odyssee



    Und keiner weiß wohin die Reise geht! Woll

    Udo laß gehn - Odyssee -



    www.youtube.com/re...h_query=Udo+odysee



    “… Das ist die Odyssee, Odyssee – und keiner weiß, wohin die Reise geht



    Odyssee, Odyssee – weil der Wahnsinn am Steuer steht

    Auf kugelsicheren Kommandobrücken



    kranke alte Männer an eisernen Krücken



    sitzen am Spieltisch, gierig und fett



    spielen American Poker



    und Russisch Roulette

    Wir sind auf Odyssee, Odyssee – und keiner weiß, wohin die Reise geht



    Odyssee, Odyssee – weil der Wahnsinn am Steuer steht…“

    Na Mahlzeit

  • Tille

    Vielen Dank für die vielen fundierten, kritischen Fragen.

    Die Vorteile von Satelliten-Internet und wiederverwendbaren Raketen fand ich durchaus vorstellbar, als ich das erste mal davon gehört habe. Und ich bin trotzdem froh dass in Europa nicht gleich Milliarden umgeleitet wurden um hinterher zu rennen. Bei Rechenzentren im All wird es sehr sehr dünn und ich hab hier auch nicht mehr erfahren.

    Es gibt deutlich sinnvollere Ansatzpunkte für digitale Souveränität bei Software und Social-Media, was Europa insgesamt unabhängiger machen und die gesunde Zivil-Gesellschaft real stärken würde.

  • sujall

    Vielleicht hört die Welt mal auf, die Kleine-Jungen-Weltraum-Phantasien eines Musk ernst zu nehmen und nimmt statt dessen die aktuellen, realen Herausforderungen der Klimakatastrophe an. Herr Musk darf sich gerne finanziell an Lösungen beteiligen.

    • Lowandorder

      @sujall:

      Könnte auf gau plattdütsch antworten:



      “Söchst du Wuus 🌭 in Hunnen🐕‍🦺🐕🦮stall?““



      Aber ich weiß ja - Sie glauben eh nicht an den



      🎅

    • DukursH

      @sujall:

      Mit Tesla hat er als Hauptinvestor seit 2004 zum Verkauf von über 9,7 Millionen Elektroautos beigetragen. Damit sind zig Millionen Barrel Benzin gespart worden und Teslas Erfolg, trotz viel Häme zu Anfang, hat auch die E-Wende in der Automobilindustrie eingeläutet.

      • Altbayer

        @DukursH:

        Trotzdem musste der Bau nun wirklich nicht in einem Naturschutzgebiet sein, oder?!? Schönen Sonntag!

    • Hugo

      @sujall:

      Herr Musk möchte noch zu Lebzeiten zum Mars. Da reicht sein theoretisches (der kann nur wenig flüssigmachen) Vermögen halt noch ned.



      Evtl. hätte mensch beim Thinktankchef mal nachhaken können, was die so als Mehrwert für die Satellitenserver sehen.

    • MahNaMahNa

      @sujall:

      KORRREKT - und wenn er sein Geld los ist, darf er sehr, sehr gerne weiter zum Mars (und bleiben;O)!!!

  • nanymouso

    Da lässt der Interviewer den "Experten" aber leicht davonkommen. Nur keine konkreten Fragen stellen.

    Der Erdorbit ist der am leichtesten anzugreifende und am schlechtesten zu verteidigende Ort der Erde. 70% Wasser und nur 300km (190km bei Starlink) bis zum Ziel. Sogar Nordkorea kann entsprechende Raketen bauen und ein geeignetes Zielgebiet finden. Warum hat das bisher niemand gemacht? Weil man diesen Krieg nur einmal führen kann. Danach fliegt auf absehbare Zeit nichts und niemand in den Weltraum.

    Diesen Raum jetzt militärisch aufzuladen ist so unendlich dämlich... von mir aus entscheidet der Markt das jetzt, aber wenn der Weltraum ne Wüste geworden ist, dann entscheidet der, hups, auch schnell anders. Wie kann man einem Experten auf eine geopolitische Frage eine BWLer-Antwort unkommentiert durchgehenlassen?

    Unser Leben als moderne Kommunikationsgesellschaft ist schon sehr abhängig von funktionierenden Satelliten. Sogar wenn man auf Navigation und Internet verzichtet, ohne verlässliche Wettersatelliten ist ganz schnell Essig mit Welternährung und so.

  • Claude Nuage

    Datenzentren im All brauchen keine Wasserkühlung und können mit Solarenergie betrieben werden. Das könnte die Raketenstarts wert sein.

    • sociajizzm

      @Claude Nuage:

      Auch im Orbit wären 🔋 als Energiespeicher notwendig. 35-40% der Zeit gibt es 0 Solarenergie im niedrigen Orbit. Es wird daher auch über Atomreaktoren nachgedacht.



      .



      Und auch gekühlt werden müssen die Server trotzdem. Nur nicht kostengünstig durch Wasser, sondern nur durch die Oberfläche von Radiatoren.

  • Mustardman

    "taz: Der Markt entscheidet also, nicht die Frage, ob es überhaupt gebraucht wird."

    Ist es nicht buchstäblich der Markt, der die Frage beantwortet, ob etwas gebraucht wird? Was ist ein Markt sonst?

    • Lowandorder

      @Mustardman:

      „Was ist ein Markt sonst?“



      🤖



      Der Kultur- und Literaturwissenschaftler Joseph Vogl betrachtet den Markt nicht als neutralen Ort des Ausgleichs, sondern als krisenhaftes Machtinstrument.



      In Werken wie Das Gespenst des Kapitals zeigt er, dass Märkte – vor allem Finanzmärkte – entgegen gängiger Wirtschaftstheorien kein natürliches Gleichgewicht anstreben, sondern politische und gesellschaftliche Strukturen unterwandern.



      Kernaspekte von Vogls MarktkritikUtopie des Gleichgewichts: Die Idee des perfekten Marktgleichgewichts ist laut Vogl eine liberale Fiktion, die reale Instabilitäten und Krisen verdeckt.



      Markt als Regierungsform: Märkte und Staaten stehen sich nicht gegenüber; vielmehr prägt die Marktlogik politische Entscheidungen und gesellschaftliches Leben.Finanzialisierung: Der Finanzmarkt hat sich von der realen Güterproduktion abgekoppelt und agiert als eigendynamisches, krisenanfälliges Regiment.Plattformkapitalismus:



      In seinem Buch Kapital und Ressentiment beschreibt Vogl, wie digitale Konzerne und Bewertungslogiken die Demokratie schwächen…“ 🫵

  • Peter Schütt

    Ich verstehe die Einwände gegen die Raumfahrt in Bezug auf Umweltkosten. Aber man darf nicht vergessen, dass im Weltraum immer die totale Effizienz in Bezug auf Ressourcen sparen, Recycling bei bemannten Raumschiffen, und sonstige technologische Fortschritte gesucht wird und das kann auch beim ökologischem Umbau unserer Wirtschaft helfen. Und deshalb bin ich für Raumfahrt.

  • sociajizzm

    "hat die Idee von Rechenzentren im All einen realistischen Kern?"



    .



    Kurze Antwort: Nein, es ist kompletter Schwachsinn. Das ist elementare Physik.



    .



    Lange Antwort: Selbst auf der ISS ist die Abgabe der überschüssigen Wärme nur mit einer gigantischen Oberfläche möglich.



    .



    Das Weltall ist nicht kalt im physikalischen Sinn. Es fehlt ein Medium zum Übertragen von Wärme-Energie. Es gibt dort ja weder Luft, noch Wasser in nennenswerter Menge .



    In anderen Worten: Die Server würden sich von innen selbst kochen.



    .



    Und dann kommen noch jede Menge anderer Probleme dazu.



    .



    KI Server im Meer oder generell unter Wasser wäre schon realistischer.

    • Volker Racho

      @sociajizzm:

      Den Verweis auf elementare Physik finde ich immer lustig. Thermal Management ist kein Selbstläufer, aber auch alles andere als unlösbar.

      Hier eine gute, Erklärung und Abschätzung (auf Englisch): www.youtube.com/watch?v=FlQYU3m1e80

      • sociajizzm

        @Volker Racho:

        Das Video fasst es ganz gut zusammen.



        .



        Theoretisch möglich, aber nur mit verhältnismäßig kleinen Datencentern.



        .



        Geplant sind mittelfristig max 200KW und die brauchen schon 8-900m2 Oberfläche.



        .



        Ab 1 MW sind das dann schon 4,5-5000 m2 Oberfläche für Solarpanele und kühlung.



        .



        Und langfristig wird ja sogar von GW Datacentern im All geträumt, die dann mehrere km2 groß wären.



        .



        Datencenter sind schon auf der Erde mit deutlich einfacher Kühlung, Energieversorgung und preiswerterer Installation nicht wirtschaftlich.

    • R.I.P.

      @sociajizzm:

      Ich kann Ihre Argumentation verstehen.



      Vielleicht ist dies aber ein Grund - neben der Ausfallsicherheit/Redundanz - für die extrem hohe Anzahl von Satelliten. Der einzelne Satellit dürfte kleiner als ein Schuhkarton sein und damit wäre die Kühlung nicht ganz so problematisch.



      Außerdem ist die geplante militärische Nutzung - mit geringerer Reaktionszeit im Orbit - für viele ein Mehrwert, der einige Ingenieurstunden wert ist.

  • Nachtsonne

    "Wichtiger ist, mit eigener Substanz am Tisch zu sitzen. Wenn Sie ohne eigene Infrastruktur dort sitzen, werden Sie ignoriert." Das bringt es auf den Punkt und ist nicht nur beim Thema KI im Weltraum so.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    "Auf ein international verbindliches Regelwerk alleine wird man leider nicht setzen können, man muss auch auf das Eigeninteresse der Unternehmen vertrauen."

    Guter Witz. Unternehmern wie Musk ist es völlig egal, ob sie etwas zumüllen. Für die zählt nur das schnelle Geld. Nach ihnen die Sündflut.