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Sommerpressekonferenz von Friedrich MerzImmerhin hat er niemanden beschimpft

Die Heilsversprechen des Kanzlers ergeben zusammen mit der Unfähigkeit, professionell zu regieren, eine toxische Mischung. Auf der Sommer-PK gibt sich Merz zufrieden.

Die Kanzlerschaft von Friedrich Merz stand bislang unter einem doppelten Vorzeichen: Er ist der erste Kanzler seit 1949, der keine Erfahrung mit Verwaltung und Regierung hatte. Und der CDU-Chef hatte mehr als üblich im Wahlkampf maßlose Erwartungen geweckt. Wenn er als Anti-Merkel und neoliberaler Wunderheiler erst mal so richtig durchregiert, dann würde alles anders werden. Man würde bei Migranten und Bürgergeld Milliarden sparen – es war ein Hauch von Trumpismus.

Die illusionären Heilsversprechen ergaben zusammen mit der Unfähigkeit, professionell zu regieren, eine toxische Mischung. Und die produzierte ein sehr schlecht gelauntes Publikum. Nur 14 Prozent sind mit dem Kanzler zufrieden. Regierungen haben es in rechtspopulistischen Zeiten schwer. Aber diese 14 Prozent sind der Rekord von Friedrich Merz.

Die gute Nachricht? Der Kanzler hat auf der traditionellen Sommerpressekonferenz niemanden beschimpft. Keine Asylbewerber, die den Deutschen die Arzttermine wegnehmen, keine Arbeiternehmer, die sich im Freizeitpark die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, keine Migranten, die das Stadtbild deutscher Städte verdunkeln. Merz gibt auch nicht mehr den Wehleidigen, der behauptet, noch nie sei ein Kanzler so übel angegriffen worden wie er. Er sei vielmehr ein „lernfähiges System“. Das wäre etwas Neues.

Merz’ demonstrative Entspannung hat Gründe. Die Regierung, die kurz vor dem möglichen Kollaps stand, hat sich in den letzten Wochen auf die Grundzüge der Sozialreformen geeinigt. Schwarz-Rot kann Kompromisse.

Der Kanzler ist zufrieden

Der Kanzler hat aus seiner Perspektive Grund, mit Schwarz-Rot zufrieden zu sein. Denn diese Reformen haben, anders als bei früheren Großen Koalitionen, keine sozialdemokratische Handschrift, sondern eine wirtschaftsliberale. Die Reformen sind zwar keine neoliberale Schocktherapie, aber sie gehen zulasten der unteren Mittelschicht. Die Sozialabgaben, die besonders Geringverdiener belasten, steigen. Die Steuerreform, ohnehin äußerst gering ausgefallen, ist eher eine kosmetische Korrektur. Besonders alleinerziehende Ärmere werden unter den Reformen leiden.

Merz ist ein bundesdeutscher Neoliberaler, den die Idee „fasziniert, dass die Deutschen ein eigenes kapitalgedecktes Rentenkonto haben werden“. Dafür brennt er. Beim Klimaschutz hingegen muss man auch diesem besser gelaunten Kanzler jedes Wort aus der Nase ziehen. Motto: Machen wir irgendwann, wenn wir wieder Geld dafür haben.

Der Kanzler beteuert noch mal, dass er der AfD nie die Tür zur Macht öffnen wird. Das ist gut. Doch im Skript von Schwarz-Rot, das Merz schreibt, steht: Sparen auf Kosten der Armen und Ignoranz beim Klimaschutz. Das ist der Preis der schwarz-roten Stabilität. Er ist schmerzhaft.

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7 Kommentare

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  • Die Latte hängt verdammt tief. Dazu passt, dass beim Thema Bürokratieabbau die elektronische Überweisung zur Fachärztin bis 2029 geschafft sein soll.

    Die Latte, an der die Regierung Merz sich zu messen hat, ist die Verhinderung einer afd-Beteiligung an der nächsten Bundesregierung.

  • Wenn ich mir diese dilettantisch zusammengebastelten Minireförmchen anschaue, überkommt mich Zweifel, dass das die großen Würfe sind. Sie kommen von ihrer Wirkung nicht annähernd an die Hartz-Reformen unter Rot-Grün heran. Gespart wird vornehmlich auf der falschen Seite, nämlich bei den weniger wohlhabenden MitbürgerInnen, während die Wohlhabenden geschont werden. Dies wird im Endeffekt zu mehr Armut führen und der Wirtschaft dadurch schaden, dass die Menschen weniger Geld ausgeben werden. Wenn wir hier in der Taz gleichzeitig lesen, dass "die Konservativen im EU-Parlament dafür sorgen, dass die Zweckentfremdung von EU-Geldern keine Konsequenzen hat.", dann wissen wir ja, woher der Wind weht.

  • Merz muß gar nicht die Tür für die aphde öffnen, das macht dann schon ein anderer, wenn diese Regierung auseinandergeht, ob mit regulären Wahlen oder früher.



    Die Wahlergebnisse werden dann aller Voraussicht nichts anderes zulassen, da kann ein Merz sich herbeifantasieren was er will.



    Und diese Politik, einmal ganz ohne die Inhalte zu betrachten, ist so unbeliebt, dass die aphde nur abwarten muß.



    Nach den Wahlen in Sachsen Anhalt und MV beginnt das Sägen an der Bundesregierung, mal sehen wie lange es dauert bis das erste Stuhlbein durchgesägt ist...

  • Wo sind wir nur gelandet, wenn man mittlerweile froh sein muss, dass der Kanzler auf einer PK niemanden beleidigt und keine Lügen verbreitet? Dass bei Merz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung Welten liegen, ist auch kein Geheimnis, aber nicht zu erkennen, dass seine Politik vor und nach der Wahl zum Kanzler die AfD eher stärkt als schwächt, grenzt schon an Realitätsverweigerung.

  • Die Regierung schreibt gerade eine der dunkelgraueren Kapitel. Statt Steuern effizient auch einzutreiben bei z.B. denen, die ihr großes Geld seit Generationen vor allem erben, und damit unsere Infrastruktur wiederherzustellen:



    Verlotterung von Umwelt, Sozialklima, Infrastruktur; Zuschüsse nach oben; Schulden dennoch hoch.



    Ich rechne der SPD an, dass sie die besseren Handwerkers der Macht hat und auch noch einiges durchbekommt mit ihren überschaubaren Prozenten.



    Doch insgesamt läuft hier leider vor allem die altbekannte Nummer, dass Schwarz die Republik mal wieder gegen die Wand fährt.

  • Merz ist alt und unbeliebt, er wird wohl kein zweites mal Kanzler sein (sondern eher Wegners Weg gehen); seine Zusicherung, dass "er der AfD nie die Tür zur Macht öffnen" werde, ist daher einigermaßen wertlos.

  • Mensch - äääh BlackRocky, wir wollen jetzt Urlaub von Dir & deinen Komplizen, es ist SOMMERPAUSE ❗️