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Anschlag auf Magdeburger WeihnachtsmarktPrägend für die Politik

Frederik Eikmanns

Kommentar von

Frederik Eikmanns

Der Täter des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt wird am heutigen Freitag verurteilt. Migration wurde zum bestimmenden Thema der Bundesregierung.

V ielen dürfte es schwerfallen, sich an die Details des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 zu erinnern. Die Attacke, für die in Kürze aller Voraussicht nach Taleb A. verurteilt werden wird, verschwimmt in der Erinnerung auch mit vielen ähnlichen Vorfällen. Mit dem Messerangriff eines Islamisten auf das Stadtfest in Solingen etwa, einige Monate zuvor. Oder mit der Messerattacke eines psychisch Kranken auf eine Gruppe von Kindern in Aschaffenburg einige Monate später. Kurz darauf folgten die Rammattacke auf eine Demo in München und ein antisemitischer Mordversuch am Berliner Holocaust-Mahnmal.

Nur weil die aufsehenerregenden Taten inzwischen ein Weilchen her sind und mittlerweile die letzten Gerichtsprozesse dazu enden, ist die Gewaltserie kein abgeschlossenes Kapitel. Ganz im Gegenteil prägen die Folgen die deutsche Bundespolitik bis heute. Weil viele, aber gleichwohl nicht alle der Täter Geflüchtete waren, stieg Migration im Verlauf des Herbsts und Winters 2024/25 endgültig zum bestimmenden Thema in der deutschen Politik auf. Die Ampelkoalition verschärfte mehrmals die Regeln für Asylsuchende und erleichterte Abschiebungen. Im Wahlkampf nach dem Ampel-Ende brachte die Kette an Gewalttaten die Union dazu, statt des ursprünglich geplanten Wirtschaftsfokus, voll auf Härte in der Migrationspolitik zu setzen.

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Das gipfelte im katastrophalen Fehler von Friedrich Merz, die Zustimmung der AfD in Kauf zu nehmen, um einen Antrag auf Zurückweisungen an den Grenzen durch den Bundestag zu bringen. Nach der Zusammenarbeit mit der AfD brachen die Umfragewerte der Union ein, Merz ging angeschlagen aus der Wahl hervor und quälte sich in eine Koalition mit der SPD, die nur über eine denkbar knappe Mehrheit verfügt. Die AfD triumphierte. Und die Linke überlebte. Kurz: Es entstand die politische Konstellation von heute.

Oder anders: Von den Gewalttaten, wie der in Magdeburg, hat sich die deutsche Politik immer noch nicht erholt.

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Frederik Eikmanns

Frederik Eikmanns

Fachredakteur für Innere Sicherheit und Migration
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5 Kommentare

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  • Die Diskussion blendet regelmäßig aus, dass der deutliche Stimmenzuwachs der AfD nicht erst in den letzten Monaten entstanden ist. Bereits zwischen 2021 und 2025 hat sich ihr bundesweiter Umfragewert von rund 10 % bei der Bundestagswahl 2021 auf zeitweise über 20–25 % in der Ampelphase mehr als verdoppelt. Dieser Anstieg begann lange vor jeder aktuellen Debatte über einzelne Abstimmungen oder taktische Fragen im Bundestag.

    Parallel dazu zeigen die Zahlen einen klaren Trend: Während SPD, Grüne und FDP in der Regierungszeit der Ampel deutlich verloren, gewann die AfD kontinuierlich hinzu. Inzwischen liegt sie in mehreren Umfragen sogar vor der Union bei etwa 25–28 % gegenüber 22–26 % für die CDU/CSU.

    Das spricht dafür, dass der Haupttreiber weniger einzelne politische Ereignisse sind, sondern eine längerfristige Entwicklung aus Unzufriedenheit mit Regierungspolitik, Migration, wirtschaftlicher Lage und Vertrauensverlust in etablierte Parteien.

  • "Nach der Zusammenarbeit mit der AfD brachen die Umfragewerte der Union ein (...) Die AfD triumphierte. Und die Linke überlebte."



    Das ist eine sehr saubere Einschätzung wie ich sie bisher in der taz noch nicht gelesen habe - Hut ab👍



    Seit Merz Abstimmung mit der AfD steigen deren Umfragewerte kontinuierlich. Ich glaube das liegt aber nicht daran, dass mehr und mehr Menschen der AfD jetzt erst zugetan sind. Die Stimmung ist ja schon lange am Boden, der Politikverdruss auch und die aus der Migration resultierenden Probleme - von Gewalttaten über verschärften Wohnungsmangel bis hin zu überfüllten Schulen undundund - liegen auch vielen schon lange im Magen.



    Davon haben aber nicht alle die AfD gewählt. Ich kenne selber viele, die trotzdem Union gewählt haben - aus taktischen Gründen, weil sie wussten, dass mit der AfD keiner koalieren würde und weil sie nicht wollten, dass wenns dann dumm läuft die Union mit zwei linken Parteien koalieren muss oder im worst case eine Minderheitsregierung aus R2G ans Ruder kommt.



    Durch Merz Abstimmung mit der AfD glauben nun aber mehr und mehr daran, dass die Union doch mit der AfD koalieren wird.



    Und das ermutigt sie zunehmend bekennend AfD zu wählen

    • @Astrid Sehnefeld:

      Bei solchen Deutungen wird regelmäßig ausgeblendet, wann der massive Stimmenzuwachs der AfD tatsächlich stattgefunden hat. Fakt ist: Den größten Sprung hat die AfD unter der Ampelregierung gemacht – lange vor jeder einzelnen Abstimmung von Merz oder der Union mit AfD-Stimmen.

      Zur Einordnung mit Zahlen: Bei der Bundestagswahl 2021 lag die AfD bei 10,3 %. In den Jahren der Ampel stieg sie in Umfragen zeitweise auf über 22–25 %, also mehr als eine Verdopplung. Parallel dazu verloren SPD, Grüne und FDP massiv an Zustimmung. Diese Entwicklung begann deutlich vor der aktuellen Debatte um die Union.

      Das spricht dafür, dass der AfD-Zuwachs primär Ausdruck von Regierungsfrust, ungelösten Problemen bei Migration, innerer Sicherheit, Wohnen und Bildung ist – nicht das Resultat eines einzelnen taktischen Manövers der CDU/CSU.

      Die These, AfD-Wähler seien erst durch Merz „ermutigt“ worden, lässt sich so nämlich nicht halten. Viele Wähler haben der AfD ihren Vertrauensvorschuss längst gegeben – aus Enttäuschung über die Ampel, nicht aus Koalitionsspekulationen. Wer Ursachen analysieren will, sollte diese zeitliche Abfolge nicht ignorieren.

  • Ich finde es Bedenklich hier von einer Zusammenarbeit der CDU mit der AFD zu schreiben. Mit diesem Begriff sollten man sehr vorsichtig umgehen, auch wenn man gegen eine bestimmte Partei oder Person ist.



    Solche Unterstellungen helfen uns allen, die unseren Staat vor einer immer mehr erstarkenden AFD bewahren wollen, überhaupt nicht weiter.

    Zusammenarbeit bedeutet ein gemeinsam geplantes und zielgerichtetes Vorgehen! Das ist glücklicherweise nicht der Fall.

  • Angesichts der hohen Kosten in Zusammenhang mit der Migration bleibt der Fokus hoffentlich auch auf dem Thema. Angesichts der aktuellen Änderungen in Syrien stehen eine Vielzahl von Einzelfallentscheidungen an, die es ordentlich abzuwickeln gilt.

    Der klare Fokus muss sein, dass wer längerfristig hinreichend auskommende Arbeit hat eine Bleibeperspektive erhält und alle anderen kurzfristig gehen.