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Nius-Werbung in Berliner U-BahnKleistern gegen die Bedeutungslosigkeit

In der Berliner U-Bahn hängt Werbung für Nius. Das rechtspopulistische Medienportal kämpft mit schlechten Klickzahlen und schreibt rote Zahlen.

Eine Werbekampagne des rechtspopulistischen Medienportals Nius in der Berliner U-Bahn sorgt für Empörung in den sozialen Netzwerken. „Falsche und hetzerische Behauptungen haben in den Berliner U-Bahnen nichts verloren!“, heißt es etwa in einer Onlinepetition, an der sich zum Dienstagnachmittag rund 5.000 Personen beteiligt haben. Und die Initiative „Springer raus aus der BVG“ sinniert auf Instagram darüber, die „Propaganda“ an den „Absender“ zurückzubringen. Nius sitzt in der Ritterstraße in Berlin-Kreuzberg.

Die Plakate hängen seit rund einer Woche in den Waggons. „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“, raunt einer der Slogans. Wenn man den Worten von Nius-Geschäftsführer Julian Reichelt glauben mag, ist die U-Bahn-Werbung erst der Anfang. Die Motive seien demnächst außerdem in „zahlreichen“ Bahnhöfen sowie auf sogenannten Citylights – hinterleuchteten Werbeflächen – in Berlin und Magdeburg zu sehen, behauptete Reichelt auf X.

Auf taz-Nachfrage schickte die BVG am Dienstag ein vorgefertigtes Statement, mit dem die Verkehrsbetriebe bereits in den vergangenen Tagen auf Kritik von Fahrgästen reagiert hatten. „Werbung ist nicht gleichzusetzen mit der Haltung der BVG“, heißt es darin. „Wir stellen Flächen zur Verfügung – wir sind nicht Absender der dort beworbenen Inhalte.“ Die Werbeflächen würden durch vertraglich gebundene Partner vermarktet.

Das ist unter anderem die Wall GmbH. Das Unternehmen erklärte am Dienstag gegenüber der taz, man habe die Motive intensiv darauf hin geprüft, ob sie gegen geltende Gesetze und Regeln verstoßen. „Ein solcher Verstoß konnte nicht festgestellt werden“, hieß es. Weil man der Presse- und Meinungsfreiheit verpflichtet sei, habe man den Aushang zugelassen. Zu den Konditionen der Kampagne wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Nius steckt in den Miesen

Laut der Preisliste eines Dienstleisters, der für Unternehmen Werbeflächen bei der Wall GmbH bucht, beträgt der Grundpreis für 50 Poster wie jene von Nius bei einem Monat Laufzeit insgesamt 928 Euro, inklusive Installations- und Produktionskosten. Die Nius-Kampagne dürfte deutlich kostspieliger gewesen sein. Aber: Bei rund 1,5 Millionen Fahrgastfahrten pro Tag in der Berliner U-Bahn ist die Reichweite der Werbeflächen in den Zügen durchaus hoch.

Das dürfte Nius gelegen kommen. Denn die Klickzahlen des Portals haben laut dem Branchendienst Meedia im April einen neuen Tiefpunkt erreicht. Mit 3,5 Millionen Visits lagen sie mehr als 40 Prozent unter dem Vorjahreswert und waren sogar noch schlechter als zum Zeitpunkt der Gründung im Juli 2023. Gleichzeitig schreibt das Unternehmen hinter Nius, die Vius SE & Co. KGaA, von Beginn an rote Zahlen. Geldgeber Frank Gotthardt hat wohl schon rund 50 Millionen Euro in Nius gesteckt, wie T-Online berichtet.

Ein Grund dafür: Seit Langem wandert viel Geld in Werbung, um nicht komplett in der Versenkung zu verschwinden. Correctiv zufolge hat Nius zwischen 2023 und 2025 1,4 Millionen Euro allein für politische Werbung bei Google und Meta ausgegeben. Dem gegenüber standen laut einem Leak zuletzt mickrige 46 zahlende Abon­nen­t*in­nen im Premiumtarif für 199 Euro pro Jahr.

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