Konzertempfehlungen für Berlin: So viel Welt
Eigentlich gibt es in Berlin immer einen Karneval der Kulturen. Zu Pfingsten aber bestimmt. Auch sonst fehlt es nicht an musikalischer Weitläufigkeit.
W er mit dem Eurovision Song Contest letzthin wieder mal in eine internationale Stimmung gekommen ist, bitte sehr: Da geht noch viel mehr, weit auch über den europäischen Tellerrand hinauslappend mit zum Beispiel Bolivien, China, Korea, Japan … das alles und noch viel mehr mit den entsprechenden Communitys in Berlin eine Heimat gefunden hat. Diese Vielfalt kann man auch sehen, immer wieder Pfingsten beim Karneval der Kulturen, der optisch und auch musikalisch durchaus was hermacht beim großen Umzug am Sonntag, was sich auf der neuen Strecke, der Karl-Marx-Allee, fast noch besser begucken lässt (24. 5, Start 13.30 Uhr. Das musikalisch bunt gemischte Straßenfest findet vom 22. bis 25. 5. weiterhin in Kreuzberg rund um den Blücherplatz statt).
Noch etwas weiter weg als Korea oder Japan ist der Saturn, und von dem stamme er, hat Sun Ra immer gesagt, was damit auch ein wenig die exzentrisch-visionären Klangwelten des 1993 verstorbenen Musikers erklären mag. In der Galiläakirche geht es am Samstag um sein Vermächtnis. Befeiert werden 112 Jahre Sun Ra „in Space“, dazu gibt es ein Filmporträt des mittlerweile 102-jährigen Marshall Allen, der nach dem Tod von Sun Ra dessen Arkestra geleitet hat, und vor allem ein würdigendes Konzert von hiesigen Musikern, die allemal mit dieser intergalaktischen und inbrünstigen Musik des Arkestra mit dem sehr erweiterten Jazz-Begriff vertraut sind (23. 5., Beginn 19.24 Uhr, Rigaer Str. 9).
Beim Karneval der Kulturen lässt sich hören, dass die Welt bereits in Berlin wohnt, und mit dem Konzertbetrieb kommt zuverlässig die Welt immer neu zu Besuch nach Berlin. Beim Berlin Asian Music Festival wird dabei die spannende Frage gestellt: „Wie klingen Kulturen, wenn sie einander wirklich zuhören?“
Man darf sich also eine Versuchsanordnung vorstellen, mit Ensembles und Musikern aus Korea, China, Japan und der Mongolei. Mit traditioneller Musik und westlicher Kammermusik, mit traditionellen Musikinstrumenten wie Gayageum (eine Zither) oder Morin Khuur (die Pferdekopfgeige), mit denen aber nicht nur traditionelle Musik gemacht wird, es wird musikalische Misch- und auch Tauschverhältnisse geben, man muss halt hören, was passiert, an den drei Festivaltagen, Montag, Mittwoch und Donnerstag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt (25., 27.+ 28. 5., 19 Uhr; 12/17 Euro).
Es sind ja aber auch die kleinen Dinge. Ein recht handhabbares Instrument ist die Mundharmonika, die schon etwas in den Schatten geraten ist, seit der Blues nicht mehr das Maß aller Dinge (also die Rockmusik) ist. Aber dass mit der Mundharmonika noch viel mehr geht als Blues, ist auf dem Harmonica Fen Festival vom 29. bis 31. Mai in der Kulturbrauerei zu hören, und da dürfen die Instrumente auch mal noch kleiner (mit der Maultrommel) und deutlich größer (mit dem Akkordeon und der chinesischen Mundorgel Sheng) sein. Schließlich sind sie miteinander verwandt als Zungenschlaginstrumente, die bei dem Mundharmonikafestival auch einen gemeinsamen Auftritt haben.
Und wer das im Text versteckte Rio-Reiser-Zitat gefunden hat, darf jetzt gleich seinen ganzen „König von Deutschland“ hören. Auch schon in Vorbereitung auf die Feierlichkeiten im August, wenn der Sänger sagenhafte 30 Jahre tot sein wird. Tja, verdamp lang her.
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