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Nato-Truppen in DeutschlandVerschlusssache Truppenstärke

Trump droht erneut damit, die Zahl von US-Truppen in Deutschland zu reduzieren. Was deren Zahl angeht, gab sich die Bundesregierung zuletzt geheimniskrämerisch.

Militärflugzeuge starten von der Air Base in Ramstein, am 2.4.2026 Foto: Jerry Andre/imago

Erneut droht US-Präsident Donald Trump damit, die Zahl von amerikanischen Truppen in Deutschland zu reduzieren. Eine Entscheidung darüber solle in „kurzer Zeit“ getroffen werden, teilte Trump in der Nacht zu Donnerstag auf seiner Plattform Truth Social mit. Die Äußerungen des US-Präsidenten können als Reaktion auf den Schlagabtausch mit Bundeskanzler Friedrich Merz verstanden werden, der den USA während einer Podiumsdiskussion in einer Schule vorgeworfen hatte, von Iran „gedemütigt“ zu werden und im Krieg „ohne Strategie“ gehandelt zu haben.

Doch was die Zahl der Nato-Soldat*innen in Deutschland angeht, fehlt der Bundesregierung eine Kommunikationsstrategie. Laut aktuellen Angaben aus dem Pentagon sind derzeit etwa 36.000 US-Soldat*innen in Deutschland stationiert – von der Bundesregierung ist diese Zahl derzeit nur schwer zu bekommen, wie eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion zuletzt ergab.

Klar ist nur: Eine Truppenreduktion in Deutschland, über die Trump auch schon während seiner ersten Amtszeit nachgedacht hatte, würde die globalen Einsatzmöglichkeiten der US-Armee schwächen. Die Luftwaffenbasis im pfälzischen Ramstein und das größte ausländische Militärkrankenhaus der USA im pfälzischen Landstuhl spielen etwa bei der Kriegsführung in Iran eine Rolle. In Wiesbaden befindet sich außerdem das Kommando der US-Armee für Europa und Afrika.

Was den Krieg in Iran angeht, drängte Merz am Mittwoch erneut auf eine Beendigung. Der Krieg habe „unmittelbare Auswirkungen auf unsere Energieversorgung“ und „massive Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“, sagte der Kanzler. Trotz dieser erneuten Kritik bemühte er sich, die Auseinandersetzung mit Trump herunterzuspielen. Das Verhältnis zwischen ihm und dem US-Präsidenten sei aus seiner Sicht „unverändert gut“, sagte Merz.

Zahl der US-Soldat*innen hat sich zuletzt kaum verändert

Die Debatte um den möglichen Truppenabzug wirft ein Schlaglicht auf die Stationierung von Nato-Soldat*innen in Deutschland. Eigentlich ist es eine Routineabfrage, die aus dem Parlament jedes Jahr an die Bundesregierung gestellt wird: Über Kleine Anfragen machten die Abgeordneten über viele Jahre öffentlich, wie viele ausländische Truppen in Deutschland stationiert sind. Bei den Angaben handelt es sich um Daten, die die Militärattachés in den ausländischen Botschaften regelmäßig an die Bundesregierung melden.

Aus den Abfragen der vergangenen fünf Jahre geht hervor, dass sich die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldat*innen in den vergangenen fünf Jahren nur unwesentlich verändert hat – trotz aller Äußerungen Trumps. So lag die US-Truppenstärke hierzulande im Jahr 2022 bei 38.000, 2021 bei 37.550. Hinzu kamen für das Jahr 2022 460 Sol­da­t*in­nen aus Großbritannien sowie jeweils 580 aus Frankreich und den Niederlanden.

Über die Zahl der ausländischen Kräfte wurde in Deutschland nie ein großes Geheimnis gemacht. Umso erstaunlicher ist, dass die Bundesregierung das Parlament und auch die Öffentlichkeit in dieser Frage nun zunehmend im Dunkeln lässt. Bereits für das Jahr 2023 stufte die Bundesregierung die Antwort auf eine entsprechende Anfrage der BSW-Gruppe als Verschlusssache ein und sprach von „militärisch sensiblen Informationen“. Dabei war die Zahl der US-Soldat*innen in Deutschland über das Pentagon jederzeit weiter abrufbar: Im Dezember 2023 waren etwa 35 000 Sol­da­t*in­nen hier stationiert.

Zwar ist die Bundesregierung nicht verpflichtet, wegen parlamentarischer Anfragen eigene Recherchen anzustellen. Informationen, die in die Zuständigkeit der Ministerien fallen und die ihnen vorliegen, müssen sie teilen, wenn sie keiner Geheimhaltung unterliegen. Es ist aber fraglich, warum die Zahl der Truppen in Deutschland Verschlusssache ist, wenn doch die US-Regierung sie selbst veröffentlicht.

Hat der parlamentarische Staatssekretär gelogen?

Dabei ist die Bundesregierung zuletzt wohl einen Schritt weitergegangen. Der Linken-Abgeordnete Ulrich Thoden hatte dem parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Sebastian Hartmann (SPD), im November in einer Bundestagsrede vorgeworfen, das Parlament in der Frage von ausländischen Streitkräften in Deutschland „vorsätzlich belogen“ zu haben.

Hartmann hatte auf eine Kleine Anfrage des Linken-Politikers Thoden vom 1. August 2025 schriftlich mitgeteilt, die Bundesregierung verfüge hier über keine Erkenntnisse und plane auch nicht, diese einzuholen. Laut einem Dokument aus dem Auswärtigen Amt weiß die Bundesregierung aber durchaus über die Zahl der US-Soldat*innen hierzulande Bescheid.

Sebastian Hartmann wollte sich auf taz-Anfrage nicht zu dem Vorwurf äußern, er habe dem Parlament bestehende Informationen vorenthalten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte am Donnerstag, für eine Antwort müssten im Ministerium Fachreferate hinzugezogen und kündigte eine Auskunft für kommende Woche an.

Die Leute würden sich sicher fühlen

Für den Linken-Politiker Ulrich Thoden ist das Dichtmachen der Regierung bei der Zahl der Nato-Truppen in Deutschland symbolisch. „Derzeit ist kaum eine Kontrolle der Regierung in Verteidigungsfragen möglich“, sagte er der taz. Das gelte insbesondere bei neuen Rüstungsprojekten, bei denen die Abgeordneten oftmals weder Angaben zu den Fähigkeitszielen, noch zu den Beständen der Bundeswehr, noch die Stückzahlen neu zu beschaffender Waffen erhielten.

Thoden sagt, er sei sich des Spannungsfelds durchaus bewusst, in dem sich das Verteidigungsministerium befinde. „Ich kann das bis zu einem gewissen Grad verstehen, dass sensible Informationen zurückgehalten werden.“ Gerade die AfD versuche auch über das Mittel der parlamentarischen Anfragen an sensible Informationen zu gelangen. Doch bei den Antworten gebe es unterschiedliche Stufen, auf Anfragen einzugehen, sagt er. So könne man im Zweifel Antworten als Verschlusssache einstufen, die von den Abgeordneten gesondert eingesehen werden könnten.

Während die Zahl der US-Soldat*innen in Deutschland zwischenzeitlich bekannt sei, habe die Regierung über die aktuelle Stärke der übrigen Nato-Staaten in Deutschland immer noch keine Klarheit geschaffen, sagt Thoden. „Die Bundesregierung muss hier endlich für Aufklärung sorgen, zumal sie damit das öffentliche Sicherheitsempfinden der Bevölkerung positiv beeinflussen könnte.“ Durch die Anwesenheit von verbündeten NATO-Streitkräften in Deutschland werde die militärische Abschreckungswirkung gegenüber potenziellen Angreifern massiv erhöht.

Die Drohung Trumps über einen möglichen Truppenabzug hält Thoden dagegen für einen Bluff. „Angesichts der militärischen Infrastruktur der USA in Deutschland, glaube ich nicht, dass die Überlegungen des US-Präsidenten ernstzunehmen sind“, sagte er.

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14 Kommentare

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  • Im Artikel geht es doch um die Truppenstärke. Da sie laut Artikel vom Pentagon korrekt angegeben ist. Besteht doch kein Bedarf sie bei der Bundesregierung zu erfragen. Man kann der Bundesregierung nur empfehlen auf diese Veröffentlichungen zu verweisen und keinen Aufwand zu betreiben, die Zahlen selbst zu recherchieren.

  • ""Versteckter Antifeminismus führt direkt ins verteidigungspoliutische Nirwana riskanter Fehleinschätzungen""



    =



    Völlig egal was Ulrich Thoden als verteidigungspolitisches Lichtlein irgendjemandem vorwirft und damit destruktiv heisse Luft produziert deren mediale Abarbeitung nirgendwohin führt.



    =



    Frau und Mann fragt sich wo und warum die europäischen Schwergewichtinnen in dieser wichtigen verteidigungspolitischen Debatte versteckt werden - deren Kompetenz die von Ulrich Thoden um ein vielfaches übertriifft und Thadden helfen würde kommunikativ einen europäischen Weg einzuschlagen.



    =



    Warum werden Sanna Marin, Strategieberaterin und Ex- Präsidentin Finnlands die den finnischen Natobeitritt inszeniert hat, Florence Gaub, Politologin Expertin vom NATO Defense College als auch Claudia Major, Militärexpertin



    und Politikwissenschaftlerin des German Marshall Funds aus der verteidigungspolitischen Debatte klammheimlich versteckt heraus gehalten?



    =



    Ich bin tief erschüttert über die Versuche von zurück gebliebenen Antifeministen Frauen, deren Kompetenz europaweit unbestritten ist, im Abseits verstecken zu wollen. .

  • Die jüngste Entwicklung zeigt,



    wie bereits unten befürchtet,



    eine signifikante Fehleinschätzung durch Merz,



    Wadephul und auch den im Artikel erwähnten Thoden.



    Merz, der gerne als "Außenkanzler" bezeichnet wird, ist in der Außenpolitik genau so ungeschickt, wie in der Innenpolitik.



    Es wäre besser gewesen, die Politik Profis zu überlassen.



    Trump ist natürlich auch ein Totalausfall, doch er hat die Macht,



    nach eigenem Gutdünken zu handeln.



    Dass der US Präsident auf Kritik äußerst dünnhäutig reagiert, sollte nicht nur mir, sondern auch Politikern in verantwortungsvollen Positionen klar sein.



    Leider wird das bereits mehrfach angedeutete deutlich: Kanzleramt, Außenministerium und Wirtschaftsministerium werden von Personen geleitet, die mit ihrer Rolle sichtlich überfordert sind.



    Das war unter der Ampel anders, die in den Krisen gut reagiert hat.



    Darüber hinaus sollte auch Denjenigen, die weiterhin so tun, als sei Sicherheitspolitik etwas, das mit dem Geld anderer Leute geregelt werden könnte, klar werden, wo wir stehen:



    Die USA zieht Truppen ab, die USA überzieht uns mit neuen Zöllen.



    Wir sind zunehmend auf uns selbst gestellt und haben leider nur einen Möchtegern Kanzler.

    • @Philippo1000:

      Wer ist Wir?

  • ""Über die Zahl der ausländischen Kräfte wurde in Deutschland nie ein großes Geheimnis gemacht..."



    =



    Unnötig das zu betonen - war in den letzten Jahren auch nicht nötig. Ulrich Thoden gehört wohl zu denjenigen die aktuell Putin sicherheitsrelevante Informationen zukommen lassen möchte. Warum macht er die Anzahl von US - Soldaten momentan zum Thema - und warum nicht in den letzten Jahren? Was bezweckt Thoden mit der Veröffentlichung der Anzahl von amerikanischen Soldaten in der Bundesrepublik?



    =



    Thoden ist Obmann im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages und verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion ""Die Linke"". Die Zuständigkeit des Bundestagsausschusses entspricht dem Geschäftsbereich des Bundesministers der Verteidigung. Die Aufgabe des Ausschusses besteht darin, mittels seines Selbstbefassungsrechtes eine begleitende und mitsteuernde parlamentarische Kontrolle der Verteidigungspolitik und der Streitkräfte zu gewährleisten.



    =



    Thoden verfügt also über mehr sicherheitsrelevante Informationen als andere - nur darf er sein Wissen als Obmann des Verteidigungsausschusses nicht ungestraft ausplaudern. Und das ist gut so.

    • @zartbitter:

      Natürlich kann man unterstellen, dass solche Fragen gestellt werden, um Putin einen gefallen zu tun. Allerdings muss der nur Trump fragen...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        "Ping - Pong" gildet nicht"



        =



        Es geht nicht um den Massenmörder Putin und auch nicht um den Möchtegernpräsidenten weit unterhalb des Kommunikationsniveaus eines Klomanns.



        Es geht darum zu klären ob Thoden --- wie die agd --- als Verräter tätig werden möchte.

        • @zartbitter:

          Wir haben Behörden und eine Justiz, die für Verrat zuständig sind. Also bringen Sie die Beweise zu denen und die werden tätig.

          Aber natürlich ist es einfacher, mal eben was in Netz zu stellen. Beweise sind ja aus der Mode.

  • Trump hat kein Konzept - außer dem einen, nämlich den Konzernen und seinen Milliardärs-Freunden so viel Profit wie irgend möglich zuzuschustern. Darüber hinaus existiert nur Laienspielniveau. Das ist bei Merz nicht wesenlich anders. Auch er ist zuvorderst an den Wirtschaftsprofiten interessiert, die Bevölkerung -insbesondere die sozial Schwächeren- interessieren ihn überhaupt nicht. Mit alldem geht er keineswegs professinell um, er hangelt sich von einer Peinlichkeit zur nächsten....

  • ... lasst dem erratischen Mann einfach seinen Spass: Dampf ablassen ...



    Da wird nix abgebaut oder geschlossen.



    Machten die USA ernst mit einem Rückzug aus Europa, wären sie auf einem Auge blind. Dann können sie von Diego Garcia aus, den Rest der Welt beobachten.

  • Es ist kein Geheimnis, dass Merz sich für Geheimhaltung in militärischen Fragen ausgesprochen hat .



    Der Bundesverteidigungsminister hat in der Ampelregierung beispielsweise auch stets die Art und Menge der militärischen Unterstützung für die Ukraine genannt.



    Nun wird das nicht mehr veröffentlicht.



    Was Merz betrifft, so steht er sich weiter selbst im Weg.



    Dass er mit seinem Amt überfordert ist, ist kein Geheimnis.



    Ähnlich wie trump redet er spontan über das, was ihm gerade so durch den Kopf geht. Das ist, in beiden Fällen, nicht unbedingt intelligent.



    Wadephul behauptete kürzlich noch, dass die Meinungsverschiedenheiten mit den USA ausgeräumt seien, der Möchtegernkanzler spricht von einem guten Verhältnis zu trump.



    Beides geht völlig an der Realität vorbei.



    Diplomatie heißt eben auch im entsprechenden Moment einfach mal die Klappe zu halten. Nicht einmal dazu scheinen Merz und Co in der Lage zu sein.



    Trump kann sich scheinbar jeden Quatsch erlauben, er bricht so auch einfach mal einen Krieg vom Zaun.



    Wie deutsche Politiker selbstverständlich darauf bauen, dass trump in Sachen US Stationierung plötzlich Vernunft walten lassen sollte ist nicht nachvollziehbar.

  • 1) Warum sollte?



    2) Trump droht immer mit irgendwas. Weltweit

  • Gerne doch. Es ist ohnehin allerhöchste Zeit, sie rauszuschmeißen. Erstens, machen wir uns mit der Beherbergung des US Militärs zum Mittäter im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran. Zweitens, haben die USA erst vor wenigen Monaten im Zusammenhang mit Grönland offen mit Krieg gedroht. Insofern geht von der US Soldaten ein erhebliches Sicherheitsrisiko aus.

  • Ist doch eigentlich nicht so schwer. Wenn Donald wieder mal "droht" Truppen aus Deutschland abzuziehen, bekommt er zur Antwort, dass er seinen Kram packen soll und zu verschwinden hat. 6 Monate Zeit. Dann kann er sehen, wie er die Logistik für seine Abenteuer hinbekommt. Vermutlich ist dann ganz schnell Ruhe.

    Nebenbei ist es angesichts der Amokläufe Trumps auch besser, so wenig wie möglich amerikanische Soldaten im Land zu haben. Im Extremfall kommt er auf die Idee, nicht passende Wahlergebnisse in Deutschland von seinen Truppen "korrigieren" zu lassen...