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Neuer Proteste von Fridays for FutureDanke, Katherina Reiche

Jonas Waack

Kommentar von

Jonas Waack

Die Klimabewegung hat bisher nicht an ihre Erfolge von 2019 anknüpfen können. Sie könnte aber vom jetzigen Momentum der Spritpreiskrise profitieren.

Wird Katherina Reiche jetzt Ehrenmitglied der Klimabewegung? Foto: AP Photo/Markus Schreiber

W ährend Benzin, Diesel, Öl und Gas infolge des Irankriegs immer teurer werden, will die Bundesregierung bei E-Mobilität und Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Bremse treten. Diese hanebüchene Politik nimmt sich die Klimabewegung zum Anlass, wieder auf die Straßen zu gehen: Am Samstag will ein breites Bündnis „Zehntausende“ auf Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und München mobilisieren. Es ist ihre beste Chance seit Langem, wieder zu der Macht zu werden, die sie vor der Coronapandemie war.

Denn die fossile Ideologie von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Kanzler Merz wird dieser Tage genauso deutlich wie der Unwille oder das Unvermögen der SPD-Spitze, sich dagegen zu wehren. Es ist nicht vermittelbar, warum die Koalition die Antriebswende hin zum E-Auto ausbremsen will, während alle Verbrenner-Fahrer*innen derzeit unter den hohen Spritpreisen leiden.

Das versteht selbst im autoversessenen Deutschland kaum jemand: Um das zu sehen, reicht ein Blick auf die unterirdischen Beliebtheitswerte Reiches, die Galionsfigur der Fos­sil­fa­na­ti­ke­r*in­nen in der Bundesregierung.

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Dazu kommt: Die Energiewende verläuft zwar nicht schnell genug, um Deutschlands Klimaziele zu erreichen, aber zunehmend profitieren Menschen von ihr: Hand­wer­ke­r*in­nen mit langen Wartelisten, die Wärmepumpen einbauen und Solaranlagen anschließen. Hausbesitzer*innen, die mit eben diesen Anlagen Strom für den Eigenbedarf erzeugen.

Hunderttausende, die für Unternehmen in der Erneuerbarenbranche, Kreislaufwirtschaft oder Nachhaltigkeitsforschung arbeiten. Die Energiewende hat in Deutschland inzwischen eine vielfältige Lobby.

Die Klimabewegung kann sich für die Mobilisierung auf gefestigte Strukturen verlassen – immerhin war sie maßgeblich daran beteiligt, im Januar 2024 die größten Demonstrationen der bundesdeutschen Geschichte gegen die AfD zu organisieren.

Bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierung bereit ist, dem berechtigten Druck der demokratischen Zivilgesellschaft nachzugeben.

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Jonas Waack
Klima-Redakteur
Jahrgang 1999, zuständig für Klima-Themen im Ressort Wirtschaft und Umwelt. Stadtkind aus Mecklenburg, möchte auch sonst Widersprüche vereinbaren. Bittet um Warnung per Mail, falls er zu sehr wie ein Hippie klingt.
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8 Kommentare

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  • Eigentlich kommt die aktuelle fossile Energiekrise 3.0 noch genau rechtzeitig, um den fossilen "Roll-back" der grünen Energiewende durch CDU-Ministerin Katherina Reiche zu stoppen. - Die Windkraft läuft super an Land und auf See, Wärmepumpen sind inzwischen ein etablierter "Heizungsbooster" in Kombination mit PV-Anlagen und Batteriespeichern und E-Autos werden inzwischen auch öfter auf den Straßen gesehen. Robert Habeck hatte also die Weichen richtig gestellt und trotz Widerständen aus FDP und SPD damals und fossilen Querschlägen aus CDU und CSU heute die Energiewende ins Rollen gebracht! - "Never change a running system."

  • Fand ich sehr gut im dem Kommentar weiter unten:



    Wann kam menschliche Einsicht den schon mal vor einem Kipppunkt? Natürlich kippt der Turm erst, und dann kommt der Aufschrei.



    Muss das so bleiben? Gut, dass die TAZ jetzt jeden Tag bis zu den Demos am Sonnabend etwas Einprägsames bringt zum Thema und die Zusammenhäge mit dem Klimaschutz immer wieder beim Namen nennt. Danke, Herr Waack, und, Zitat: "Alle die sich zu den Hunderttausenden zählen, die für Unternehmen in der Erneuerbarenbranche, Kreislaufwirtschaft oder Nachhaltigkeitsforschung arbeiten, " .. alle die privat auf ihren Dächern, inihren Kellern oder ehrenamtlich etwas für den Klimaschutz tun und dafür angefeindet werden, alle, die den Rückwärtsgang und die Bevölkerungsfeindlichkeit der CDU/CSU-Klimapolitik ablehnen: wir sollten uns am Sonnabend mal gemeinsam zeigen und Deutschlands Energiewende-Lobby sichtbar machen.

  • Traurig die Ignoranz in der Regierung die das Thema Klimawandel überwiegend als Kulturkampf sieht. Reiche beim Gas und Span beim Atom.

  • Muss FFF überhaupt noch protestieren? Frau Reiche macht Mist, für die Verbraucher und für die Wirtschaft. Wer lesen und denken kann, muss das doch kapieren und Reiche zum Teufel jagen wollen, oder?

    • @Albrecht Thomas:

      Nur wollen bringt leider nichts, man muss schon auch tun.

  • Die Zeit ist auf der Seite der Klimabewegung, die Einschläge der Katastrophen kommen zwangsläufig immer näher, sie haben sogar teilweise ein klein wenig schon angeklopft ( Ahrtal )! Ich bin gespannt, wann die Einsicht zur Veränderung durch die erlebte und die finanzielle Schmerzgrenze wirklich kommt, und wie viele Tote wir bis dato zu beklagen haben.

    Die Versicherungswirtschaft steht durch den Klimawandel vor enormen Herausforderungen, Extremwetterereignisse verursachen enorme wirtschaftliche Schäden. In Deutschland summierten sich die Kosten seit dem Jahr 2000 auf mindestens 145 Mrd. Euro, davon über 80 Mrd. Euro seit 2018. Europaweit belaufen sich die Schäden durch Hitze, Dürren und Fluten auf über 126 Mrd. Euro. Klimamodelle prognostizieren bis 2050 bis zu 900 Mrd. Euro Kosten für Deutschland.

    Das Problem dabei ist, sollte die Einsicht zu spät kommen, und danach sieht es stark aus, werden durch das überschreiten der entstandenen Kipppunkte deren Auswirkungen kaum mehr beherrschbar sein!

    • @taz.manien:

      Wann kam menschliche Einsicht den schon mal vor einem Kipppunkt? Natürlich kippt der Turm erst, und dann kommt der Aufschrei.

      Yenga Kapitalismus!

  • Drastische Änderungen, wie sie mittlerweile notwendig sind um nicht nur den klimatischen sondern auch den gesellschaftlichen Kollaps aufgrund der sich stetig verschärfenden Ungerechtigkeit aufzuhalten, werden, glaubt Mensch der menschlichen Geschichte bis dato, nicht friedlich, sondern durch blutige Umsturze des Systems errungen. Bedenkt mensch, wie fanatisch und verbissen sich die Wahrer:innen und ihre Gläubigen an die Kapitalismus-Religion klammern, obwohl für jeden klar denkenden Menschen ersichtlich sein sollte, dass dieses ausbeuterische, unterdrückende System den Anforderungen der Moderne nicht gewachsen ist, so ist es eher unwahrscheinlich, dass wir einen friedlichen Wechsel hin zu einer ökologisch- und ökonomisch-gerechten Gesellschaft vollziehen werden. Leider.