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Leo XIV. im Streit mit TrumpDer Antiimp-Papst

Pauline Jäckels

Kommentar von

Pauline Jäckels

Trump regt sich über den Papst auf, dabei ist der doch US-Amerikaner. Und etwa auch ein radikaler Linker, gegen imperialistischen Krieg und Präpotenz?

ER ist Papst: Ein KI-generiertes Bild des US-Präsidenten, veröffentlicht im letzten Jahr auf seinem Kanal Truth Social Foto: screenshot: truth social/@realDonaldtrump/reuters

I ch hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe – als überzeugte Ex-Katholikin. Aber kaum jemand hat derzeit ein stabileres Twitter-Game als der Papst. Leo XIV. haut dieser Tage einen Banger nach dem anderen raus. Donald Trump und seine MAGA-Anhängerschaft hassen den Pontifex dafür, Internet-Linksradikale feiern ihn, als wäre er der neue Lenin. Und ich frage mich: Darf ich als Linke jetzt wirklich den Papst gut finden? Sollte ich meinen – lange! – überfälligen Kirchenaustritt vielleicht doch noch ein paar Jahre verschieben?

An Gründonnerstag schrieb der Papst: „Die imperialistische Besatzung wird von innen heraus unterbrochen. Die Gewalt, die bis heute Gesetz ist, wird entlarvt.“ Auf X zirkulierte daraufhin ein Meme, auf dem der Papst Lenins Was tun? gen Himmel streckt – jenes Werk, in dem der russische Revolutionär postuliert, der Kampf gegen Imperialismus und Kapitalismus müsse stets im eigenen Land geführt werden.

Auch das Thema Armut will Leo ganz in linker Tradition bei der Wurzel packen. Diese Wurzel globaler Ungleichheit seien nicht fehlende Ressourcen, so der Papst auf X, sondern die ungleiche Verteilung von Vermögen. „Der Papst sagt, die Produktivkräfte sind entwickelt, aber die Produktionsverhältnisse sind noch nicht nachgezogen – wir sind bereit für den Sozialismus“, interpretierte die deutsche Marxistin Bafta Sarbo die Worte des Kirchenoberhaupts.

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Irgendwo muss man ja anfangen

Na ja gut, mit ein bisschen Umverteilung hätten wir noch keinen Sozialismus erreicht. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

In Fragen von Krieg und Frieden vertritt Papst Leo XIV. ebenfalls deutlichere Positionen als so manche „linke“ Partei – und scheut offenbar auch den Konflikt mit den Mächtigen nicht. Innerhalb weniger Minuten schoss er am Samstag gleich zweimal gegen Trumps Kriegspolitik, indirekt, aber unmissverständlich: „Gott segnet keine Kriege. Wer ein Jünger Christi ist, steht niemals auf der Seite derer, die gestern das Schwert ergriffen haben und heute Bomben abwerfen.“ Ein klarer Seitenhieb gegen den US-Präsidenten, der immer wieder behauptet, in Gottes Gnade zu handeln.

Trump fühlte sich offenbar angesprochen. Auf Truth Social folgten zunächst verbale Attacken, anschließend ein KI-generiertes Bild, das ihn selbst als Jesus zeigt, der einen Kranken segnet – im Hintergrund: US-Flagge, Kampfjets und Engel in Kampfmontur.

Natürlich: Ein paar pointierte Posts verwandeln die katholische Kirche noch lange nicht in eine revolutionäre Kraft. Die Institution bleibt geprägt von Machtmissbrauch, Misogynie und einem über Jahrhunderte angehorteten Reichtum. Wer in ihr eine verlässliche Verbündete im Kampf gegen Faschismus und Imperialismus sucht, dürfte am Ende ähnlich enttäuscht werden wie vom Staat.

Aber bis dahin können sich Linke zumindest aus strategischer Sicht darüber freuen, wenn der Papst unter seiner Millionen-Followerschaft linke Talking-Points normalisiert.

Mein Austritt aus der Kirche bleibt trotzdem überfällig. Davon hält mich allein meine irrationale Angst vor Behördengängen ab.

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Pauline Jäckels
Meinungsredakteurin
Redakteurin im Meinungsressort seit April 2025. Zuvor zuständig für die parlamentarische Berichterstattung und die Linkspartei beim nd. Legt sich in der Bundespressekonferenz gerne mit Regierungssprecher:innen an – und stellt manchmal auch nette Fragen. Studierte Politikwissenschaft im Bachelor und Internationale Beziehungen im Master in Berlin und London.
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12 Kommentare

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  • Aus der katholischen - anders als aus der evangelischen - Kirche kann man nicht austreten, Frau Jäckels. Die Taufe ist unumkehrbar. Ein Kirchenaustritt kann gegenüber dem Staat erklärt werden, dies wird von der Kirche als Abfall vom Glauben gewertet, geht mit den Verlusten von Rechten einher, ändert aber nichts an der grundsätzlichen "Mitgliedschaft".

  • Wenn man bedenkt, wie zentral die ethischen Lehren von Jesus Christus für die moralischen Wurzeln des Sozialismus sind (Nächstenliebe, Gemeinschaft des Besitzes, Würde de Armen, Pazifismus, Gleichheit vor Gott und Gesetz), sollte es nicht verwundern, dass von einem Papst auch mal Worte kommen, die einem Sozialisten runtergehen wie feinstes extra natives Olivenöl. Und - ketzerisch hinzugefügt - dass Leute, die das ideologisch "Richtige" verkünden, das aus durchaus prunkvoller Situation heraus machen, ohne den dadurch repräsentierten Reichtum materiell verdient zu haben, hat die Linken auch noch nie wirklich gestört...

  • Kann der Papst Trump nicht bitte exkommunizieren? Alleine schon wegen seiner ganzen Lügen, ihr Tag einen Tag aus erzählt.

    • @ Oliver König:

      Trump ist kein Katholik, daher kann er nicht exkommuniziert werden, bzw. es stellt sich beim ihm nur die Frage, ob Fegefeuer oder Hölle. Bzw. stellt sich die bei ihm nicht.

  • Hat es das noch gebraucht, jm zu erkennen das dieser Mensch geisteskrank ist.



    Nun ist es an Amerika das Problem zu lösen, am besten, so lange noch etwas von der Welt übrig ist.



    Er scheint eher einer apokalyptischen Reiter zu sein !

  • "Trump fühlte sich offenbar angesprochen. Auf Truth Social folgten zunächst verbale Attacken, anschließend ein KI-generiertes Bild, das ihn selbst als Jesus zeigt, der einen Kranken segnet – im Hintergrund: US-Flagge, Kampfjets und Engel in Kampfmontur."



    In der Regierung sind auch Katholiken vertreten:



    "Sein Vize Vance sagte, Trump habe das Bild „als Scherz gepostet“, und dann gesehen, dass „eine Menge Leute seinen Humor in dem Fall nicht verstehen“.



    Trumps Kritik an Papst Leo XIV. wegen dessen Äußerungen im Iran-Krieg bekräftigte Vance aber. Der 41-Jährige empfahl dem Papst, sich aus der US-Politik herauszuhalten. „In manchen Fällen wäre es das Beste für den Vatikan, sich auf moralische Angelegenheiten zu konzentrieren“, sagte Vance..."



    b. handelsblatt.com



    Genau das tut der Papst mit Engagement.



    Der POTUS ist wohl eher selbst akut ein FALL FÜR DEN ARZT.



    "Der künftige Außenminister Marco Rubio kehrte der katholischen Kirche erst den Rücken und fand dann zu ihr zurück. "Ich bin theologisch und doktrinär vollständig mit der römisch-katholischen Kirche im Einklang", betont der Sohn kubanischer Einwanderer, der mit der Katholikin Jeanette Dousdebes verheiratet ist."



    katholisch.de 2024

  • "Mein Austritt aus der Kirche bleibt trotzdem überfällig. Davon hält mich allein meine irrationale Angst vor Behördengängen ab."

    Man kann den Kirchenaustritt auch Online vollziehen, dazu bedarf es keines Behördengangs....ein bisschen Digitalisierung haben wir in den letzten Jahren dann doch vollzogen bekommen hier in Deutschland :D

  • Glücklicherweise haben wir in Deutschland keine Religions- sondern Weltanschauungsfreiheit. Sogar vom Grundgesetz aus.

    Laut Artikel werden Sie weiterhin als Katholik gezählt, stärken damit deren Lobbyarbeit und spülen Kopfgeld in die katholischen Kassen.

    Den Papst als links zu bezeichnen halte ich für falsch. Wer Religion über die Weltanschauungsfreiheit hinaus, als Staatsfrau fördert, kann nicht links sein.

    Wofür sich der Herr Prevost im Moment stark macht, ist die interreligiöse Solidarität.

    Ich steh da mehr auf Menschenrechte, Trennung von Staat und Religion und Gewaltenteilung.

  • "Ein paar pointierte Posts verwandeln die katholische Kirche noch lange nicht in eine revolutionäre Kraft."



    Vielleicht nicht in Deutschland und Europa, aber anderswo.



    Ein fast historischer Ansatz mit Reichweite bis Europa:



    www1.wdr.de/mediat...theologie-100.html

  • Trump als Jesus? Die Legende sagt, Letzterer sei auf Verlangen empörter Bürger gekreuzigt worden...

  • Und ich wiederum stelle mir die Frage, ob ich 50 Jahre nach meinem Austritt aus der katholischen Kirche, nicht doch wieder diesem Verein beitreten soll.



    Wer, wie aktuell der Pontifex von Trump so dermaßen 'gebashed' wird, kann so schlecht nicht sein, denke ich. Fehlt nur noch Trumps Ausruf Richtung Papst: "you are fired"!

  • Bei Trumps Wahnsinn ist Leo XIV Balsam für die gemarterte Seele der Menschheit.



    www.theguardian.co...ke-figure-backlash