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Vetternwirtschaft bei der AfDDer Staat als Beute

Andreas Speit

Kommentar von

Andreas Speit

AfD-Abgeordnete beschäftigen Familienangehörige und bedienen sich dafür am Gemeinwohl. Kritik in den eigenen Reihen dreht sich nur ums Eigene.

Vetternwirtaschaft: Die AfD-Europaabgeordnete Anja Arndt kritisiert die niedersächsische AfD-Landespitze um Ansgar Schledde Foto: Carsten Koall/dpa

B riefe, E-Mails, Chat-Protokolle, Screenshots – all die digitalen Informationen des aktuellen AfD-Skandals eint ein politisches Moment: Die politische Ausrichtung der extrem rechten Partei werden nicht thematisiert. In der selbst ernannten Alternative wird schon länger nicht über das Profil gestritten.

Stattdessen greifen die Briefe der AfD-Europaabgeordneten Anja Arndt die niedersächsische Landespitze um Ansgar Schledde an – wegen Posten, Jobs, Macht, Geld. Sie hält ihm unter anderem vor, Mitglieder bei einer Bundestagskandidatur nur zu unterstützen, wenn sie ihm 35 Prozent der Mitarbeiterbudgets gewähren. In einer Replik aus dem Landesverband, die der taz vorliegt, wird prompt Arndt wegen des Aufbaus von Strukturen für eigne Machtgewinnung sowie familiäre Jobzuschiebungen angefeindet.

Kein Kritiker will eine Abgrenzung zum Ethnopluralismus, der Vorstellung von homogen Völkern. Kein Briefeschreiber fragt, inwieweit ein EU-Austritt die Wirtschaftskraft massiv senken könnte? Keine E-Mailversenderin hinterfragt die Annäherung zu Elon Musk. Kein Chat-Protokoll, kein Screenshot zu Wehrpflicht und Aufrüstung. Politik scheint irrelevant.

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Nun mag man sagen: Warum sollte die Partei das auch tun? Ihre extreme Politik ist nun mal ihre extreme Politik. Es fällt aber eben auf, dass sich Kritik innerhalb der eigenen Reihen nur um das Eigene dreht: Vorankommen in der Partei, einen guten Platz auf den Wahllisten, Macht- und Geldanhäufung. Postenzuschieberei und Vetternwirtschaft eben.

So wird das Bonmot „Der Staat als Beute“ des Staatsrechtlers Hans Herbert von Arnim beflügelt: Der „parteiliche Egoismus“, der „auf Kosten des Gemeinwohls“ gehe, gibt den „Staat zur Beute“ frei. Das kommt jedem Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in der Partei- und Parlamentskritik entgegen. Mit dieser Monstranz zog die AfD in die Wahlkämpfe gegen „das Establishment“. Falsche Prophet*innen, verlogene Selbstbereicher*innen. Kleine Trumps. Aber ob das ihre Wählenden enttäuscht?

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Andreas Speit
Autor
Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
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13 Kommentare

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  • Politik und Beamte nehmen den Staat mit ihren unverschämt hohen Pensionsansprüchen vollkommen legal wie eine Weihnachtsgans aus. Und trampeln ungestraft auf den gierigen Arbeitern und Rentnern rum, die die mickrigsten Renten Europas erhalten. In der drittreichsten Volkswirtschaft der Welt. Unglaublich, was da passiert. Politiker und neue Beamte müssen auch in die Rentenkasse einzahlen. Die Rentenkommission der Bundesregierung muss hier „ liefern“. Schluss mit Extrawürsten für Politiker und neue Beamte.

  • Das Klientel ist so toxisch, dass man ggf. am Ende die Vetternwirtschaft am Ende auch noch als Schlachten der demokratischen Weihnachtsgans beklatschen wird. Man hasst den demokratischen Rechtsstaat, warum sollte es ein Problem sein, ihn auszunehmen?



    Alle anderen Regeln hat die AfD, wie ihr großes Vorbild Trump, ja bereits konterkariert ohne dafür abgestraft zu werden, im Gegenteil. Boshafte Amoralität, Menschenfeindlichkeit, libertärer Freiheitsbegriff, der jede Regulierung als linkswoken Wahn verteufelt, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das Publikum klatscht weiter Beifall und wählt die Totengräber.



    Es steht zu befürchten, dass auch dieses dreiste Vorgehen der AfD nicht schaden wird. leider.

  • Vetternwirtschaft gabs bei allen Parteien schon



    Das habe ich schon vor Jahrzehnten gelesen, da hießen aber die Parteien CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne,...



    Nun auch die (Sch..) AfD, sie scheint von den anderen gelernt zu haben.

  • "Aber ob das ihre Wählenden enttäuscht?"



    ... ich denke das wird nicht eintreten. Um deren verscherbeltes Wahlprogramm gut zu finden, muss man entweder ziemlich beschränkt oder moralisch/ethisch verkommen sein. (am besten beides)

  • Leider ein in ganz Deutschland verbreitetes Modell.

    Viele Unternehmen haben Verwandte und Familienmitglieder beschäftigt. Teilweise stehen die nur im Lohn, tatsächlich arbeiten einige jedoch in keiner Weise dort mit.



    Gut, dass dieses Thema jetzt generell ans Licht kommt, wenn es die AgD einige % kostet, dann ist das ein schöner Nebeneffekt

  • Es ist gut zu Wissen, dass die AFD auch etwas für Familien tut.



    Also eine Familienpartei .



    Ich wähl die nicht.



    Gruß aus Sachen-Anhalt

    • @SGpopserv:

      Da fehlt mindestens ein Wort in Ihrem Beitrag:

      Es ist gut zu wissen, dass die AfD auch etwas für die "eigenen" Familien tut.

      Oder anders ausgedrückt: Die Gesetze dehnen bis sie reißen. Das gleiche Muster wie Trump und seine Sippe.

      Andere, Fremde, Andersdenkende haben hingegen in dem Weltbild keinen Platz.

  • Deutschland ist ein Parteienstaat. Das Bundesverfassungsgericht hat mit seiner Rechtsprechung zu Art. 21 I GG die Republik den Parteien zum Fraß hingeworfen. Wir können die AfD hassen und den ganzen Tag Nazi schreien, uns am Habitus von Weidel, Chrupalla und Konsorten abarbeiten, es ist egal. Die AfD ist Teil des Systems. Von dem profitieren sogar Politsekten wie Volt und MLPD. Alle Parteien, ab einer gewissen Größe, mästen sich mit Steuergeld. Nicht einmal die Grünen leben von der Milch der frommen Denkungsart. Da soll ausgerechnet die AfD sich nicht parasitär verhalten?

  • Ja wie? “Der Staat als Beute“

    Das Dauerabo steht doch seit Ol Conny Pferdmenges Abs & Co den Christlichen zu.



    Das gibt ja dann vielleicht ein derart drängeliches Abgreifergemenge am



    Konservativ bis braunrechten Rand - wa!



    Aber Hallo - die Scheinheiligen & die Unheiligen.



    Die ganz - Vereinigten Unheimlichen. Newahr



    Normal •

    Na Mahlzeit

    • @Lowandorder:

      Däh&Zisch - Mailtütenfrisch - flankt ein:

      “ Die AfD ist halt die schlächtere Union...“🙀🧐

      Wer außer ausgerechnet 😷Spahn & Co unne so - wollte widersprechen - wa!

  • Sie machen, was sie immer behauptet haben. Sie ändern die Verhältnisse.

    • @vieldenker:

      Sie machen aus bisherigen Stecknadeln Nägel mit Köpfen.



      Und ich befürchte, man lässt sie gewähren nach etwas Maulhelden-Entrüstung.

  • Das ist für mich absolut vorhersehbar. Das passt z.b. zu den Angaben der Parteien über Spenden: Linke und Grüne sind die transparentesten, CDU und Afd die intransparentesten.