Klimakrise und Weideland: Reiche sind mitgemeint
Bis zum Jahr 2100 könnte die Hälfte der weltweiten Weideflächen verschwinden. Nicht nur die Nahrungsversorgung der Ärmeren ist dadurch gefährdet.
Z wei Drittel der Weideflächen Afrikas drohen wegen des Klimawandels zu verschwinden. Und wieder sind vor allem jene betroffen, die am wenigsten für die Erderwärmung können. Aber es wäre naiv zu glauben, dass schwindende Weideflächen nur die Menschen in Afrika träfen. Auch die europäische Mittelschicht sitzt mit in der Tinte: Eine Studie, an der das Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung beteiligt war, prognostiziert nun den Verlust der Hälfte aller Weideflächen weltweit. Da sollte nicht nur der Ziege das Gras im ersten Magen stecken bleiben.
Die aktuelle Studie benennt das Problem sehr deutlich: Nicht nur in Afrika verschwinden Graslandschaften für Weidetiere, sondern eben weltweit die Hälfte aller Weideflächen. Dadurch werden nicht nur die Bauern ihrer finanziellen Lebensgrundlage beraubt, ebenso ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährdet. In Zahlen ausgedrückt sind – Stand jetzt – weit über hundert Millionen Menschen betroffen, deren Existenz auf der Viehhaltung fußt.
Die Zahl der Weidetiere, deren Weiden Wüste werden, geht in die Milliarde. Nicht nur bahnt sich mit dieser Prognose eine Flucht von Menschen in andere Regionen und Länder enormen und ungeahnten Ausmaßes an. Gleichwohl steht die globale Ernährungssicherheit auf dem Spiel, wenn eine der wichtigsten Säulen der globalen Nahrungsmittelproduktion kollabiert.
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Auch wenn viele Menschen Katastrophenmeldungen wie diese nicht mehr hören und lesen können und ebenso Appelle an die eigene Lebensführung leid sind – es bleibt dabei: Klimakrise und Artensterben sind existenzielle Bedrohungen. Klar ist auch: Die Betroffenen, das sind nicht länger nur die Menschen des globalen Südens.
Die behütete Mittelschicht Mitteleuropas muss erkennen: Wird der Schalter nicht umgelegt, bleibt eine gesicherte Ernährung auf lange Sicht nicht selbstverständlich. Ökologische Krisen stellen gerade die Gewissheiten früherer Generationen infrage. Wenn schon vieles zusammenbricht, wie wäre es dann mit etwas Aufbruchstimmung und konsequenter Krisenprävention?
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