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Frühere BundestagspräsidentinRita Süssmuth ist tot

Sie war eine starke Stimme für Frauen und eine liberalere CDU: Jetzt ist die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth mit 88 Jahren gestorben.

Rita Süssmuth verstarb im Alter von 88 Jahren Foto: Christoph Reichwein/dpa

kna | Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin, ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner am Sonntag mitteilte. Im Juni 2024 hatte Süssmuth ihre Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Klöckner würdigte sie als „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“.

Süssmuth wurde 1937 in Wuppertal geboren. Mit 34 Jahren übernahm sie eine Professur für Erziehungswissenschaften. In den 1970er Jahren leitete sie einen Lehrstuhl an der Universität Dortmund und arbeitete parallel in Gremien des Familienministeriums. 1981 trat sie der CDU bei. Unter Kanzler Helmut Kohl wurde sie 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später übernahm sie zusätzlich das Ressort Frauen und wurde damit Deutschlands erste Bundesfrauenministerin.

Zweite Bundestagspräsidentin

Von 1988 bis 1998 war sie als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin und damit auch erste Parlamentspräsidentin im wiedervereinigten Deutschland. In dieser Funktion setzte sie sich beherzt für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 ein.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) würdigte Süssmuth als „große Politikerin“ und einen „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen. Als Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestags sei sie „Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen“ gewesen, erklärte Merz.

Auch Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete ihre Amtsvorgängerin als ein großes Vorbild. „Sie hat sich über Jahrzehnte mit starker Stimme für Familien und Frauen eingesetzt, nicht nur als Familien- und Frauenministerin. Sie hat frauen- und gleichstellungspolitische Themen ganz oben auf die Agenda gesetzt, wo sie auch heute noch hingehören.“

Während ihrer politischen Laufbahn kämpfte Süssmuth unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 und engagierte sich für Aids-Kranke. Mit dem Grundsatz „Prävention statt Ausgrenzung“ setzte sie sich trotz Widerständen durch.

Auch in der in ihrer Partei sehr umstrittenen Migrationspolitik setzte die Politikerin Schwerpunkte: Bereits Mitte der 1990er Jahre forderte sie als erste prominente CDU-Politikerin ein klares Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland. Von 2000 bis 2001 leitete sie die Zuwanderungskommission der rot-grünen Bundesregierung. Von 2002 bis 2004 übernahm sie den Vorsitz des von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gebildeten Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration. Von 2003 bis 2005 arbeitete sie in der Global Commission on International Migration mit, die die UNO eingesetzt hatte.

Zahlreiche Ämter nach der politischen Karriere

Auch nach ihrer politischen Karriere übernahm Süssmuth weiterhin zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz („Limbach-Kommission“) berufen. Seit 2005 war sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, dessen Ehrenpräsidentin sie zuletzt war. Über 27 Jahre stand sie zudem dem Deutschen Volkshochschulverband vor, seit 2015 als Ehrenpräsidentin.

Auch als Katholikin engagierte sich Süssmuth. So leitete sie die Kommission „Ehe und Familie“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und amtierte von 1980 bis 1985 als Vizepräsidentin des Familienbundes der Katholiken.

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9 Kommentare

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  • Ich sage mal: Danke schön Frau Süssmuth. Es war gut, was Sie getan haben.

    • @Land of plenty:

      Schade, dass ihre Aktivitäten im "Kreise der Frondeure" 1989 nicht von Erfolg gekrönt waren, mag man denken.



      Durch den Fall der Mauer war das Thema allerdings abrupt "verschütt".

      "Als dann endlich der CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep ganz unbefangen die Geißler-Freunde Lothar Späth, Ernst Albrecht und Rita Süssmuth fragte: »Also gibt es hier eine Gegenkandidatur?« und nur die Antwort kam, der Kampf um Parteivorsitz und Kanzlersessel sei abgeblasen, da wirkte Helmut Kohl ganz entspannt. Friedfertig, beinahe wohlwollend gab er sich gegenüber seinen Feinden, die in der Beletage des Bonner Adenauer-Hauses mit ihm am Tisch saßen."



      spiegel.de 1989



      Weiter dort:



      "Die Viererbande Geißler, Späth, Albrecht, Süssmuth steht blamiert vor der ganzen Partei. Das CDU-Volk hatte erst nicht glauben wollen, daß Spitzenleute den CDU-Chef stürzen wollten."



      Und schließlich:



      "mit den Reformideen der CDU-Linken Süssmuth und Geißler hat Späth, der sich bei der Ausländer- oder Abtreibungspolitik gern als Rechter gibt, nicht viel im Sinn."

      2000 titelte d. 'Spiegel':



      "Der Bimbes-Kanzler



      Am Anfang und am Ende der CDU-Affäre steht Helmut Kohl. Das Geld war ein Mittel für ihn, Abhängigkeit zu schaffen..."

  • Professor Rita Süssmuth hat dafür gesorgt, dass Nelson Mandela im Bundestag geredet hat.

  • Eine Frau mit Verstand, Haltung und Menschlichkeit - mit ihr ist nach Norbert Blüm, Heiner Geissler und Klaus Töpfer wohl die letzte einer Generation von "Herz-Jesu-Marxisten" abgetreten. Für ihr politisches Wirken danke ich ihr von Herzen.



    R.I.P., Rita Süssmuth.

  • Wo sind die Nachfolger(innen) Süssmuths in der Union? Emanzipiert, sozial, christlich, gebildet? Und angenehm auf Argumenten beharrend.

    • @Janix:

      so jemand wie Walter Lübcke?



      Es gibt sie auch irgendwo noch.



      Mich beschäftigt, was die sozialpsychologischen Faktoren sind, die dazu führen, dass heute diese Nius-Poschardt-Spahn Verhaltensweise so dominant geworden ist.



      Das findet sich in allen Milieus und in allen Parteien.



      "Emanzipiert, sozial, christlich, gebildet? Und angenehm auf Argumenten beharrend."



      - das sind Formen der Disziplin, der Anerkennung, Höflichkeit und die Bereitschaft andere zu verstehen.



      Tugenden, die sich ableiten aus Werten (Hans Joas, Die Entstehung der Werte, 2008).



      Merz verhält sich auch weiterhin wie ein Stammtischbruder. aus dem Bauch raus Sprüche klopfen.



      Die Gegenbewegung wird nicht einfach das gleiche von links machen (sollen), sondern den guten Umgang und den Weitblick weiterentwickeln müssen. vgl.



      Rachel Jaeggi: Fortschritt und Regression, 2025.

  • Man glaubt es kaum. Es gab auch in der CDU und sogar unter führenden ChristdemokratInnen, streitbare, liberale, soziale und einfach auch sympathische Personen. Rita Süssmuth war eine davon. Nicht nur die CDU, auch Deutschland hat eine ganz starke Persönlichkeit verloren. RIP Rita Süssmuth

  • Rita Süssmuth war eine prägende Figur deutscher Politik was einen Respektvollen Umgang mit anderen betrifft. Schon dafür Danke.

    • @Hans Dampf:

      Sie war gewissermaßen die Avantgarde in einer speziellen Partei mit ziemlich "klaren Regeln" für den Machterhalt.



      /



      "In der damals noch konservativeren Union vertrat sie damit oft Minderheitspositionen. Sie war der Partei gesellschaftspolitisch manchmal um Jahre voraus. Das galt auch für innerparteiliche Fragen wie die Einführung einer Frauenquote in der »Altherrenriege« CDU (O-Ton Süssmuth), für die sie schon 1995 beim Parteitag in Karlsruhe stritt. Erst 2022 beschloss die CDU die Quote."



      Quelle spiegel.de



      /



      Bei dw.com



      "Sie wagte Tabubrüche, kämpfte für Frauenrechte und beteiligte sich am vergeblichen Versuch, Kanzler Kohl als CDU-Chef zu stürzen"



      In der Tat: Hoher Respekt wurde ihr überparteilich gezollt. Sie war für die Menschen als Politikerin nahbar da und vertrat auch Positionen gegen veritable Widerstände.



      Eine kluge Stimme wird in der Politik fehlen, denn daran mangelt es inzwischen häufiger in den Kontexten, in denen sich Rita Süssmuth zur Stellungnahme berufen fühlte.☮️🏳️‍🌈



      R.I.P.