Belohnung für Hinweise zum Stromausfall: Wie viele Daniela Klettes kostet eine Vulkangruppe?
Mit einer Million Euro will das BKA der Vulkangruppe auf die Schliche kommen – eine enorme Summe, wie die Geschichte öffentlicher Fahndungen zeigt.
D ie Sprache ist martialisch: „Wir schlagen zurück“, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag und kündigt an: „Die Behörden ziehen alle Register gegen den Linksextremismus.“ Im Visier hat er dabei vor allem die sogenannte Vulkangruppe, die sich zu dem Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin Anfang Januar bekannt hat. „Wir sprechen hier über Terrorismus“, wird auch Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) nicht müde zu betonen.
Aber die großen Töne und der Tatendrang können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Fahndung zu dem Anschlag wohl eher schleppend verläuft. Warum sonst hat das Bundeskriminalamt (BKA) eine Belohnung von bis zu einer Million Euro ausgelobt für Hinweise, die zur Ermittlung der Täter*innen führen? Es scheint, als tappe der Generalbundesanwalt, der das Verfahren führt, auch drei Wochen nach dem Blackout weiter im Dunkeln.
Deshalb versuchen es die Ermittler jetzt mit einer altbekannten Strategie: Sie legen eine beachtliche Summe auf den Tisch. Denn Geld löst ja vermeintlich alle Probleme, und je mehr, desto besser. Denunziation hat ihren Preis.
Tipps zur Vulkangruppe lässt sich die Behörde dabei besonders viel kosten. Zum Vergleich: Selbst für Hinweise zum Attentäter Anis Amri, der den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz 2016 verübt hatte, setzten die Ermittler „nur“ 100.000 Euro aus. Nach dem Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe in Dresden 2019 konnte man hingegen mit sachdienlichen Informationen bereits 500.000 Euro einheimsen. Ob und an wen tatsächlich Geld geflossen ist, ist nicht bekannt.
Eine krumme Gleichung offenbart wenig Staatstreue
Anders sieht das im Fall Daniela Klette aus. Auf sie und ihre früheren RAF-Genossen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub hatte das BKA mindestens 150.000 Euro ausgelobt. Nachdem Daniela Klette 2024 in Berlin-Kreuzberg festgenommen worden war, zahlte das BKA tatsächlich rund 25.500 Euro für den konkreten Hinweis, der zu ihrer Ergreifung geführt hatte. Die Summe ergibt sich wohl aus dem Wechselkurs der im Jahr 1993 versprochenen 50.000 D-Mark.
Versucht man sich in – zugegebenermaßen krummer – Mathematik, kostet eine Vulkangruppe also etwa 40 Daniela Klettes oder zwei Juwelendiebstähle. Löst man diese Gleichung auf, zeigt sich, wie gering die Kooperationsbereitschaft und Staatstreue im privaten Umfeld der Saboteure von Berlin-Lichterfelde eingeschätzt werden: sie tendieren gegen null.
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