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Klimakrise und KostenWenn Versicherungen nicht mehr versichern

Jonas Waack

Kommentar von

Jonas Waack

Die Schäden durch Naturkatastrophen steigen weiter, warnen mittlerweile auch Versicherer. Damit ist der nächste Kampf um Klimagerechtigkeit eröffnet.

Sturmflut: Hochwasser am Fischmarkt in Hamburg an der Elbe zur Blauen Stunde, am 24.10.2025 Foto: Thomas Lammeyer/imago

H ochwasser, Gewitter und Waldbrände vernichteten im vergangenen Jahr 166 Milliarden US-Dollar – an Häusern, Feldern, Autos, Infrastruktur. Versichert waren davon 98 Milliarden US-Dollar, das Dreifache des Durchschnitts der vergangenen 30 Jahre. Das berichtet der Rückversicherer Münchener Rück, der Versicherer versichert und damit die Klimakrise in den eigenen Bilanzen sieht. Kein Wunder, dass die Versicherer weiterhin konsequent vor den Gefahren des Klimawandels warnen – nur darf niemand von ihnen die Rettung des Klimas erwarten.

Der Branchenverband der Versicherer GDV fordert schon seit Jahren von der Politik, in Überschwemmungsgebieten keine Baugenehmigungen mehr zu erteilen. Der GDV – die größte Lobbyorganisation Deutschlands – warnt vor „Katastrophen auf Wiedervorlage“ und will, dass kommunale Verwaltungen Klimafolgen in ihre Entscheidungen miteinbeziehen müssen. Denn je weiter sich die Erde erhitzt, desto mehr werden Städte und Dörfer verwüstet und desto mehr müssen die Versicherer blechen.

Das wird für viele Haus­be­sit­ze­r*in­nen und Mie­te­r*in­nen teuer. Denn wenn die Versicherer ihre Profite schützen wollen, müssen sie die Beiträge erhöhen. Haus­be­sit­ze­r*in­nen trifft das direkt, Mie­te­r*in­nen über die folgenden Mieterhöhungen. Oder die Versicherer kappen in besonders gefährlichen Regionen den Zugang zu Versicherungen ganz. Rückversicherer beginnen schon, den Versicherern keine Überschwemmungsrisiken mehr abzunehmen.

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In Deutschland schlägt der GDV vor, Versicherungen für Naturkatastrophen in einigen besonders bedrohten Gebieten zu bündeln und eine Beitragsobergrenze über einen Solidaritätsbeitrag zu finanzieren. Der Staat soll in Extremfällen ebenfalls beteiligt werden. Aber der Bund der Versicherten kritisierte, dass unter anderem Sturmfluten ausgenommen sind: Die Versicherer „werben um gute Risiken und sehen zu, schlechte Risiken auszuschließen oder loszuwerden“. Der Kampf darum, wer für die Klimaschäden bezahlt, wird auch in der Versicherungswirtschaft ausgetragen.

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Jonas Waack
Klima-Redakteur
Jahrgang 1999, zuständig für Klima-Themen im Ressort Wirtschaft und Umwelt. Stadtkind aus Mecklenburg, möchte auch sonst Widersprüche vereinbaren. Bittet um Warnung per Mail, falls er zu sehr wie ein Hippie klingt.
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4 Kommentare

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  • "Der Staat soll in Extremfällen ebenfalls beteiligt werden. "



    Da lacht der Laschet: Häuser in Überschwemmungsgebieten bauen und dann über Steuergelder Entschädigungen von Mietwohnungsbenutzern einstreichen.



    Wie sieht es mit der Eigenverantwortung aus?



    In anderen Ländern gibt es Karten mit Flutgebieten, und wer dort baut /nach der ersten Flut dort wohnen bleibt darf sich privat absichern. Mit Ansage einen Millionenschaden in kauf nehmen sollte nicht das Problem aller sein.

    • @Genosse Luzifer:

      Genau so ist es.

      "....Beitragsobergrenze über einen Solidaritätsbeitrag.. "

      Man darf also die Versicherung der Ufervilla mitzahlen, aber nicht an dem Ufer spazierengehen, weil Privatbesitz.

      Nein.

  • Bei Überschwemmungen muss man aber mit der Attribution vorsichtig sein. Dies wird vor Ort gerne benutzt um das Versagen von Management von Flüssen von sich zu weisen.

    Da sagt man also lokaler/Regionaler Politiker lieber "Klimawandel" - statt, "Wir haben den Fluss zu sehr begradigt, zuwenig Überschwemmungsflächen bereitgestellt und zu nah am Fluss gebaut"

    Flüsse würden ohne den Menschen ihren Flusslauf ständig ändern, ganz abgesehen von Begradigungen.

    Hochwasserprävention ist zum Beispiel der Grund warum es in Wien vier Donaus gibt.

    Auch Klimaforscher sagen hier offen dass die Attribution zum Klimawandel hier am schwächsten ist.

  • Dass in HH der Fischmarkt überschwemmt war, ist natürlich eine geradezu ideale Bebilderung für den Klimawandel...