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Pas­san­t:in­nen in Crans-Montana einen Tag vor der Trauerfeier, im Hintergrund die Bar Le Constellation Foto: Tom Pham Van Suu/imago

Nach dem Brand in Crans-MontanaDie dröhnende Stille

Die meisten der Brandopfer aus der Silvesternacht waren noch sehr jung. Zwei Wochen danach wird die Frage nach den Verantwortlichen immer lauter.

Aus Crans-Montana

Xenia Klaus

E in junger Mann, vielleicht 16 oder 17 Jahre alt, steht ohne Jacke im Schneegestöber. Er trägt eine Trainingshose, einen angesagten Hoodie, Sneaker, alles in Schwarz. Vor der Brust hält er einen Strauß roter Rosen. Der Junge wird nass und nasser, je länger die Trauerfeier auf dem großen Bildschirm dauert: Am vergangenen Freitag hat die Schweizer Regierung einen Trauertag für die Opfer von Crans-Montana ausgerufen, für jene 156 Menschen, die in der Silvesternacht bei einem Brand in einer Bar in dem Skiort starben oder schwer verletzt wurden.

Die Feier findet unterhalb des Dorfs im Tal statt, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella nehmen teil. In Crans-Montana selbst gibt es zwei Public Viewings. Im Kongresszentrum war nicht genügend Platz, deshalb stehen noch zwei große Bildschirme auf dem Platz vor der Kirche.

Dort steht der Junge nun im Schneegestöber, und er steht da und rührt sich nicht. Nicht, als die Menschen um ihn herum das Gewicht von einem Bein aufs andere zu verlagern beginnen, um die Kälte etwas aus den Muskeln zu vertreiben. Nicht, als gegen Ende der Feier fast alle seine Freunde schon gegangen sind. Erst als ihn sein letzter noch verbleibender Begleiter mehrfach am Arm zupft und auf dem Bildschirm die meisten Regierungsabgesandten ihre weiße Rose schon niedergelegt haben, lässt er sich schließlich mit von dannen ziehen.

Funkenflug, wohl von Feuerwerk, hatte Schallisolierung aus Schaumstoff in Brand gesetzt. So haben es die Ermittlungsbehörden bisher rekonstruiert. Innerhalb kürzester Zeit brannte die Bar Le Constellation lichterloh. 40 junge Menschen starben, und 116 sind zum Teil schwer verletzt. Am Montag wurde bekannt, dass für den französischen Besitzer der Bar Untersuchungshaft angeordnet wurde. Die leitende Staatsanwältin begründete das mit Fluchtgefahr wegen seines französischen Passes.

Seit Silvester befindet sich die Schweiz unversehens in Aufruhr. Bei der Trauerfeier am Freitag stehen die Menschen trotz Minusgraden und Schneefall in Crans-Montana vom Kirchplatz bis auf die angrenzende Straße. Es gibt zwei Gruppen, die auffällig stark vertreten sind: junge Menschen und wir Journalist:innen.

Ein junger Mann legt bei der Trauerfeier Blumen nieder. Viele der Opfer waren Teenager Foto: Tom Pham Van Suu/imago

Der Silvesterbrand von Crans-Montana ist für die Schweiz ein Unglück von gigantischem Ausmaß. Es ist viele Jahre her, dass auf einen Schlag an einem Ort so viele Menschen starben. Aber was die Schweiz in diesem Land vielleicht gerade kollektiv lernt, ist, dass sich Schrecken auch nicht nur in der Anzahl von Toten messen lässt.

Laxe Ausweiskontrollen

Schrecken ist, wer diese Opfer sind: In Crans-Montana waren es vor allem Teenager, die Hälfte der Toten war noch minderjährig. Die Bar war offenbar für laxe Ausweiskontrollen bekannt.

Schrecken ist der Umstand, dass aktuell niemand weiß, wie viele noch dazukommen werden. Von den 116 Verletzten sind viele weiterhin in kritischem Zustand. Sie haben teils schwerste Verbrennungen am ganzen Körper. Allein die Niederlande haben 9,3 Quadratmeter Spenderhaut geliefert.

Der Schrecken sitzt auch in der Überforderung: Die Versorgung dieser Verletzten ist ein logistisches Problem, dem die Schweiz nicht gewachsen ist. Das Land hat nur einen Bruchteil der aktuell nötigen Kapazität zur Behandlung von schweren Verbrennungsopfern. Die Betroffenen wurden auf Spitäler in ganz Europa verteilt. Die Schweiz ist auf das Entgegenkommen all dieser Länder angewiesen, komplizierte Fälle unkompliziert zu übernehmen. Denn bisher hat sie es unterlassen, dem Europäischen Katastrophenschutzverfahren beizutreten, der solche Kooperationen anderswo geregelt und institutionalisiert hat. Ein Beitritt war zwar geplant, wurde aber erst im November nochmals verschoben.

Während die Kamerateams auf die Menschen auf dem Kirchplatz in Crans-Montana blicken, blickt Manon auf die Kamerateams. Der Tourismusverband hat ganz hinten ein kleines Zelt aufgebaut, hier steht die junge Frau in einem bunten Skianzug, die braunen Haare lugen unter ihrer Mütze hervor. Während der Feier gehört sie zu den ehrenamtlichen Helfer:innen, die heißen Tee ausschenken. Sie sagt, sie sei froh, wenigstens irgendetwas tun zu können. Seit dem Brand sei es, abgesehen von den vielen Journalist:innen, still geworden im Ort.

Inzwischen wird mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen, dass nicht nur das leicht entflammbare Dämmmaterial ein Problem war, sondern dass es darüber hinaus weitere gravierende Brandschutzmängel gab. Im Raum steht auch eine Mitschuld der Behörden: Auf einer Pressekonferenz bestätigte der Gemeindepräsident von Crans-Montana, dass das Lokal Le Constellation zuletzt vor sechs Jahren einer Brandschutzkontrolle unterzogen wurde. Eigentlich wären jährliche Kontrollen vorgeschrieben. Der Kanton Wallis, in dem Crans-Montana liegt, ist einer von wenigen, in dem der Gemeinde die Verantwortung für diese Kontrollen obliegt.

Politische Konsequenzen

Neben strafrechtlichen Folgen dürfte die Brandkatastrophe auch politische Konsequenzen haben. Die nationale Brandschutzgesetzgebung wird gerade überarbeitet, die neuen Regeln hätten eigentlich Lockerungen vorgesehen. Es sollte mehr auf „Eigenverantwortung“ gesetzt werden, jenem Wort, das die Schweiz sehr liebt und in dem aber immer auch ein wenig Arroganz mitschwingt. Die Revision wurde nun auf Eis gelegt; es ist unwahrscheinlich, dass die Brandschutzvorgaben nun so liberalisiert werden wie eigentlich vorgesehen.

Trauergemeinde: Crans-Montana am 9. Januar. Die meisten Geschäfte haben geschlossen, nur der Skitourismus geht weiter Foto: Tom Pham Van Suu/imago

Für die Zeit zwischen dem 1. und 10. Januar liefert die Schweizerische Mediendatenbank für den Suchbegriff „Crans-Montana“ über 18.000 Treffer. Die Kol­le­g:in­nen haben sprichwörtlich jeden Berichtswinkel ausgeleuchtet, jede einigermaßen relevante Person porträtiert. Es wurden Menschen interviewt, die in der Vergangenheit schwere Verbrennungen erlitten haben. Angehörige, An­wäl­t:in­nen und Trau­er­ex­per­t:in­nen wurden befragt. Das Wesen des Kantons Wallis war Gegenstand von psychologisierenden Analysen. Man konnte sich 3D-Rekonstruktionen der Innenräume von Le Constellation anschauen und erfahren, wie wichtig Haut für den Körper ist.

Man lernte, dass ein „Flashover“ entsteht, wenn alle leicht entzündlichen Materialien in einem Raum wegen der Hitze und wegen Gasen quasi gleichzeitig in Flammen aufgehen. Die wichtigste Politsendung des Landes widmete Crans-Montana eine Sendung, in der die Spitzen der Parteien des Landes diskutierten. Der Chefarzt eines Spitals beklagte, dass ein Journalist versucht habe, zu einem Patienten vorzudringen. Mittlerweile hat der Schweizer Presserat interveniert und dazu aufgerufen, rücksichtsvoll zu berichten.

Schon Stunden vor der eigentlichen Feier suchen wir Jour­na­lis­t:in­nen Crans-Montana nach den wichtigsten Schauplätzen ab, um uns dort an diesem Balanceakt zu versuchen. Einer installiert sich vor dem Kongresszentrum und fragt, wie man denn bei diesem Schnee und Nebel bitte ein brauchbares Bild bekommen soll. Die Akkreditierungsliste, die vor der Kontrolle am Medieneinlass liegt, ist fast endlos. Mehrere Kamerateams bitten mich um Statements, die meisten lassen ab, wenn ich sage, ich sei auch Journalistin. Eine Kollegin eines deutschen Fernsehsenders zögert, als sie meinen Schweizer Akzent hört. Vielleicht kann man mich ja trotzdem befragen, solange ich quasi von hier bin?

Nach der Silvesternacht traf ich einen Freund zum Abendessen, er hatte Augenringe, ich fragte, wie es ihm gehe. Nicht so gut, sagte er

Crans-Montana, dieser aus vier Dörfern bestehende Skiort, schien ein paar Tage lang fast ausschließlich in Artikeln und Sondersendungen zu existieren. Die Trauer der Menschen dort, die Schicksale, sie erschienen seltsam unwirklich, all der emotionalen Berichterstattung zum Trotz. Crans-Montana war nicht mehr ein Ort in den Walliser Bergen, sondern existierte vor allem als Nachrichtenphänomen in den großen Medienhäusern.

Nach der Silvesternacht traf ich einen Freund zum Abendessen, er hatte Augenringe, ich fragte, wie es ihm gehe. Nicht so gut, sagte er, er sei am Abend der Katastrophe dort gewesen. Er kannte drei der Toten, sie standen ihm nicht nahe. Er entschuldigte sich fast für seine Traurigkeit. Da spürte ich plötzlich wieder, dass Crans-Montana tatsächlich existiert und Menschen, die ich mag, wegen des Brandes nicht mehr schlafen, und Menschen, die andere mochten, tot sind oder im Koma liegen.

Die Glocken läuten am 9. Januar für die 156 Opfer der Brandkatastrophe Foto: Tom Pham Van Suu/imago

Wem gibt man die Schuld?

Natürlich wird jetzt diskutiert, wer die Verantwortung trägt. Wem man die Schuld geben kann an der kollektiv empfundenen Trauer. An der Bushaltestelle, die zwischen den Ortsteilen liegt, verstecken sich kurz vor der Feier zwei Männer vor dem garstigen Wetter und versuchen sich darin zu bestärken, dass jemand für den Brand geradestehen wird. Aber damit halten sie sich nur kurz auf. „Alles ist heute sehr schlecht“, sagt der eine, „vor allem für die jungen Leute.“ Der andere Mann pflichtet ihm bei, ja, die jungen Leute, man dürfe sich das kaum vorstellen.

Von der Bushaltestelle, an der sie sitzen, führt eine Straße runter ins Dorf. Die Läden und Restaurants sind verriegelt, auch jene der Luxusmarken, die hier Filialen haben. Selbst die Supermarktkette schließt an diesem Freitag für zwei Stunden mitten am Nachmittag, das entsprechende Infoschild klebt unter der grellen Tafel, die dafür wirbt, dass man hier eigentlich an 7 von 7 Tagen einkaufen kann. Auch einer der wenigen Läden, die geöffnet haben, bekundet Anteilnahme und hat auf einer Schiefertafel vor der Tür statt Produktwerbung folgende Weisheit platziert: „Si la vie est limitée, l’amour est infini“, auf Deutsch etwa: Während das Leben begrenzt ist, ist die Liebe unendlich.

Nur der Wintertourismus, von dem dieser Ort lebt, geht auf Sparflamme weiter. Der Übungslift summt für eine einzige Benutzerin. Eine Gruppe Kinder in Skianzügen rennt, Schneebälle werfend, in Richtung des Kongresszentrums. Ein Ball saust nah am Kopf eines älteren Mannes vorbei, der denselben Weg weinend geht. Der Mann und die Kinder scheinen sich gegenseitig nicht zu bemerken. Auf der anderen Seite des Kongresszentrums wird einer Frau im Miet-SUV freundlich klargemacht, dass die Straße gesperrt ist.

Auf dem Kirchplatz in der Dorfmitte finden sich die Menschen überpünktlich ein. Offensichtlich weiß niemand so genau, was die richtige Etikette für ein Trauerfeier-Public-Viewing sein könnte, aber zu spät kommen sollte man sicher nicht. Kaum jemand spricht, kaum jemand schlürft vom heißen Tee, den die Helferin Manon ausgibt, kaum jemand tippt auf seinem Telefon. Alle stehen nur da und starren schon während des Vorgeplänkels gebannt auf die Bildschirme. Ungefähr eine Stunde wird diese fast komplette Stille halten, dann wird es so kalt, dass erste Be­su­che­r:in­nen herumzuhampeln beginnen oder doch noch am Tee nippen.

Als die Feier vorbei ist und die letzten Gruppen aus Richtung des Kongresszentrums kommen, eilt ein Mann mit Blumenstrauß aus der anderen Richtung herbei. Er sei in Martigny gewesen, unten im Tal, um an der Trauerfeier teilzunehmen. Er hatte nicht mitbekommen, dass dort nur geladene Gäste willkommen waren. Er sei abgewiesen worden und habe sich stattdessen auf den Weg nach Crans-Montana gemacht. Für die Feier sei er ja zu spät, sagt er, es tue ihm schrecklich leid. Aber seine Blumen wolle er trotzdem noch niederlegen.

Die Stille hat eine Schwere

Das Verstörendste dieser Tage in Crans-Montana sind wohl die Halbwüchsigen, die in Grüppchen durchs Dorf ziehen. Teenagergruppen sind für gewöhnlich nicht für ihre Stille bekannt. Ihre Stille gibt der Ruhe im Ort eine Schwere. Die Jugendlichen stehen in kleinen Grüppchen im Kreis vor einem Meer an Kerzen und Blumen – manche sind schon dabei zu verdorren – die von einer weißen, etwa mannshohen Plastikkuppel vor dem Wetter geschützt werden.

Viele der Jugendlichen legen die mitgebrachten Blumen nicht gleich dort ab, sondern tragen sie den ganzen Tag mit sich herum. Manche geben vor einer der Kameras oder in ein Notizbuch Auskunft, viele schütteln müde den Kopf, wenn sie gefragt werden. Einer wirft genervt die Hände in die Luft, als er zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit von einer Person mit Mikrofon angesprochen wird, bleibt aber stumm.

Ist das hier wirklich noch von der Berichtspflicht, vom öffentlichen Interesse gedeckt?

Ich stehe daneben und schaffe es nicht, die Jugendlichen anzusprechen, obwohl das eigentlich auch mein Auftrag wäre, als Reporterin. Aber ich verstehe ihn, der die Hände in die Luft wirft: Ist das hier wirklich noch von der Berichtspflicht, vom öffentlichen Interesse gedeckt?

Ich beschließe, die Jugendlichen nicht in ihrer Trauer zu stören. Offenbar sehe ich so verloren aus, dass mich schließlich eine ältere, elegante Frau namens Heidi anspricht und sagt, sie glaube nicht, dass sich dieser dumpfe Schleier so bald wieder vom Dorf heben werde. Diese Stille sei ein seltsamer Kontrast zum Lärm der Rettungshelikopter, der sie und ihren Mann in der Neujahrsnacht aus dem Schlaf gerissen habe.

Der junge Mann im schwarzen Hoodie, der während der Feier so ruhig im Schneegestöber gestanden hat, kommt später auf dem Weg vom Kirchplatz an einer Gruppe Teenager-Frauen vorbei. Der Körper einer jungen Frau bebt unkontrolliert. Der junge Mann bleibt kurz vor ihnen stehen, und für einen Moment sieht es aus, als wolle er die Rosen gleich hier, vor diesen etwa Gleichaltrigen, niederlegen. Dann geht er weiter und verschwindet zwischen den Häuserzeilen von Crans-Montana.

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19 Kommentare

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  • Oh nein, nicht dies Unwortgebilde von „dröhnend“ in Kombination … in diesem Zusammenhang. Überlasst es Stark-Zimmermann.

    Ansonsten ist doch alles klar: jeder vernünftige Mensch hätte die ausbleibende Brandschutzkontrolle eingefordert oder eigens einen Fachmensch befragt.

  • Da hier nach den Verantwortlichen gefragt wird, stehen für mich die Eltern an erster Stelle! Wer erlaubt Kindern/Jugendlichen nachts in Bars zu gehen?



    Mit 14 ist man in D. nur bedingt strafmündig. Also noch nicht Jugendlich.

  • Schuld ist das eine, Konsequenzen daraus ziehen noch wichtiger.



    Wer immer nur "Schuldige" sucht, statt Lösungen für die Zukunft, hat das Problem nicht behoben. Schuld sidn die Barbetreiber, weil sie gegen die Brandschutzbestimmungen verstoßen haben. Schuld ist die Gemeinde, weil sie 6 Jahre lang keine Kontrollen gemacht hat.



    Nur wem hilft das in Zukunft, die "Schuldigen" zu haben und sie zu verurteilen. Es macht die Toten nicht mehr lebendig, die Schwerst-Verbrannten nicht mehr gesund. Klar, die Schuldigen muss man zur Rechenschaft ziehen.



    Aber viel wichtiger ist es die Lehren aus diesem Vorfall zu ziehen und z.B. für Bars, Discos und ähnlich gut besuchte Lokationen Brandmeldesysteme zur Pflicht machen, die Kontrolldichte auf jährlich definieren, und Lokationen schließen, wenn erkannte Mängel nicht umgehend behoben werden.



    Aber auch denen, die trotz sehenden Brandes noch getanzt haben oder gar Videos vom ausbrechenden Feuer gepostet haben, sollte man die Ohren langziehen - wie kann man sich so leichtsinnig verhalten. Hättet ihr mal besser laut auf die Gefahr hingewiesen.

    • @Hans Dampf:

      Die vorgeschriebe "Kontrolldichte" liegt ja schon bei jährlich.



      An der Umsetzung, da hapert es erheblich.



      Es müssten mehr Mitarbeitende bei der entspechenden Behörde eingestellt werden.

      Das Problem kennt man ja auch in De. Zu wenig Betriebsprüfungen, zu wenig Steuerfahnder usw.

      Wenn ein Betrieb nur alle 50-100 Jahre mit einer Prüfung rechnen muss (Steuerprüfung Deutschland), lohnt sich die Einhaltung von allen Vorschriften schon rein betriebswirtschaftlich nicht.

      Die Formel zum gewünschten Ergebnis lautet:



      Kosten für Einhaltung < erwartete Strafe.

  • Stichwort: Ausweiskontrolle. Wie sind denn die gesetzlichen Regelungen in der Schweiz?



    Mir ist erst zwei, drei Tage nach der Katastrophe bewusst geworden, dass der Brand ja erst in der Nacht ausgebrochen ist und 14-jährige (das hatte man vorher schon gelesen) dort eigentlich nichts zu suchen gehabt hätten.



    Auch die Eltern dieser Kinder werden sich nun ihr Leben lang fragen, was sie geritten hat, ihren Kindern so etwas zu erlauben ... mal ganz abgesehen von der Verantwortungslosigkeit der Betreiber.

    • @Plewka Jürgen:

      Die Ausweiskontrolle ist vorliegend nicht das Problem gewesen. Dann wären andere Menschen umgekommen, die dort gefeiert hätten. Den Eltern würde ich hier keine Vorwürfe machen. Ich war mit 15 (mit 14 bin ich mir nicht sicher) auch alleine unterwegs. Zwar in keinem Club (konnte ich mir nicht leisten), aber halt mit Freunden.

    • @Plewka Jürgen:

      Das ist in der Schweiz je Kanton geregelt. Im Wallis, wo der Ort liegt, sind Jugendliche bis 16 nach 22 Uhr nicht mehr alleine in Gaststätten und Tanzlokalen erlaubt. Ab 16 Jahre ist das frei. Bei Nachtklubs ist das anders, wobei ich nicht weiß, wozu dieser Club jetzt konkret zählte.

      Daneben sei noch aus meiner Erfahrung als Kassierer an der Tankstelle (darf die Person Bier kaufen oder nicht?) dargelegt, dass die Unterscheidung bei diesem Alter sehr schwierig sein kann. Nur der Perso hilft.

  • Schlimm, schlimm, schlimm - vor allem, wenn man bedenkt, dass sich gerade im März in Kocani in Nordmazedonien eine nahezu identische Brandkatastrophe ereignete - in einem Klub geriet bei einem Konzert die Akustik-Schaumdämmung durch Pyrotechnik in Brand - dort sogar 63 tote Jugendliche, s. Wikipedia-Artikel. 2023 kostete ein Brand in einem Klub in Murcia (Spanien) 13 Menschen das Leben. Schon 2015 war es in Bukarest zu einem solchen Brand bei einem Konzert in einem Klub gekommen, bei dem 63 Menschen ums Leben kamen - auch dort brannte die Dämmung an der Decke.

    Wann kapieren die Betreiber solcher Lokale, dass dieses Teufelszeug nichts in ihren Klubs verloren hat, sondern eine potenzielle Todesfalle darstellt ?! Und die Behörden, dass die Existenz einer solchen Dämmung nur die sofortige Schließung zur Folge haben kann ?!?

    • @StromerBodo:

      Hinzu kommt, dass so eine Akustikdämmung überhaupt nichts nutzt, jedenfalls nicht, was die tieffrequente Körperschallübertragung in andere Räume betrifft (Schallschutz war Teil meines Umwelttechnikstudiums).

    • @StromerBodo:

      Akustik-Schaumdämmung, Lärmschutz läßt grüßen. Mit unbrennbaren Beton oder ähnlichem, bekommen Sie den Lärm nicht eingesperrt.

  • Gab es im März 2025 nicht ein vergleichbares Unglück mit 62 Toten in Kočani (Nordmazedonien)? Kann mich nicht daran erinnern, dass darüber so intensiv berichtet wurde. Damit will ich nicht sagen, dass über die Brandkatastrophe in Crans-Montana zu viel berichtet wird. Die Diskrepanz ist nur auffällig.

    • @Forist Grump:

      Korrektur: Es waren 63 Todesopfer und 193 Verletzte.

  • Es wäre wahrscheinlich das beste, das an dieser Location nie mehr ein Geschäft öffnet und der Raum als Gedenkort und eine stille Kapelle dient.

  • Der beste Artikel zum Thema bisher.

    • @hedele:

      Ja, danke Frau Klaus für den Kommentar und Ihnen für die punktgenaue Einordnung.

    • @hedele:

      Ja, sehr eindrücklich.

  • Wie in Crans-Montana sind wahrscheinlich die Zustände in sehr vielen Skiorten in den Alpen aus. Die Wintersaison ist kurz und wir immer kürzer und damit auch die Zeit, in der die Hotel-, Bar- und Liftbetreiber Geld verdienen können. Im Sommer kommt schließlich niemand, weil die Hänge wie planierte Wüsten aussehen. Man muss den Leuten also etwas bieten - auf Teufel komm raus. Und was soll denn auch die ganze Brandschutzbürokratie? Bürokratieabbau heiß die Parole! Was soll man all die teuren Vorrichtungen vorhalten, wenn es ja sowieso nie brennt?



    Es wäre sicher sehr aufschlussreich, wenn man sich gerade jetzt einmal in den Skiorten umsehen würde. Man würde feststellen, dass überall plötzlich brennbare Einhängedecken und Dekorationen entfernt, Sprinkler eingebaut oder Kellerbars ganz geschlossen werden.

    • @NormalNull:

      Das Wallis ist halt auch ein bisschen ein Sonderfall. Exceptionalismus und zutiefst konservativ/rechts/korrput. Was nicht ins Weltbild passt wie zb Wolf, Bär oder Luchs wird gesetzenswidrig und die Ecke gebracht und unter den Teppich gekehrt. Und für die Wohlhabenden gelten anscheinend eher weniger Gesetze.

      Mann verbittert sich Einmischung von außen. Ist ein bisschen so wie der texanischen Kanton der Schweiz.

      naturschutz.ch/new...mit-woelfen/188258

      www.20min.ch/story...dacht-220717459047

    • @NormalNull:

      Auch das wird nicht verhindern, was es bei vielen Zeitgenossen bedeutet, zu "feiern" und "gut drauf" zu sein.