Aktivistin über Polizeigewalt in Riesa: „Die Hunde bissen mich in den Oberarm“
Beim Protest gegen den AfD-Parteitag in Riesa hatte die Polizei ihre Hunde nicht im Griff. Verletzte will, dass Polizei die Klinikrechnung bezahlt.
Das Video von den Protesten gegen den AfD-Parteitag in Riesa schlug in den sozialen Netzwerken so hohe Wellen, dass sich sogar ein prominenter Hundetrainer öffentlich zu Wort meldete. Martin Rütter, bekannt aus RTL-Sendungen und Werbespots für Weingummi, nannte den Umgang des Polizisten mit dem Polizeihund „kompletten Wahnsinn“. Auf dem betreffenden Video sieht man, wie ein Polizist seinen Hund mehrfach an eine Anti-AfD-Demonstrantin herandrängt, damit dieser sie beiße. Die Person wird gegen eine Leitplanke gedrängt, der Hund beißt nicht zu.
Für die Betroffene ist der Vorfall überhaupt nicht witzig. Die Aktivistin Salome Krug, die in dem Video zu sehen ist, war laut eigener Schilderung kurz zuvor auf der Straße entlang gelaufen und hatte Videoaufnahmen gemacht. Sie habe sich dabei zwischen Polizeiketten mit Pferde und Hundestaffeln bewegt, ohne dass es Probleme gegeben habe, sagt Krug der taz. „Als ich damit fertig war, wollte ich zum Bahnhof gehen, um nach Hause zu fahren“, sagt Krug. Da habe die Polizei sie plötzlich nicht mehr durchgelassen und gesagt, sie müsse andersrum gehen – laut Krug wäre das ein Umweg von 15 Kilometern gewesen.
In der Folge sei es zu einem Wortgefecht zwischen ihr und zwei hundeführenden Polizist*innen gekommen. „Die Polizisten gingen nah an mich ran, die Hunde sprangen mich an und bissen mich in den Oberarm“, schildert Krug die Situation. Sie sei geschockt gewesen und zurückgewichen. Wenige Sekunden später habe ein anderer Polizist seinen Hund gegen sie gehetzt – das ist die Szene, die man auf dem Video sieht.
Aktivistin will, dass Polizei Krankenhausrechnung bezahlt
Nachdem der erste Schock abgeklungen sei, habe Krug unter ihren zahlreichen Pullovern und Jacken den Schmerz gespürt. Sie sei ins Krankenhaus gefahren, um die Verletzung desinfizieren und untersuchen zu lassen. Die Ärzt*innen hätten eine schwere Quetschung festgestellt und die Wunde versorgt, die einige Tage gebraucht habe, bis sie verheilt gewesen sei. Krug hat nun Anzeige gegen die Polizisten erstatten und Strafantrag gestellt.
Infolge der weiten Verbreitung des Videos waren bei der Polizei Sachsen bereits mehrere Anzeigen eingegangen. Die Vorwürfe lauten Körperverletzung im Amt, versuchte Körperverletzung und Verstoß gegen den Tierschutz. Die Polizei Sachsen hat unterdessen Ermittlungen eingeleitet.
Krug will die Krankenhausrechnung bei der Polizei einreichen, sobald sie diese erhalte. Zwar würde auch die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung übernehmen. „Aber wieso sollte die Allgemeinheit dafür aufkommen, dass Polizist*innen ihre Aggressionen nicht unter Kontrolle haben?“, fragt Krug.
Die Aktivistin betont zudem, dass sie im Vergleich zu anderen Demonstrant*innen in Riesa noch glimpflich davongekommen sei. Die Polizei hatte neben Hunden auch Knüppel und Pfefferspray teilweise brutal und unverhältnismäßig eingesetzt und Demonstrant*innen verletzt.
Salome Krug möchte, dass das ein Nachspiel für die Beamt*innen hat. Falls die Polizei die Krankenhausrechnung nicht von sich aus bezahlt und damit die Rechtswidrigkeit des Einsatzes anerkennt, will Krug die Kosten einklagen.
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