Zukunft des Bahnhofs Hamburg-Altona: Mit oder ohne Klotz zu eng
Die Stadt präsentiert zwei Pläne für das Bahnhofsareal. Die Initiative „Prellbock Altona“ fordert stattdessen eine schnelle Lösung für den Busbahnhof.
Foto: Sebastian Widmann/dpa
In Hamburg sorgt der geplante Umzug des Bahnhofs Altona weiter für Diskussionen. Der Senat hat kürzlich die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs vorgestellt, wie das Gelände des alten Kopfbahnhofs künftig gestaltet werden soll. Nach der offiziellen Planung soll Ende 2029 gut zwei Kilometer entfernt am Diebsteich ein neuer Fernbahnhof eröffnen.
Der Verein Prellbock Altona zweifelt am Zeitplan und bezeichnet das Vorhaben als „Ablenkungsmanöver“. Stattdessen fordert er eine kurzfristige Modernisierung des Busbahnhofs Altona.
Beim Ideenwettbewerb wurden zwei unterschiedliche Entwürfe ausgewählt. Der Siegerentwurf des Teams „CF Möller und Vogt Landschaft“ sieht vor, das markante klotzförmige Bahnhofsgebäude von 1979 abzureißen, um Platz für eine Grünfläche zu schaffen.
Der zweitplatzierte Entwurf von „Noto und Studio Erde“ schlägt hingegen vor, das Gebäude zu erhalten und in ein „Stadthaus“ umzubauen. Auch dieser Entwurf plant anstelle der heutigen Gleise eine Parkanlage, jedoch sollen Schienenreste erhalten bleiben, um laut Senat „Elemente der früheren Nutzung sichtbar“ zu machen.
„Altona wird ein attraktives neues Zentrum bekommen“, verspricht Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Die ersten Ideen würden nun weiter vertieft. Dabei gibt es eine neue Vorgabe: Auf Dressels Vorschlag hin müssen beide Konzepte um mindestens 400 Wohneinheiten direkt im Zentrum ergänzt werden. Das bedeutet, dass die geplante Baumasse deutlich zunimmt. An der Planung sind neben Dressels Finanzbehörde auch die Behörden für Umwelt, Verkehr und Stadtentwickung sowie der Bezirk Altona beteiligt.
Oberbaudirektor Franz-Josef Höing lobte, beide Entwürfe verspächen „gut proportionierte Stadt- und Grünräume“. Auf den heutigen Gleisflächen entstehe eine „vielseitig nutzbare Parklandschaft mit sehr attraktiven Wegeverbindungen“. Man wolle sich nun Zeit lassen, um die Ideen weiter zu schärfen, bevor eine endgültige Entscheidung für eines der Konzepte fällt. Begleitet wurde der Wettbewerb von einer Ausstellung sowie von ausgelosten Bürgern, die den Prozess mitverfolgen konnten.
Kritik kommt von Prellbock Altona, das die Bürgerbeteiligung als unzureichend empfindet. Die Initiative, die seit einem Jahrzehnt für den Erhalt des Bahnhofs eintritt, präsentiert eine eigene Gegenstudie. Denn unabhängig vom gewählten Entwurf stehe die Stadt vor der Aufgabe, den benachbarten Busbahnhof auszubauen, um die Mobilitätswende voranzutreiben. Er liegt verkehrsgünstig direkt am S-Bahnhof Altona, der in jedem Fall erhalten bleibt.
Nur ein schmaler Steig für viele Busse
Die Studie stammt von den Verkehrsexperten Jens Ode und Dieter Doege, die sich auch für eine Straßenbahn in Hamburg engagieren. Im Rahmen einer Analyse der Hamburger Fahrgastzahlen stellten sie fest: Mit täglich 47.800 Ein- und Ausstiegen ist der Busbahnhof Altona der am zweitstärksten genutzte der Stadt. Er wird von 17 Buslinien angefahren. Dafür steht jedoch nur ein schmaler Doppelsteig mit sehr begrenzten Kapazitäten zur Verfügung.
Ode und Doege schlagen vor, den Taxistand vor dem Bahnhofseingang auf die Ostseite des Bahnhofs zu verlegen. Auf der frei werdenden Fläche könnten zwei zusätzliche Bussteige sowie klar markierte Fuß- und Radwege entstehen. Fahrgäste erhielten einen ebenerdigen Zugang zu den Bussen. Bisher müssen sie Treppen nutzen.
Bei den beiden Siegerentwürfen des Ideenwettbewerbs sei das Bus-Problem nicht gut gelöst, kritisieren Ode und Doege. Der Gewinner würde den Busbahnhof in den Norden verlagern. Dort sei kaum Platz zum Wenden, Fahrgäste müssten weite Fußwege in Kauf nehmen. Der zweite Entwurf würde den Busbahnhof nach Süden erweitern, bringe aber nicht genug Fläche, vor allem für parkende Busse fehle eine gute Lösung.
CDU will den Klotz abreißen
Für Prellbock-Sprecher Michael Jung ist der Vorteil von Odes und Doeges Plan, dass der Vorschlag mit geringem Kostenaufwand umsetzbar sei und die Realisierung noch in diesem Jahr beginnen könne. Mit der Neubebauung des gesamten Bahnhofsareals sei hingegen nicht vor 2032 zu rechnen.
Die Initiative ist „relativ guter Dinge“, den Umzug des Bahnhofs an den Diebsteich noch verhindern zu können. Die Deutsche Bahn müsse sich „mal sortieren, was sie mit ihren Geld macht“. Ein Investor, der am Diebsteich Bürotürme bauen wollte, habe „mehr oder weniger die Segel gestrichen“. Am Diebsteich hätten abgesehen von der neuen S-Bahnhaltestelle noch keine Baumaßnahmen begonnen.
Der Altonaer CDU-Fraktionsführer Sven Hielscher hingegen ist zuversichtlich, dass der Bahnhof umzieht. Das sei eine „historische Chance für den Bezirk“. Er warnt jedoch vor halbherzigen Kompromissen. „Das Kopfgebäude muss weichen“, schreibt er. Wer bessere Wegebeziehungen und eine höhere Aufenthaltsqualität wolle, müsse das Gebäude komplett abreißen. „Ein grauer Klotz bleibt ein grauer Klotz, auch wenn man ihn ein wenig überplant“, so Hielscher.
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