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Studie zu PestizidenGift in der Kaffeetasse

Wer konventionellen Kaffee kauft, muss mit Pestizidrückständen rechnen, die in der EU verboten sind. Die schlimmsten Folgen erleiden die Bäuer*innen.

Insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe werden in der Kaffeeproduktion eingesetzt, über die Hälfte davon sind in der Europäischen Union verboten. Das ist das Ergebnis eines am Donnerstag veröffentlichten Berichts der Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen Coffee Watch, Deutscher Umwelthilfe, Inkota und dem Pesticide Action Network (PAN) UK.

Diese Pestizide stehen im Zusammenhang mit Krebs und hormonellen Störungen, können zu Fehlgeburten oder Unfruchtbarkeit beitragen, das Nervensystem schädigen oder zu Parkinson führen.

Die Autorin des Berichts, Silke Bollmohr von Inkota, kritisiert eine Doppelmoral: „Pestizide, die in der EU als zu gefährlich eingestuft sind, werden in Kaffeeanbauländer exportiert und dort unter deutlich schwächeren Schutzstandards eingesetzt.“

Das wahre Ausmaß von Berufskrankheiten bleibt systematisch im Dunkeln

Pestizid-Bericht

Für den Bericht haben die Au­to­r*in­nen wissenschaftliche Literatur, öffentliche Daten und Feldforschung aus den wichtigsten Anbaugebieten zusammengetragen. Die Datenlage über die Rückstände von Pestiziden im Kaffee, der in europäischen Supermärkten landet, ist dünn. Der Bericht zitiert eine Analyse von EU-Behörden im Jahr 2022, wonach 23 Prozent von 44 getesteten Proben in der EU verbotene Pestizide enthielten.

Fehlender Schutz für Farm­ar­bei­te­r*in­nen

Europa ist weltweit der größte Kaffeeimporteur, allein Deutschland liegt auf Platz vier. Angebaut wird der Kaffee in Brasilien, Kenia oder Kolumbien. Für die Farm­ar­bei­te­r*in­nen dort sind die direkten Auswirkungen der chemischen Mittel weitaus schlimmer als für die Konsument*innen. Häufig fehlt es an Schutzkleidung und -maßnahmen. Auch bei der Überwachung der Gesundheit der Ar­bei­te­r*in­nen versage die Branche, heißt es im Bericht. „Das wahre Ausmaß von Berufskrankheiten bleibt systematisch im Dunkeln“.

Die Pestizide sind darüber hinaus umweltschädlich, sie verschmutzen Gewässer, schädigen Böden und Ökosysteme. Die Organisationen fordern die Bundesregierung und die EU auf, den Export von Pestiziden zu beenden, die in Europa verbotenen sind. Ebenso müssten Unternehmen stärker in die Pflicht genommen werden, für eine ökologisch verträgliche und menschenrechtskonforme Kaffeeproduktion zu sorgen und diese mitzufinanzieren.

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2 Kommentare

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  • Die Forderung nach Exportverboten ist ein verzweifeltes Klammern an eine alte Weltordnung. Das führt nur dazu dass die Produktion der Pestizide nach China oder andere Länder verlagert wird.



    Das wirksamste Mittel ist die Macht des Absatzmarktes EU zu nutzen.



    Prüfung auf Pestizidrückstände beim Import, samt Veröffentlichung der Ergebnisse, Strafen für den Importeur oder Importverbote für den Importeur bis er strukturelle Änderungen beim Anbau nachweisen kann.

  • Vielen Dank für das Verlinken des Original-PAN-Artikels! Da ich viel Kaffee trinke, gerne auch aus Brasilien, habe ich umgehend mit der Lektüre begonnen und auf S. 37 die für mich relevanten Daten gefunden, PAN hat 0,2 mg Glyphosat pro kg Kaffeebohnen detektiert, doppelt so viel wie in der EU erlaubt. Setzt man 7 g Kaffeepulver pro 125 mL Tasse Kaffee an, dann erhält man aus 1 kg Kaffeebohnen etwa 140 Tassen Kaffee. Der in DE gängige ADI Wert für einen Durchschnittserwachsenen wird mit 0,3 mg Glyphosat pro kg Körpergewicht und Tag angegeben. Mit meinen 80 kg Körpergewicht sind daher 16.800 Tassen glyphosat-belasteter brasilianischer Kaffee pro Tag zulässig, bevor es bedenklich wird.