Folgen der Klimakrise: Feuerpause im Regenwald
Die Waldbrände im Amazonasgebiet Brasiliens sind 2025 signifikant zurückgegangen. Doch für eine Entwarnung besteht kein Grund.
Foto: Marcelo Camargo/Agencia Brazil/picture alliance
Im vergangenen Jahr hat es im Amazonas-Regenwald so wenig gebrannt wie seit vier Jahrzehnten nicht. Ein „historischer Moment“, jubeln die brasilianischen Medien. Laut Daten des aktuellen Feuerberichts des Netzwerks MapBiomas, eines Zusammenschlusses von Universitäten, NGOs und Tech-Firmen, ist 2025 dort nur ein Fünftel der Fläche des Vorjahres verbrannt, etwa so groß wie Brandenburg.
Für die meisten Brände sind direkt oder indirekt Menschen verantwortlich. Etwa indem sie schwer brennbaren Regenwald in leicht entflammbare Rinderweiden und Sojafelder verwandeln und diese zur Verbesserung der Fruchtbarkeit regelmäßig abfackeln, indem sie unkontrolliert Müll verbrennen oder Feuersbrünste zur billigen Rodung einsetzen.
Für den Rückgang gibt es mehrere Gründe: Nach dem Feuerjahr 2024, in dem verstörende Bilder von verkohlten und verstümmelten Tieren um die Welt gingen, mögen Landwirte 2025 die Flammen zögerlicher eingesetzt haben. Vor allem ist die Feuerpause im vergangenen Jahr aber der Tatsache zu verdanken, dass es nach zwei Jahren extremer Trockenheit wieder beinahe normal geregnet hatte.
Außerdem ist das Brandschutzgesetz 14.944/2024 in Kraft getreten, welches eine Zusammenarbeit vom Land, den Bundesstaaten, Gemeinden, der Zivilgesellschaft und Privatinitiativen zur Verhinderung der Brände einfordert. Brasilien hatte zudem 2025 mehr als 4.000 Feuerwehrleute zur Prävention und für Löscheinsätze eingestellt, mehr als je zuvor. Private Brigaden wurden geschult und unterstützt. Brasilien scheint aus der Jahrhundertbrandkatastrophe gelernt zu haben.
Im Detail betrachtet, zeigen die Zahlen des Berichts einen drastischen Rückgang vor allem im Amazonasgebiet. Dort ist gleichzeitig die Entwaldung gesunken. Im Cerrado, der weltgrößten Savanne in Zentralbrasilien, brannten zwar ebenfalls 20 Prozent weniger Flächen, aber dort gingen überwiegend Naturräume in Flammen auf, während im Amazonasgebiet oft wirtschaftliche Nutzfläche und Weideland betroffen waren.
Vera Luisa Arruda von MapBiomas warnt: Die häufigen und ausgedehnten Brände im Cerrado drohen die Regenerationsfähigkeit der Vegetation zu übersteigen. „Das Risiko, Biodiversität zu verlieren und das Ökosystem zu gefährden, wächst“, sagt die Forscherin. In der Savanne lebt ein Drittel der brasilianischen und fünf Prozent der weltweiten Fauna, es wachsen mehr als 10.000 Pflanzenarten. Im Cerrado liegen außerdem acht der zwölf hydrografischen Regionen, die 40 Prozent der Brasilianer mit Wasser versorgen.
Brasiliens Beitrag zur Erderwärmung steht zu 70 Prozent im Zusammenhang mit Waldbränden. Eine in der Wissenschaftszeitschrift Global Change Biology veröffentlichte Studie zeigt, dass das Klima im Cerrado durch die in Weide- und Ackerland verwandelten Flächen zwischen 1985 und 2000 bereits um ein Prozent heißer und zehn Prozent trockener geworden ist. Seit 1985 sind dort Flächen in der Größe der Türkei verbrannt.
Je öfter es brennt, desto leichteres Spiel hat das Feuer: Brandherde brechen in den meisten Fällen dort aus, wo es maximal vier Jahre zuvor gebrannt hat und die Vegetation geschwächt ist. Ein Viertel der Gesamtfläche Brasiliens ist bis heute mindestens einmal abgebrannt. Durch die kurzen Intervalle dazwischen entsteht ein Wettlauf zwischen der Zerstörung durch das Feuer und den Regenerationskräften der Vegetation.
Die Dornenbuschsavanne Caatinga im Nordosten Brasiliens ist das einzige Ökosystem, das 2025 trotz bisher ausreichender Regenfälle mehr Brände erlitten hat als in den Vorjahren, eine Zunahme von 44 Prozent. Großbrände stehen dort üblicherweise im Zusammenhang mit dem Vormarsch des Agrobusiness, vor allem der Sojaproduktion. In den vergangenen Jahren macht sich auch die Klimakrise mit verspätet und zu schwach einsetzenden Regenzeitperioden bemerkbar.
Am Donnerstag vermeldete das Institut für Weltraumforschung Inpe für das erste Halbjahr 2026 weiter sinkende Brandzahlen. Das klingt hoffnungsfroh, ist aber kein Grund für Entwarnung. Die meisten Feuer brechen zwischen August und Oktober aus und im zweiten Halbjahr 2026 wird zusätzlich El Nino für weniger Regen und höhere Temperaturen sorgen. Das größte Brandrisiko steht also noch aus. Vera Arruda denkt noch einen Schritt weiter in die Zukunft. „Im Jahr nach El Nino sind die Brände meist besonders verheerend“, sagt die Wissenschaftlerin.
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