Wichtigster deutscher Forschungspreis: Knochenarbeit, die Geschichte schreibt
Der Leibniz-Preis wird auch als „deutscher Nobelpreis“ bezeichnet. Am Mittwochabend wurden die Gewinner bekannt gegeben.
Forschung ist Knochenarbeit. Für den Biochemiker Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist das keine Metapher, sondern Realität. Aus den Knochen von Pestopfern des Mittelalters identifizierte er das Bakterium „Yersinia pestis“ als Erreger des Schwarzen Todes und begründete so das neue Forschungsfeld der Archäogenetik, das mittels DNA-Analyse auch andere historische Pandemien untersucht.
Für seine Leistungen wurde Krause am Mittwochabend als einer von zehn Wissenschaftlern in Berlin mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem höchstdotierten Wissenschaftspreis in Deutschland, ausgezeichnet. „Johannes Krauses Arbeiten geben uns Einblicke, wie Infektionskrankheiten die Geschichte der Menschheit begleitet haben“, erklärte DFG-Präsidentin Katja Becker in ihrer Würdigung.
Den jeweils mit 2,5 Millionen Euro dotierten „Förderpreis im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm“, der auch als „deutscher Nobelpreis“ bezeichnet wird, vergibt die DFG an herausragende Forscher, die frühzeitig exzellente grundlegende Leistungen auf ihren Arbeitsgebieten erbracht haben. Die Preisträger waren zuvor von einem Auswahlausschuss aus 144 Vorschlägen ausgewählt worden. Sie können das Preisgeld bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden.
Die Auswahl der in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichneten Wissenschaftler bot einen Querschnitt durch alle Forschungsdisziplinen. Die Philosophin Barbara Vetter von der FU Berlin untersucht, wie der Mensch Unmögliches denken kann. Der Maschinenbauprofessor Christian Hasse von der TU Darmstadt entwickelt neuartige Verbrennungsprozesse zur klimaneutralen Energiegewinnung mittels „reaktiver thermofluidischer Prozesse“ im Wärme- und Stofftransport.
Der Berliner Physiker und Informatiker Klaus-Robert Müller von der Technischen Universität Berlin erhielt die Auszeichnung für seine „herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens“, wie es hieß. Müller habe in seiner Forschung in außergewöhnlicher Weise formales mathematisches Denken mit einem stark anwendungsorientierten Vorgehen verbunden, so die Begründung.
Drei der Preisträger kommen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, zwei aus den Lebens- und drei aus den Naturwissenschaften sowie zwei aus den Ingenieurfächern. Ostdeutsche Standorte waren mit je zwei Preisträgern aus Thüringen und Berlin überdurchschnittlich vertreten, was nicht immer vorkommt. Auch Baden-Württemberg brachte zwei Heidelberger Forscher siegreich ins Ziel. Mit jeweils einem Forscher können Hamburg, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen punkten.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert