Datenauswertung der DFG: Physiker forschen am fleißigsten
Niemand sonst hängte die anderen Forschungsfächer so stark ab wie die Erforscher von Atomen und Sternenhaufen.
Wer sind die wirklich Besten der Besten in der deutschen Forschung? Das wollte der größte Förderer im Hochschulbereich, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), einmal genauer wissen und gab die 70 Sieger des letzten Exzellenzcluster-Wettbewerbs in eine feinmaschige Datenauswertung. Die daraus erstmals entstandene „Data Story“ hatte zum Ergebnis: Es sind die Physiker! Niemand sonst hängte die anderen Forschungsfächer so stark ab wie die Erforscher von Atomen und Sternenhaufen.
Insgesamt vergibt die DFG pro Jahr rund vier Milliarden Euro in knapp 32.000 Forschungsprojekte in 200 wissenschaftlichen Disziplinen. Die Elite daraus traf sich im Mai zur Kür der sogenannten Exzellenzcluster, die international herausragende Forschungs-Verbünde darstellen. Auf diesen Clustern fußen auch die zwölf deutschen „Exzellenz-Unis“, die kommendes Jahr im nächsten Durchgang bestimmt werden.
In ihrer vergleichenden Datenauswertung fand die DFG nun heraus, dass bei der Normal-Förderung die Medizin mit 24,5 Prozent die meisten Projekte an Land zog, vor der Biologie mit 10,7 und den Geisteswissenschaften mit 10 Prozent. Hier kam die Physik nur auf einen Anteil von 7,7 Prozent. Überraschend dann der Befund bei den Exzellenzclustern. Hier lag die Medizin mit 18,6 Prozent zwar immer noch knapp vorn, aber mit deutlicher Anteils-Einbuße. Die Physik brachte dagegen mit 17,1 Prozent die größte Leistungssteigerung. Weitere leichte „Über-Performer“ im Vergleich zum DFG-Normalverfahren waren die Cluster der Biologie und der Informatik.
„Unsere umfangreichen statistischen Auswertungen der Fächerbeteiligung an Exzellenzclustern sind für das Wissenschaftssystem von großem Interesse“, sagte DFG-Präsidentin Katja Becker zur Vorstellung der Ergebnisse in dieser Woche. So zeige eine Karte mit den Netzwerkverbindungen der Fächer, „wie interdisziplinär in den Clustern gearbeitet wird und welche Fächer besonders viele Verbindungen aufweisen“. Hier hat sich das Fach Künstliche Intelligenz inzwischen zu einem zentralen Knotenpunkt entwickelt, mit Verbindungen zu allen anderen Fächern.
Aber haben kleine Fachdisziplinen, sogenannte „Orchideen-Fächer“ überhaupt eine Chance, in höhere Exzellenz-Ränge aufzusteigen? Große Fächer verfügen nach der DFG-Analyse in der Regel über etablierte Strukturen, die für die Organisation eines umfassenderen Verbunds von Vorteil sind. „Tatsächlich sind Fächer mit sehr wenigen Instituten etwas seltener an den 70 Exzellenzclustern der zweiten Wettbewerbsrunde beteiligt als solche mit sehr vielen Instituten“, lautet ein weiteres Ergebnis der „Data Story“. Die Unterschiede seien jedoch gering, „und für einen Ausschluss kleiner Fächer findet sich in der aktuellen Analyse keine Evidenz“.
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