Werbung der Bundeswehr zur EM: Der Krieg als Spiel
Die Bundeswehr wirbt während der EM in Werbespots um junge Frauen. Die kriegerische Stimmung im Land hat das Turnier erreicht.
Krieg ist also auch nichts anderes als Fußball. Ein Spiel, bei dem alle mitmachen dürfen, die wollen. Kann schon sein, dass es gefährlich wird im Krieg, aber das wird es auf dem Rasen ja auch mal, wenn eine Spielerin zur Grätsche ansetzt. „Unsere Technik ist einwandfrei, unser Zusammenhalt echt besonders und auch unsere Verteidigung wird immer besser“, sagt Nationalspielerin Cora Zicai in einem Werbespot, der bis zum Ende der Fußball-EM junge Frauen für den Dienst bei der Bundeswehr begeistern soll.
„Aber irgendetwas fehlt“, fragt sich Zicai in dem Spot. Die Antwort gibt eine Soldatin, die an der Kabinentür lehnt: „Cora, ist doch klar, unser Kader ist zu klein.“ Die Probleme der Bundeswehr, genug Soldaten für die angestrebte Kriegstüchtigkeit zu finden, sind bekannt. „Komm in die Mannschaft!“, ist dann in dem Spot zu lesen. Elf Uniformierte posieren in einem gut gefüllten Stadion auf dem Rasen. Harte Kost, die da serviert wird. Dem Clip wird kaum entgehen können, wer die Übertragung eines EM-Spiels von der EM im Fernsehen anschaut.
Beinahe hat man sich schon gewöhnt an die Berichte in TV-Magazinen, in denen kleine Kinder zu sehen sind, wie sie am Tag der offenen Tür in der Kaserne mit lachenden Gesichtern auf Panzer klettern, an die Straßenbahnen im Flecktarnanstrich, die durch deutsche Städte fahren, sie gehören eh längst zum Alltag genauso wie die vielen uniformierten Zugreisenden, die auch nichts daran ändern können, wenn die Bahn mal wieder nicht pünktlich ist. Nun hat die Militarisierung des Alltags auch den Fußball der Frauen erreicht.
Abenteuerspielplatz Bundeswehr
Werbespots der Bundeswehr wurden schon des Öfteren kritisiert, weil sie das kriegerische Tun, für das Soldaten ja ausgebildet werden, so darstellen, als sei ein Krieg nichts anderes als ein großer Abenteuerspielplatz. Der Spot mit Nationalspielerin und Sportsoldatin Zicai, deren Karriere beim SC Freiburg von der Bundeswehr gefördert wurde, reiht sich da nahtlos ein. Krieg als Fortsetzung des Fußballs mit anderen Mittel?
Es ist eine schwer verdauliche Werbeeinblendung, die die Fußballfans bis zum Turnierende noch massenhaft über sich ergehen lassen müssen. Man mag ja die Aufrüstung in Zeiten wachsender Bedrohung aus Russland für richtig halten, aber deswegen muss man die Bundeswehr nicht als harmlose Sportspielgruppe darstellen.
Auch auf Social Media wird man der Militärwerbung in den nächsten Wochen kaum entgehen können. Von da aus geht es dann zu einer Landing Page der Bundeswehr, in der Frauen über ihre positiven Erfahrungen in Uniform sprechen. Ganz harmlos kommt die Bundeswehr da her. Keine einzige Waffe ist da zu sehen. Wer mag, kann gleich in den Live-Chat gehen, um seine Laufbahn in der Mannschaft zu planen.
Mannschaft – auch so ein scheinbar harmloses Wortspiel mit Fußballbezug. In der Diktion der Bundeswehr werden mit Mannschaften die niedrigsten Dienstgrade bezeichnet. Viel ist es nicht, was die Bundeswehr da zu bieten hat. Halb so schlimm: Es ist doch alles nur ein Spiel.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert