piwik no script img

Weltkatzentag Hunde sind die besseren Katzen

Sean-Elias Ansa

Kommentar von

Sean-Elias Ansa

Anlässlich des Weltkatzentags am 8. August werfen wir einen Blick auf die beliebtesten Haustiere Deutschlands. Nicht alles ist so niedlich, wie es scheint.

Diese kleinen, haarigen Wesen. Sie sehen süß aus – meistens. Aber der Schein trügt. Katzen sind unberechenbarer Wildwuchs. Sie kratzen, beißen, fauchen. An diesem Samstag ist Weltkatzentag. Wer ihn eingeführt hat, weiß niemand. Es gibt ihn seit 2002 und er findet am 8. August statt.

Laut einer repräsentativen Befragung leben in Deutschland rund 16 Millionen Katzen; etwa 24 Prozent der Haushalte halten eine. Ein Marktforschungsinstitut erhob die Zahlen 2025. Demnach ist die Katze das beliebteste Haustier. Im Vergleich dazu gibt es „nur“ 10 Millionen Hunde. Als Hundeliebhaber gehöre ich also einer Minderheit an.

taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Ich habe Katzen auch schon friedlich erlebt, sogar liebenswert. Doch ich weiß nie, was mich erwartet. Katzen sind Meister der Täuschung. Neulich bei einem Freund in der Küche: Ich streichle, sie fährt die Krallen aus. Zerkratzt mich. Habe ich vielleicht an der falschen Stelle gekrault oder ihr nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt? Eine Antwort darauf gibt sie mir nicht.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Katzen verlieren Haare und verteilen sie überall in der Wohnung – außer sie haben keine, aber das will man ja auch nicht sehen. Sie sind nicht erziehbar. Sie laufen über den Esstisch und lassen sich nur vertreiben, nie belehren.

Katzenfreunde argumentieren, dass Katzen ihren eigenen Charakter haben und eigensinnig sind. Genau das mache sie liebenswert und besonders. Sie zeigen Liebe auf ihre eigene Art. Wenn Katzenbesitzer von der Arbeit nach Hause kommen, kann es passieren, dass Herr Kater oder Frau Katze sie erst einmal ignoriert – als Strafe für die Abwesenheit. Ich finde es schöner, wenn sich mein Haustier freut, wenn ich zurückkomme. So wie ein Hund.

Hierzulande gibt es immer mehr Straßenkatzen

Zum Weltkatzentag gehören auch Schattenseiten. Laut Deutschem Tierschutzbund leben etwa 2 Millionen Straßenkatzen in Deutschland. Sie seien oft krank und hätten eine sehr kurze Überlebenszeit. Und sie vermehren sich wie die Katzen: Aus einer einzigen Katze könnten in zehn Jahren bis zu 200 Millionen Nachkommen entstehen, heißt es. Der Tierschutzbund nimmt die Katzenbesitzer in die Pflicht: Freigänger müssen kastriert werden. Von der Politik fordert er eine bundesweite Kastrationspflicht. Allerdings können Kommunen bereits eigene Verordnungen erlassen. Das haben 3.300 bereits getan – etwa ein Viertel aller Kommunen in Deutschland. Die Zahl von Straßenkatzen steige dennoch. Tierheime seien vielerorts ausgelastet. Fazit der Tierschützer: Ohne die Fürsorge von Menschen ist ein Katzenleben oft qualvoll und sehr kurz.

Was für den Katzentag bleibt: Die Fellnasen sind kratzig, eigensinnig und schwer erziehbar. Sie tun so, als bräuchten sie uns nicht. Aber: Sie schenken vielen Menschen auch Nähe, helfen gegen Einsamkeit und beruhigen im Alltag. Ihr Schnurren wirkt auf uns stressmindernd.

Zugegeben: Katzenvideos sind unschlagbar. Dennoch: Hunde sind die besseren Katzen. Sie sind schlicht loyaler.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Sean-Elias Ansa

Sean-Elias Ansa CvD/ freier Redakteur

Gefördert durch die taz Panter Stiftung, wurde Sean-Elias Ansa in der taz ausgebildet. Sein Themenschwerpunkt ist Armut. Er recherchiert ausdauernd, hat seine Liebe für Datenanalysen entdeckt und beschäftigt sich mit neuen Ideen für den besten Leseservice. Aktuell arbeitet er am Nachrichtentisch bei taz.de als Chef vom Dienst. In dieser Funktion setzt er die Themen auf der Webseite und verantwortet die Ausspielung der Texte mit.
Mehr zum Thema

12 Kommentare

 / 
  • Martin Rees

    Ein unterhaltsames Thema.



    Zu den kontroversen Rollen von (Film-)Katzen, nicht nur Blofeld:



    www.tierwelt.ch/ar...n-filmkatze-420066

  • Axel Schäfer

    Es gibt Tiere die in ihrem Revier patroulieren, die wissen wohin sie gehören und wo sie hinkacken ohne das ihnen jemand das zeigen muss und es gibt Tiere, die schon in jungen Jahren desorientiert sind, das ihre Besitzer in familienstärke ausrücken müssen um sie zu suchen und mühselig einzufangen. Die wühlen auch im Dreck rum und suhlen sich, so dass man sie unter Mühen reinigen muss um sie wieder in menschliche Nähe lassen zu können und dann kläffen sie auch noch wenn ihnen langweilig und die aggressiven können Mensch und Tier anfallen und schwer verletzen.



    Also meine Präferenzen sind da eindeutig.

  • Lowandorder

    🤖 ein Fan - Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk beschreibt die streunenden Katzen Istanbuls in seinem autobiografischen Werk Istanbul – Erinnerung an eine Stadt als einen untrennbaren, lebendigen Teil des urbanen Alltags und der allgegenwärtigen Melancholie (hüzün) der Metropole. Die Tiere gehören für ihn zur Seele und zum verarmten, traditionsreichen Stadtbild der früheren Jahrzehnte.Die Rolle der Katzen bei PamukTeil des Stadtbilds: In seinen Texten und fotografischen Arbeiten (wie dem Band Balkon) tauchen die Katzen ganz selbstverständlich auf. Sie streifen durch die engen Gassen, sitzen vor den Häusern und prägen das Leben auf der Straße.Verbindung zur Melancholie: Die Präsenz der Tiere teilt das schicksalhafte Gefühl der Stadt – eine Mischung aus Stolz auf das verfallene osmanische Erbe und stiller Resignation.Beobachter der Menschheit: In Pamuks Kosmos sind die Katzen stumme, stolze Zeugen des menschlichen Treibens und des Wandels einer jahrtausendealten Stadt am Bosporus.“



    www.sueddeutsche.d...l-gefuehl-1.894778 🐈‍⬛ 🐈

  • Martin Rees

    "Sie sind schlicht loyaler"...die Hunde, aber das ist nicht ganz ungefährlich, da sie gegenüber Katzen häufig den Kürzeren ziehen.



    Manche Katzen nutzen die Berechenbarkeit der Hunde aus, speziell der an der Leine geführten. Provozierendes Verhalten ist dann durchaus möglich.

    • Lowandorder

      @Martin Rees:

      Shure “…Manche Katzen nutzen die Berechenbarkeit der Hunde aus…“ Wollnich

      Das Edelviech meiner Mutter war da ganz vorne!



      Brachte den Hund dazu - ihr die Speisekammertür zu öffnen. Damit sie klauen konnte. Was er nicht tat. Deswegen bekam er auch nichts ab.



      Der Spülstein in der Küche diente ihr als Klo.



      Sie maunzte bis jemand kam - das Wasser anstellte.



      So roch am Knie - bis sie sich trollte.



      Jedoch - als sie wutentbrannt vor Eifersucht “ihrem früheren Verlobten in den Nacken sprang!“ Kriegte sie das one-way-ticket.



      (Meine Katze weißschwarz ziert in den Armen ein schwarzweiß Fotto. Erinnere null.)

      • Martin Rees

        @Lowandorder:

        Vielleicht ist noch ein Unterschied: Katzen sind Opportunismus-Genies und manipulieren erfolgreicher als Hunde.



        Da ein Teil der Familie dem Hundesport viel Zeit (und Kohle) widmet, höre ich oft von "Arbeitslinien" der Hunderassen, die schon in ihrem Announcement Shepherd, Berger etc führen, das mit dem Führen und Folgen geht mit Hunden, Katzen sehen das Thema Subordination wahrscheinlich eher anarchistisch distanziert.



        /



        maunzig.com/garfie...ird-zur-kultfigur/

  • boidsen

    Kommt SEHR auf die Hunderasse an...

  • Tetra Mint

    "Hunde sind die besseren Katzen. Sie sind schlicht loyaler."



    Sind sie nicht. Die Hunde, die ich bisher kennengelernt haben, lassen sich von jedem und jeder kraulen und füttern. Neulich saß ich im Park und beobachtete, wie ein Hund jedem, wirklich JEDEM auf einer Parkbank sitzenden Menschen einen Stock anzudienen versuchte, dass dieser geworfen würde (das hat bei den meisten nicht funktioniert - die können alle kein Hundisch mehr). Immerhin, den Besitzer hat's nicht gestört.

    Mein Kater kommt zu mir und nur zu mir. Ebenso verhielt es sich mit der Katze davor. DAS ist Treue.

    Und wer Katzen lesen kann, wird auch nicht von angeblichen "Launen" überrascht. Sie verwenden halt eine andere Sprache als Hunde.

    • Tankens inerti

      @Tetra Mint:

      100% Zustimmung.



      Viele Hundebesitzer suchen in ihrem Vierbeiner auch oft einen Sklaven, der sich auf sie freut, gehorcht, etc. Also indirekt etwas zum kontrollieren und bestimmen. "Sitz!", "Aus!" , "Platz!". Erinnert mich oft ans Militär.

      Das Zusammenleben mit Katzen erweitert das eigene Leben um so viele Facetten.

      • Barbara Falk

        @Tankens inerti:

        Die 10 Mio Hundebesitzer sollten wohl besser die Haustür aufmachen, damit die 16 Mio Haustier-Katzen und die 10 Mio verwilderten Katzen Verstärkung beim Jagen kriegen?



        Nicht mehr nur Mäuse, Singvögel, Reptilien und Laufkäfer. Zusammen mit den Hunden könnte die gemischte Meute dann auch auf Schalenwild und Wildschwein gehen, auf diverse Nutztiere, und natürlich Zweibeiner.



        Das Mio Menschen völlig ungerührt ihre Katzen zum Jagen raus in die Natur lassen (und dass auch die meisten Nicht-Katzenbesitzer das völlig normal finden), finde ich seit jeher sehr seltsam. Darum würde ich mir niemals eine Katze anschaffen, obwohl das zweifelsohne faszinierende Tiere sind.



        (Das mit dem Kontrollwahn und dem militärischen Drill habe ich grad meinem Dackel vorgelesen, er hat herzlich gelacht).

        • Tetra Mint

          @Barbara Falk:

          Beileibe nicht alle Hauskatzen sind Freigänger. Grade in den Stadtzentren und Miez-, pardon, Mietskasernen wäre das völliger Unsinn.



          Meine Tiger bleiben jedenfalls zuhause. Der abgesicherte Balkon reicht zum Vögel- und Eichhörnchen-Beobachten, und das Netz hält Katzen drin sowie Bussarde und lebensmüde Tauben draußen.



          Wo Mensch sich ein Tier anschafft, muss er Verantwortung übernehmen. Einfach nur Tür auf und machenlassen reicht nicht.



          Das gilt übrigens auch für Hunde in Parks mit Leinenpflicht, verflixt nochmal. Was die Nichtangeleinten hier sich an den Wasservögeln schon vergriffen haben, geht auch auf keine Kuhhaut.

  • Piratenlady

    Warum schreibt man als offensichtlicher Katzen-Ablehner einen Bericht zum Weltkatzentag?! Zum Welttottentag würde man doch auch eher besondere Torten thematisieren als „warum Kekse eigentlich besser sind“. Oder am Weltfrauentag. Oder am Tag des Sports.

    Völlig überflüssig-dann macht doch bitte am Welthundetag auch einen Artikel dazu, wir krass der Wert eines Hundes gesehen wird, gern auch im Gegensatz zu dem eines Kindes, besonders in Deutschland:

    - Wie die Leute die Hunde auf jedem Spielplatz mit Leinenzwang (die Hunde sind ja oft größer oder genauso groß wie ein Kleinkind) rennen lassen.

    - Oder wie auf den paar Metern grün die wir in NRW haben alles seitlich des Weges oder sogar darauf mit Hundekot voll ist; dass man mit dem Buggy durchgefahren ist, merkt man manchmal erst, wenn dieser im Hausflur oder im Auto steht)

    - Zäune und Bäume sind voller aufgehängter: Kacki-Beutel

    - Eisdielen verkaufen Hunde-Eis, eine Kugel Eis ist aber grade für junge Familien oft unverhältnismäßig teuer)

    Nur so als Idee