Wegschauen im Coronawinter: Blind in die nächste Welle

Wie ein viraler Asteroid rast Omikron auf das Land zu. Doch das Weihnachtsmotto lautet: Weggucken.

in Reisender im Weihnachtsmann-Kostüm steht zur Hauptreisezeit vor Weihnachten am Hauptbahnhof.

Reisende am Frankfurter Hauptbahnhof Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der Streamingdienst Netflix hat für Heiligabend einen neuen Film angekündigt. Es geht darin um einen Asteroiden, der auf die Erde zurast. Statt wie in „Armageddon“ alles zu tun, um das Unheil abzuwenden, beschließen die Menschen auf der Erde allerdings, nicht hochzugucken und die nahende Katastrophe zu ignorieren. Wie das ausgeht, ist noch nicht bekannt, aber man muss sich schon ziemlich anstrengen, um in der Kurzbeschreibung nicht das Pandemiemotto des ausklingenden Jahres zu erkennen.

Weggucken, das Wissen und die Warnungen der Wissenschaft ignorieren, erst Delta und jetzt Omikron ungehemmt auf die Menschen zurasen lassen, das war und ist Corona in Deutschland im Jahr 2021. Die Folgen werden nicht erst später schwer sein – sie sind es längst. Mehr als 100.000 Menschen haben wegen Covid in Deutschland ihr Leben verloren. Mehr als 13.000 starben allein in den vergangenen sieben Wochen.

Dabei hatten Fachleute aus Immunologie, Virologie und Epidemiologie schon im August darauf hingewiesen, dass die Impfquoten zu niedrig, das Virus nicht verschwunden, neue Varianten möglich und der nächste Coronawinter fast unvermeidbar wäre – aber eben nur fast. Man hätte ihn schon früh eindämmen können, die Inzidenz kontrollieren, niedrig halten. Dann wäre auch Omikron leichter in den Griff zu bekommen gewesen. Und sehr viele Leben hätten gerettet werden können.

Nun ist es dafür schon wieder zu spät, zumal die deutschen Behörden es im Gegensatz zu vergleichbaren Einrichtungen in praktisch allen anderen westlichen Indus­trie­ländern nicht einmal schaffen, ein halbwegs aktuelles Bild der Omikron-Verbreitung zu zeichnen. Lieber guckt man nicht hin und spricht im Futur, wenn es um die noch ansteckendere neue Variante des Virus geht.

Wo ist die evidenzbasierte Politik?

Erst mal ist schließlich Weihnachten. Immunologen, Virologen und Epidemiologen weisen unterdessen darauf hin, dass die Mutante sich längst in Deutschland ausbreitet. Es guckt aber nicht nur keiner hin, es hört auch keiner zu.

Ob sich im kommenden Jahr etwas bessert, hängt davon ab, ob sich die neue Regierung zu dem entschließen wird, was ihr Gesundheitsminister zwar angekündigt hat, aber allein nicht wird umsetzen können: eine Politik, nicht nur zu Corona, die den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis abbildet, also „evidenzbasiert“ ist, wie es fachsprachlich heißt.

Die vorige Regierung hat es versucht und ist gescheitert, an sich selbst und den gar nicht evidenzbasierten Versprechen gegenüber einer coronamüden Bevölkerung, von der man sich Wählerstimmen erhoffte. Die neue Regierung hat zwar nun ihren Lauterbach, aber mehr Evidenz ist bislang nicht zu erkennen. Der virale Asteroid fliegt derweil weiter.

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