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Wahlkampf in TrierKanzler will die letzte Ampel abschaffen

Beim politischen Aschermittwoch in Trier wirbt Kanzler Merz für einen Machtwechsel in Rheinland-Pfalz. Spitzenkandidat Schnieder teilt nach links aus.

Der unermüdliche Kämpfer für die Sache: Friedrich Merz für Schnieder Foto: Harald Tittel/dpa

Gut einen Monat vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat Trier prominenten Besuch bekommen: Zum politischen Aschermittwoch der Landes-CDU reiste Bundeskanzler Friedrich Merz an die Mosel. Bei seinem Auftritt am Mittwochabend machte er sich für seinen Parteikollegen und Spitzenkandidat Gordon Schnieder stark. „Ich möchte, dass nach dieser Landtagswahl eine Landesregierung unter Führung von Schnieder ins Amt kommt“, so der Kanzler in der Trierer Europahalle. „Damit wird die letzte Ampel der Bundesrepublik Deutschland Geschichte.“

Traditionell ist Rheinland-Pfalz SPD-Land, seit 35 Jahren regiert die Partei im Bundesland. Doch das könnte sich bald ändern: Laut aktuellen Umfragen liegt der amtierende Ministerpräsident Alexander Schweitzer knapp hinter Schnieder. Im Juli 2024 hatte SPD-Politiker Schweitzer als Nachfolger von Malu Dreyer das Amt übernommen und war damit an die Spitze der aktuellen Ampelkoalition getreten.

Sein Gegenkandidat, der 50-jährige Schnieder, ist seit 2016 Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz und seit April 2023 als Fraktionsvorsitzender Oppositionsführer. Seit September 2024 ist er zudem Landesvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz. Es ginge seiner Partei darum, dass das Bundesland wieder zu einem Land werde „das funktioniert“, so Schnieder zu den 1.100 Menschen in der Halle. In den Bereichen Wirtschaft und Bildung sei Rheinland-Pfalz mittlerweile ein „Absteigerland“. Er wolle kein Land mehr als „ideologisches Experimentierfeld“, sondern ein wirtschaftsstarkes, sicheres, modernes Land – „mit den besten Bildungschancen für unsere Kinder“.

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Laut Wahlprogramm soll dazu eine neue Stabsstelle in der Staatskanzlei eingerichtet werden, verbindliche Fristen für den Bürokratieabbau eingeführt und über Anträge schneller entschieden werden. Die Sorgen der Menschen seien real: „Da reicht auch Dauerpräsenz in Talkshows nicht aus“, so Schnieder als Seitenhieb gegen seinen Konkurrenten Schweitzer. Man müsse hart für den Mittelstand arbeiten, der viel für das Land leiste. Zudem wolle man kein Land sein, das „Klimaschutz als ideologischen Sonderweg“ betreibe.

Merz fordert Handyverbot an Schulen

Schnieders Fokus auf Wirtschaft ist im Wahlkampf sichtbar: Er führt regelmäßig Gespräche mit Un­ter­neh­me­r*in­nen und besucht Betriebe sowie Fabriken. Auch am Mittwochabend wurden neben Po­li­ti­ke­r*in­nen aus dem benachbarten Luxemburg, Vertreter der Sparkasse Trier, Unternehmer und Geschäftsführer einzeln auf der Bühne begrüßt.

Schnieder forderte am Mittwochabend außerdem eine „klare Abgrenzung von Extremisten“ – nach rechts und nach links. Von SPD-Kandidat Schweitzer verlangte er, sich von der Linkspartei zu distanzieren und keine Zusammenarbeit mit ihr einzugehen. Zudem sprach Schnieder von einem offen propagierten „Judenhass unter Linken“ sowie von einem „zugewanderten Antisemitismus in diesem Land“. Auch der Kanzler sprach von einem „Linksruck“, und fand zusätzlich Worte gegen die AfD: Das europäische Erbe werde leichtfertig von diesen Populisten verspielt. „Das dürfen wir niemals vergessen.“

Der Bundeskanzler machte sich in Trier kurz vor dem Bundesparteitag auch für ein Handyverbot an Schulen stark. Er habe vollkommen unterschätzt, was mit Algorithmen und KI möglich sei. „Dagegen müssen wir uns in Wehr setzen.“ Doch er wolle noch mehr: „Ich möchte Klarnamen im Internet sehen. Ich möchte wissen, wer sich da zu Wort meldet“, sagte Merz. Die Verfechter der Anonymität im Internet seien „häufig genug Leute, die im Schatten der Anonymität größtmögliche Transparenz von anderen fordern“, kritisierte der Kanzler.

Am 22. März wählen die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz den 19. Landtag. Im aktuellen Rheinland-Pfalz-Trend liegt die CDU mit 29 Prozent als stärkste Kraft vorne. Die SPD von Ministerpräsident Alexander Schweitzer legt leicht zu und erreicht 26 Prozent, bleibt jedoch weiterhin klar unter ihrem Ergebnis der Landtagswahl 2021, bei der sie 35,7 Prozent holte.

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19 Kommentare

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  • Wie war noch die Rede vom Söder Markus auf'm politischen Aschermittwoch ?



    Soll das Volk doch eine Stunde mehr arbeiten die Woche, sind doch nur 12 Minuten am Tag.



    Wohl ganz im Sinne des Familienunternehmen von Frau Kar Baumüller-Söder der Baumüller-Gruppe Holding GmbH & Co KG mit 2.000 Mitarbeitern, da machen die 12 Minuten am Tag pro Kopf, 8.600 Stunden im Monat Mehrproduktion - für die Baumüller-Gruppe Holding GmbH & Co KG.



    Wie gut sich doch Politik, Wirtschaft & Industrie familiär vereinen lassen 😉

  • Gordon Schnieder (€DU): *Man müsse hart für den Mittelstand arbeiten, der viel für das Land leiste.*

    Wen meint Schnieder denn damit? Ach ja, Leute wie den Sauerländer Merz, der sich 2018 als Teil der "gehobenen Mittelschicht" bezeichnete, obwohl er damals mit einem Bruttoeinkommen von rund einer Million Euro jährlich und einem geschätzten 12-stelligen Millionenvermögen (inklusive Privatflugzeug) zu den oberen 0,02 % der Steuerzahler gehörte.

    Also alles wie immer. Heiße €DU-Luft mit der man die echte Mittelschicht einlullen will, um dann wieder Politik für die Reichen machen zu können.

    Fällt da eigentlich noch jemand drauf rein? - Ja, leider immer noch sehr viele Bürger.

  • Ein CDU Kanzler will, dass die CDU gewinnt? Skandal.



    Wer denkt sich solche genialen Überschriften aus?

  • CDU geht entschlossen gegen Lifestyle-Teilzeit vor (...) Kanzler will die letzte Ampel abschaffen....



    ----



    Passt!



    Können wir jetzt darauf hoffen, das unser BuKa jetzt seine unzähligen Teilzeitjobs, bisschen CDU-Vorsitz, etwas Außenpolitiker, auch mal Pilot & wenn Ihm dann noch Zeit bleibt Regierungschef aufgibt & in "Vollzeit anfängt als Bundeskanzler zu arbeiten?



    Wäre ja schön, denn die Hoffnung stirbt zuletzt!



    Btw. Nach allen Informationen, die aus & über die CDSU in letzter Zeit bekannt wurden, müssen wir wohl sehr "gläubig" sein, wenn wir annehmen, dass der o.a. Wunsch "Wirklichkeit" werden wird!



    Bin mal auf das "Wahlergebnis" des Parteitages gespannt!



    Doch bei den sich oft komplett widersprechenden Ansprüchen in der UNION sehe ich das nicht so positiv!



    Den "Auftrag"" sehe ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! :-(

  • Es droht eine ähnliche Konstellation wie in Hessen, die CDU mit einer handzahmen Absteiger-SPD, Stillstand dann also auch hier.



    Deprimierenderweise klopft die AfD auch hier an die 20%, die FDP scheint dauerhaft weg zu sein, Lindner hat da ganze Arbeit geleistet.

  • Die SPD ist jetzt schon in der Regierung ein Hemmschuh und mit jeder ( zu erwartenden ) Niederlagen in den anstehenden Wahlen in den verschiedenen Bundesländer wird sie dann, in ihrem Überlebenskampf, nur noch kontraproduktiv sein.



    Einer Partei die meint man muss nur die Fehler der Vergangenheit, welche sie verzwergt haben, wiederholen und ausbauen ist nicht mehr zu helfen.

    • @Günter Witte:

      Die SPD darf gerne dem mehrheitlich verbreiteten Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit eine Stimme geben. Sie hat deutlich professionelleres Personal im Schnitt und etwa in Rheinland-Pfalz als dominante Stimme den Unions-Klüngel eingegrenzt, und das seit einer Generation.



      Das Aber: Sie sollte aber auch dem mehrheitlich verbreiteten Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit eine Stimme geben. Und wie jede Partei, die lange an der Macht ist (ja, Union, ich meine u.a. Dich) muss sie achtgeben, nicht behäbig zu werden.



      Daher hat die Ampelkoalition schon auch ihre Funktion. In Rheinland-Pfalz mit Menschen wie Wissing funktionierte und funktioniert sie auch. Im Bund mit den Lindner-Boys und ohne eigene Ziele der FDP außer Blockade der anderen funktionierte sie nur schleppend.



      Noch einmal zur SPD: Als führende Regierungspartei hat sie in den Ländern gute Karten. Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern würde ich da nennen - das hängt an der offenbar besseren Personalauswahl und -heranführung. Meiner Ansicht deutlich fortschrittlicher als noch autofixierte Brüder-von unterwegs. Offen gestanden: mich wundert die CDU-Schwäche in RhPf. Der junge Kohl war weiter.

      • @Janix:

        Wenn die SPD so überragend ist was Personal und Politik betrifft, WARUM dümpelt sie dann bei den 16 % umher ??Sie wollen doch sicherlich nicht behaupten das weit über 80% der Wähler zu dumm sind um das zu kapieren ?



        Die SPD ist wie eine Fußballmannschaft die in jedem Spiel massenhaft Tore kassiert, selber aber nur hin und wieder trifft, aber trotzdem darauf besteht als Meister angesehen zu werden, weil sie ja die besten sind ...

        • @Günter Witte:

          @Günter Witte



          Jahrzehnte lange Politik der CDU haben unser Land dahin geführt wo es jetzt steht, und Sie fragen ernsthaft ob die Wähler für dumm zu halten sind ? 😂 🤣 😂



          https;www.mehr-demokratie.de

          • @Alex_der_Wunderer:

            Seit 1998 war die SPD länger als die Union mit/an der Regierung, aber Fehler haben natürlich nur die gemacht. Wo Sie Recht haben sind die Fehler unter Merkel, weil diese mehr SPD Politik gemacht hat als es sich die SPD je getraut hätte.

            • @Günter Witte:

              Merkel hat das immer wieder selbstzerstörerische Eintreten der SPD in die Große Koalition erkauft mit "Verantwortungs"-Rhetorik und mit SPD-Programmatik 2017ff. Nur durch eine Zufallskette und einen unloyalen CSUler konnte die SPD zumindest relativer Sieger werden.



              Aber die Union war da auch vom Personal und vom Programm nackt wie eine Labormaus. Wie vier Jahre später auch. Was ich den Linnemanns eher ankreide, denn so etwas löst mensch in der Oppositionszeit.



              Wie Helmut Kohl es mit Biedenkopf und Geißler tat. Für Rheinland-Pfalz wundere ich mich, wieso die dortige CDU das Rezept nicht einfach aufgreift.

            • @Günter Witte:

              @ Günther Witte



              Seit bestehen der BRD stellte die CDU , über 50 Jahre den Kanzler / Kanzlerin. Die Gründerjahre waren geprägt von Konrad Adenauer 1949 - 1963, also 14 Jahre, gefolgt von Ludwig Erhard



              1993 - 1966, dann Kurt Georg Kiesinger CDU. 1982 folgte für 16 Jahre Helmut Kohl CDU, übrigens 1982 nicht durch Wahlen der Bevölkerung an die Regierung gekommen, sondern durch ein Misstrauensvotum innerhalb des Parlament gegen Helmut Schmidt SPD.



              Nach Gerhard Schröder SPD 1998 - 20005, folgte wieder die CDU 2005 - 2021 unter Angela Merkel.



              Über 50Jahre stellte die CDU Kanzler / Kanzlerin.



              21 Jahre, Jahren seit bestehen der BRD stellte die SPD einen Kanzler.



              Was war den Ihrerm Empfinden nach " SPD Politik " unter Angela Merkel ?

  • Na ja, das mit den Bildungschancen ist ja eher eine Ohrfeige.



    Die schmerzt um so mehr, wenn man als lernender Schüler die Toiletten besuchen muss, wo der Vergleich mit einer Bahnhofstoilette eher an der Realität vorbeigeht.



    Vor allem die Ideologie. "Sonderwege". Die Ideologie habt ihr ja schon längst gepachtet! Die ist jetzt wieder schwer rechts und fängt an, schlecht zu riechen. Ihr werdet nicht müde, den Neoliberalismus a la Trump zu erwähnen.

    Ist das der Weg, den auch ihr bevorzugt?



    taz.de/Oxfam-Chef-...iardaere/!6150178/

  • Es fällt auf, dass die FDP nur noch unter den sonstigen einsortiert wird, und dass ihre erwarteten Mandatsverluste gar nicht angegeben werden.

  • In Rheinland-Pfalz hat die Ampel funktioniert. Das ist im Land auch einfacher als im Bund, doch ist es auch der dortigen FDP zuzuschreiben, die eben anders als Lindner auch konstruktive Ziele hatte und hat. Falls jemand der eher konservativen Seite noch eine Partei suchen sollte.

    Ich fürchte eine arg unnötige Große Koalition. Gott schütze Rheinland-Pfalz, um jemand aus der Union zu zitieren, die sich immer noch nicht erneuert hat, trotz eigentlich besten Voraussetzungen im ländlich-katholischen RhP.

  • Das sieht der CDU wieder ähnlich, irgendwas vom hart arbeitenden Mittelstand faseln und sich dann aber nur mit Unternehmern und Geschäftsführern unterhalten.

  • „zu einem Land werde ,das funktioniert', "



    Im Land, das funktioniert, läuft alles wie „geschmiert".



    Das hat (nicht erst) seit Helmut Kohl die Union kapiert.



    --



    Ob Söder, Schnieder oder Merz. -



    Sie haben Angst. Das ist kein Scherz.



    Sie haben Angst vor Heidi Reichinnek. -



    Aschermittwochs schönster Gag.

  • Es ist Wahlkampf, da wird der politische Gegner üblicherweise nicht mit Samthandschuhe angefasst. Es wird von allen Parteien viel versprochen, je nach Klientel. Nach der Wahl gilt dann der Spruch "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern"