WM-Qualifikation im Männerfußball: Die unwiderstehliche Strahlkraft des Fußballs
Die finalen Gruppenspiele um WM-Tickets sorgen einmal mehr für emotionale Rauschzustände. An die finstere Fifa will dabei wirklich keiner denken.
E rst mal runterkommen! Emotional ein wenig ausnüchtern. Sacken lassen, was der Fußball mal wieder ausgelöst hat. Was waren das aber auch für Geschichten, die in den vergangenen Tagen geschrieben wurden! Wie heißt es doch so schön? Geschichten, wie sie nur der Fußball schreiben kann. Fußballzwerge, die es zur WM schaffen. Aus schottischen Füßen gezauberte Traumtore, die den Weg ebnen zum Turnier in Mexiko, den USA und Kanada. Stadien, die in Tränen versinken, Tränen der Trauer und der Freude.
Ein junger Mann namens Troy Parrott, von dem zuvor niemand so recht wusste, ob er wirklich gut Fußball spielen kann, der in zwei Spielen fünf Mal für Irland getroffen hat und tief in der Nachspielzeit der Partie gegen Ungarn die Hoffnung Irlands auf die Qualifikation für die WM am Leben gehalten hat. Ein österreichischer Stürmer, den sie Gregerl nennen, der stolz seine Speckrolle zeigt, nachdem er Österreich zur WM-Quali geschossen hat. Irgendeine Inselrepublik, in der kaum jemand lebt, die im nächsten Sommer mit den großen Fußballnationen mitkicken darf. Und sogar die Deutschen sichern sich ihr WM-Ticket so, dass es einem einfach gefallen muss. Es war eine Woche des schieren Fußballwahnsinns.
Wer sie der Fußballwelt beschert hat, darüber möchte man am liebsten gar nicht nachdenken. Es ist die Fifa, der Internationale Fußballverband, dessen Weltmeisterschaft eine Strahlkraft hat, mit der in unserem Planetensystem eigentlich nur die Sonne selbst mithalten kann – wenn überhaupt.
Finstere Fifa
Mit jedem Whisky, der in Irland auf das 2:0 gegen Portugal getrunken wurde, mit jedem Bier, das schottische Fans nach dem in der Nachspielzeit errungenen 4:2 gegen Dänemark gesoffen haben, und mit jeder Meldung in seriösen Medien, dass sich nun eine Inselgruppe, deren Name man bisher nur mit einem zuckersüßen Gesöff assoziiert hat, erstmals für eine WM qualifiziert hat, strahlt das Turnier noch mehr.
Wer mag bei all diesen Geschichten schon an die finstere Historie der Fifa denken? An die WM in Katar, für die so viele Menschen auf Baustellen gestorben sind. An das Propagandaspektakel, das die Fifa Wladimir Putin 2018 beschert hat. An die Ausflüge von Gianni Infantino in die Gedärme von US-Präsident Donald Trump. Auch an die unselige Vergabe der WM 2034 in das Königreich Saudi-Arabien, das mit seinen Petromilliarden das Fußballbusiness immer weiter antreibt, mag niemand denken, wenn er die Bilder einer Traube jubelnder Spieler nach dem Schlusspfiff sieht.
Und die Freude darüber, dass im kommenden Jahr bei der WM auch die Hymne der Inselrepublik Kap Verde zu hören sein wird, mag man sich doch nicht mit dem Wissen darüber trüben lassen, dass die Fifa das Turnier auf 48 Teilnehmer aufgeblasen hat. Mit der Erweiterung des Teilnehmerfeldes hat die Fifa derartige Wundergeschichten ja erst ermöglicht.
Gerade prüft die Fifa eine Erhöhung der Teilnehmerzahl auf 64. Es gibt gute Gründe, das als Irrsinn zu bezeichnen. Und doch wird man die Wundergeschichten, derer es ja dann noch mehr geben wird, wieder dankbar aufsaugen, sollte die Erweiterung kommen. Und jetzt? Noch mal ein Video vom Fallrückzieher des Schotten Scott McTominay anschauen. Über die Fifa ärgern wir uns dann morgen wieder.
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