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Verstaatlichung ausländischer Firmen Europa muss endlich hart reagieren

Kommentar von

Mathias Brüggmann

Russland hat ausländische Unternehmen unter staatliche Kontrolle gestellt – und damit de facto enteignet. Die landen in den Händen von Kreml-Vertrauten.

N ur wenige Tage nach der massiv gefälschten „Wahl“ zur Duma, dem russischen „Parlament“, zieht Machthaber Wladimir Putin die Schrauben an: Der Wehretat wird auf das höchste Niveau seit dem Zerfall der Sowjetunion erhöht. Die Umgehungsmöglichkeiten von Internetsperren durch VPN-Tunnel werden drastisch eingeschränkt. Die Zahl der für den Krieg gegen die Ukraine Einberufenen wird massiv erhöht. Die Ausgaben für Bildung, Soziales und Gesundheit werden gegenüber 2021 – dem Jahr vor der russischen Vollinvasion in die Ukraine um mehr als ein Drittel gekürzt. Selbstständigen werden alle Steuervorteile gestrichen.

Und nun rollt auch noch eine Welle von Verstaatlichungen ausländischer Unternehmen über Russland. Es handele sich „um Unternehmen, die Verbindungen zu unfreundlichen Ländern haben. Angesichts der zunehmenden Beteiligung dieser unfreundlichen Länder an direkten Kampfhandlungen gegen unser Land werden solche Entscheidungen getroffen“, begründete Kremlsprecher Dmitri Peskow den Entzug der Eigentumsrechte ausländischer Handelsketten wie Metro, Auchan, Leroy Merlin.

Jetzt sind also auch die Unternehmen betroffen, die ganz bewusst in Russland geblieben waren und nicht wie mehr als 560 Firmen, die seit 2022 ihre Filialen und Fabriken verkauft oder ans örtliche Management übertragen haben. Getroffen werden nun selbst die „Russlandversteher“, die trotz des Angriffskriegs zu Moskau gehalten haben. Ziel der Attacke: Druck über diese Unternehmen auf europäische Regierungen zu machen, die Unterstützung der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland zu beenden.

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Schöner Nebeneffekt: Wie zahlreiche Beispiele aus den vergangenen Monaten zeigen, landen die unter staatliche russische Verwaltung gestellten ausländischen Firmen „für Kopeken“, wie Dumpingpreise auf Russisch genannt werden, in den Händen von Getreuen des Kremlchefs.

Nun sind selbst die Russland­versteher betroffen, die bis jetzt zu Moskau halten

Diese russische Politik muss nun endlich dazu führen, dass die EU ihre noch immer in manchen Bereichen vorhandene Zurückhaltung gegenüber Moskau beendet. Die EU muss jetzt endlich die beim Zahlungsabwickler Euroclear in Brüssel und andernorts in Europa eingefrorenen Einlagen der russischen Zentralbank enteignen. Denn der Kreml hält sich an keinerlei Regeln zum Schutz von Privateigentum. Und bei den in Europa arrestierten mehreren Hunderten Milliarden Euro handelt es sich sogar um staatliche russische Gelder. Geld eines Verbrecherstaats, der sein Nachbarland überfallen hat, Oppositionelle in Gefängnisse steckt und dort sterben lässt und das Europa tagtäglich mit einem hybriden Krieg überzieht.

Die Zeit von Ärmelschonern und Zurückhaltung ist vorbei. Damit lässt sich Russland nicht mehr beeindrucken oder von einer Eskalation abhalten. Das ist nun lange genug bewiesen worden. Es wird Zeit für entschlossenes Handeln wie das Konfiszieren russischer Vermögen in Europa und eine Blockade der Schattenflotte, mit der Russland Öl- und Flüssigerdgas exportiert für seine Kriegskasse.

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9 Kommentare

  • Troll Eulenspiegel

    Dass Europa endlich hart durchgreifen muss, ist meines Erachtens nicht hart genug.



    Auch Putin hat eine emotionale Schwachstelle, die ihn zu einer bedingungslosen Kapitulation und der Demokratisierung der vollständigen Ukraine, somit auch die Krim, zwingt. Hat mit Japan auch funktioniert.

    Wenn wir weich bleiben, werden wir die Demokratie auch in Resteuropa verlieren. Ohne, dass Putin hier einmarschieren muss. Das muss verhindert werden.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Troll Eulenspiegel:

      Japan hat kapituliert, weil seine militärische Situation aussichtslos war. Nicht wegen einer emotionalen Schwachstelle. Wegen solch seltsamen Ideen kapituliert niemand. Gleich Recht nicht eine Atommacht.

  • Martin Rees

    Ein Menetekel: Rosatom & framatome



    /



    www.n-tv.de/politi...ar-id31226989.html



    Dort steht zum Sicherheitsrisiko;



    "Warum?



    Frankreich ist bei der Urananreicherung überdurchschnittlich abhängig: Nach offiziellen EU-Daten lag der russische Anteil 2025 bei 39 Prozent, deutlich über dem EU-Durchschnitt. Französische Unternehmen hatten schon vor dem Krieg Kooperationsvereinbarungen mit Rosatom und wollten die Zusammenarbeit auch bei Projekten in Drittstaaten ausbauen. Speziell in Frankreich gibt es einen Konflikt zwischen kommerziellen Einzelinteressen und dem strategischen Ziel der EU, russische Energie vollständig zu ersetzen. Die Zusammenarbeit von Framatome und Rosatom in Deutschland ist ein Beispiel dafür"

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Ich dachte, die russischen Unternehmen in D ständen auch unter Zwangsverwaltung? Oder hat die Bundesregierung das versäumt?

    • elektrozwerg

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Nicht alle. Aber noch bevor in Russland auch nur ein deutscher Konzern schief angeschaut wurde, hatte Deutschland schon Rosneft Deutschland, Gazprom Germania und Co verstaatlicht bzw unter treuhaendische Verwaltung gestellt. Die Vorgeschichte, die die geforderten harten Reaktionen in anderem Licht erscheinen lassen wuerden, wird leider meist grosszuegig ausgeblendet.



      Letztendlich kann man das unter einer Frage zusammenfassen: Darf Russland das machen, was der "Westen" schon jahrelang vormacht? Also in der Hinsicht, dass alle die gleichen Rechte haben und gleiches nicht unterschiedlich bewertet wird.



      Ich warte ja immer noch vergebens auf ein Sanktionspaket der EU gegen die USA, weil diese einen voelkerrechtswidrigen Ueberfall auf Iran vom Zaun gebrochen haben, mit den zu erwartenden Folgen fuer die Weltwirtschaft. Auch eine Enteignung der Teslafrabrik waere in Betracht zu ziehen, schliesslich ist Musk eng mit dem US-Regime verbandelt....

      • Chris McZott

        @elektrozwerg:

        Welche deutschen (staatlich kontrollierten!!) Unternehmen haben denn direkten Zugriff auf die kritische Energieinfrastruktur Russlands?

        Russland hätte seine Gasspeicher nicht verstaatlichen müssen, weil die bereits vorher verstaatlicht waren. Insofern hatte Deutsche nur Waffengleichheit hergestellt. Dass russische Staatskonzerne niemals in Deutschland hätten aktiv werden dürfen, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

  • Perkele

    Um gegenüber starken Kontrahenten wie Putin oder Potus hart reagieren zu können, müsste die EU-Führung Rückgrat haben. Ein Konzept für die politische Arbeit wäre auch nicht schlecht. Beides ist nicht sichtbar bei der derzeitigen EU-Führung. Die verwuseln sich im Klein/Klein zugunsten der Wirtschaft (EU intern, versteht sich) - sonst ist da nix...

  • Christ

    "Europa muss endlich hart reagieren" ist grammatikalisch falsch. Es müsste "müsste" heißen. Dann wäre es als Meinung des Kommentators gekennzeichnet, der ich mich gerne anschließen würde. Die Wahrheit ist, dass Europa - wer auch immer das ist - gar nichts muss. Es könnte, wenn es denn wollte. Aber dieses "Europa" scheint kein handlungsfähiger Akteur zu sein, wie "wir" es uns wünschen würden ...

    • festus

      @Christ:

      Nu. Vor nicht allzulanger Zeit hat man sich mächtig für günstige Fischstäbchen eingesetzt. Was wollen wir denn noch alles?